Die Top-5 der Ajax-Talente

Nachschub aus der Premium-Schmiede

Von Jan Zesewitz
Dienstag, 21.10.2014 | 11:05 Uhr
Davy Klaassen ist der Anführer der jungen Wilden bei Ajax
© getty
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Die Nachwuchsarbeit bei Ajax Amsterdam ist weltberühmt. Auch in diesem Jahr hat Frank de Boer Talente zur Verfügung, die in der Champions League nicht nur zuschauen, sondern in tragenden Rollen mitbestimmen wollen. SPOX stellt die Top-5 der aktuellen Ajax-Talente vor.

Richairo Zivkovic: Rekordjäger auf Suarez' Spuren

Richairo Zivkovic befindet sich auf den Spuren von Luis Suarez. Seinen Fußspuren, wie man in diesem Fall zusätzlich erwähnen muss. Auch der Uruguayer fiel den Ajax-Verantwortlichen beim FC Groningen auf, in Amsterdam wurde er zum Weltstar. Zivkovic' Vater stammt aus Curacao, seine Mutter ist Serbin - daher der außergewöhnliche Name des 18-Jährigen, der in Assen aufwuchs.

Bereits mit elf Jahren spielte er in der Jugendakademie von Groningen, in seiner Karriere ging es steil bergauf. Im Dezember 2012 wurde er mit 16 Jahren und 89 Tagen zum jüngsten Erstligaspieler der Vereinsgeschichte. Beim Saisonauftakt 2013 erzielte er sein erstes Tor in der Erediviesie und brach damit einen weiteren Vereinsrekord: Zuvor war ein gewisser Arjen Robben der jüngste Torschütze in Groningen.

Nach zehn Treffern in 29 Einsätzen 2013/14 hätte sein Weg bereits in die oberste Riege der europäischen Spitzenklubs führen können. FC Barcelona, Real Madrid , Chelsea, Paris St. Germain: Alle wollten den pfeilschnellen Stürmer angeblich verpflichten. Doch er wollte sich in einem der besten Horte für Talente weiterentwickeln und unterschrieb für drei Jahre bei Ajax.

Bisher kam er dort nur bei Jong Ajax in der Jupiler League, der zweiten niederländischen Liga, zum Einsatz. Sechs Spiele machte er für die zweite Mannschaft, hat dabei drei Treffer auf dem Konto. Zwei davon gab es beim 5:1 gegen den FC Twente. "Ich freue mich für ihn", sagte sein Trainer bei Jong Ajax, Andries Ulderink. "Er entwickelt sich immer weiter und es ist gut für ihn, wenn er als Stürmer zwei Tore macht. Am Ende werden Stürmer immer an ihren Toren gemessen."

Zivkovic will diese Maßzahl weiter nach oben schrauben und sich für die erste Mannschaft empfehlen. Seine Auftritte in der niederländischen U 19 machen ebenfalls Hoffnung. In acht Spielen erzielte er bislang fünf Tore - eines davon gegen Deutschland im September. Doch hier liegt auch der Grund für die große Angst der Niederländer.

Dass Ajax Zivkovic früher oder später abgeben muss, scheint klar - doch auch die Elftal könnte ihn verlieren. Neben dem niederländischen besitzt er auch einen serbischen Pass und kann noch frei entscheiden. Vielleicht wird ihm sein Mentor Dennis Bergkamp eines Tages den Weg zu Oranjes A-Mannschaft weisen.

Anwar El-Ghazi: Tormaschine des Sommers

Viele Perspektivspieler können sich insbesondere in der Saisonvorbereitung präsentieren. Die Stammspieler sind im Urlaub, werden geschont oder sind mit der Nationalmannschaft unterwegs. Die Möglichkeit für Talente, sich in den Vordergrund zu spielen. Genau das tat Anwar El-Ghazi - auf eindrucksvolle Weise: In 150 Minuten Einsatzzeit erzielte er für Ajax acht Tore. Diese Leistung brachte ihm einen Platz im Kader der ersten Mannschaft ein.

El-Ghazi lernte in der Jugendakademie von Feyenoord und Sparta Rotterdam, bevor er sich 2013 den Rivalen bei der Ajax-Akademie anschloss. Dort spielte er mit der U 19 von Ajax in der UEFA Youth League mit und erzielte zwei Tore. Dieses Jahr ist er fester Bestandteil der ersten Mannschaft von Ajax.

In jedem Spiel kam der Außenstürmer bislang zum Einsatz und dankte es Trainer Frank de Boer mit zwei Treffern und drei Vorlagen. Seine Physis ist dabei ein zentraler Faktor: El-Ghazi hat mit seinen 1,90 Metern eine gewaltige Präsenz, gerade in der U 19 wirkte er wie ein Mann unter Kindern. Doch auch bei den Erwachsenen kann er dank seiner Ballbehandlung und seiner Schnelligkeit sein Spiel aufziehen.

Der Niederländer mit marokkanischen Wurzeln ist einer der Hoffnungsträger in einer bislang durchwachsenen Saison, in der Ajax in der Liga früh einem Rückstand hinter PSV Eindhoven herlaufen musste. Italienische Medien betitelten den Youngster sogar schon als "neuen Ronaldo".

Dieser Vergleich mag deutlich zu hoch gegriffen sein, dennoch ähneln sich die beiden in ihrer Spielweise. Auch El-Ghazi sucht stets den Abschluss und das Eins-gegen-Eins, wo er auch mal einen Schnörkel zu viel setzen möchte. Selbstbewusst ist er mit seinen 19 Jahren jedenfalls - auch wenn ihm das große Vorbild in diesem Bereich ebenfalls noch einen Schritt voraus ist.

Ricardo Kishna: Traumeinstand des Kreativkünstlers

Erstes Spiel - erstes Tor: Dieser Traumeinstand gelang Ricardo Kishna vergangene Saison gegen in der Eredivisie gegen AZ Alkmaar. Sein erster Einsatz in einem Ajax-Trikot liegt allerdings bereits etwas länger zurück: 2010 wechselte er von der Jugend in Den Haag, wo er aufwuchs, zur Ajax-Akademie.

Dort durchlief er planmäßig alle Stationen bevor er im Januar 2014 sein Profidebüt bei Jong Ajax in der zweiten Liga gab. Insgesamt kam er dort sechsmal zum Einsatz und erzielte zwei Treffer. Doch plötzlich ging es schnell bei Kishna, der kurz nach dem Debüt in Liga zwei auch in den A-Kader berufen wurde und schon im Februar seinen ersten Treffer in der Liga bejubelte.

In diesem Jahr galt zunächst der gleiche Plan. Einsätze in der Jupiler League für Jong Ajax mit gelegentlichen Schnupperkursen in der ersten Mannschaft. Doch Frank de Boer holte den 19-Jährigen schon früh dauerhaft zu den "Großen", weil sich Lasse Schöne verletzt hatte und ersetzt werden musste.

Obwohl Schöne inzwischen wieder dabei ist, hat sich Kishna in der ersten Mannschaft festgebissen. Dreimal stand er bereits in der Startelf von Ajax und steuerte einen wichtigen Assist beim 1:1 gegen Twente Enschede bei.

Sein Spiel lässt große Vergleiche aufkommen, insbesondere durch seinen Jugendcoach in Den Haag, Robin Pronk. "Wenn er am Ball ist, hat man immer das Gefühl, dass etwas passieren wird. Er ist kreativ. Er erinnert mich an Robin van Persie." Der Coach war sehr bedrückt, dass ihn sein Riesentalent in Richtung Amsterdam verließ, sah aber ein, dass Den Haag in diesen Verhandlungen "keine Chance" hatte.

Tatsächlich ist seine Kreativität seine große Stärke, allerdings ist seine technische Beschlagenheit am besten auf dem Flügel aufgehoben, wo er mit dem linken Fuß fast alles möglich machen kann. An seinem schwachen Rechten muss er allerdings arbeiten. Doch dafür bleibt dem Youngster noch viel Zeit...

Seite 1: Rekordjäger, Tormaschine und der Kreativkünstler

Seite 2: Die dänische Erfolgsstory und der Mittelfeld-Chef

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