Champions League: Schalke - Inter, 20.30 Uhr

Der Japan-Clash und die Mourinho-Idee

Von Für SPOX auf Schalke: Haruka Gruber
Mittwoch, 13.04.2011 | 15:10 Uhr
Ein wichtiges Duell des Rückspiels: Schalkes Uchida bekommt es mit Landsmann Nagatomo zu tun
© Imago
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Leonardos Sünde, das riskante 4-2-3-1 und das wichtige Duell der beiden Japaner Yuto Nagatomo und Atsuto Uchida: Im Grunde spricht vor dem Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen Inter Mailand (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) alles für den FC Schalke 04, dennoch ist Trainer Ralf Rangnick gewarnt. Aber wovor eigentlich genau?

Eine der Weisheiten in der Wissenschaft lautet: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Die folgenden Fakten sind jedoch so evident, dass kein Zweifel aufkommen sollte, dass sich der letzte Bundesliga-Vertreter für das Champions-League-Halbfinale qualifiziert.

Schalke geht mit einem 5:2-Polster in das Rückspiel gegen Inter (20.30 Uhr im LIVE-TICKER). Schalke gewann die letzten vier Heimspiele in der Königsklasse. Schalke ist noch nie ausgeschieden, nachdem es im Hinspiel auswärts gewonnen hat. Und Schalke erzielte in den letzten drei Champions-League-Heimspielen jeweils drei Treffer.

Und für Schalke spricht, dass Inters Spielmacher Wesley Sneijder verschnupft in Gelsenkirchen ankam. Dennoch warnt Trainer Ralf Rangnick: "Wir haben erst Halbzeit. Wir führen zwar, aber es ist noch nicht vorbei."

VIDEO: Die ran-Vorschau zu Schalke gegen Inter

Worauf Schalke aufpassen muss:

Der Plan mit Zanetti und Nagatomo

Es war Leonardos größte Sünde des Hinspiels: Der Inter-Coach beließ den so eminent wichtigen Javier Zanetti auf der Linksverteidiger-Position, obwohl im zentralen Mittelfeld die Autorität, Ruhe und Übersicht des Kapitäns abging.

Mit 90-minüter Verspätung wird Leonardo den folgenschweren Fehler jedoch korrigieren und bietet Zanetti in der Dreier-Reihe im defensiven Mittelfeld auf. Mit der Präsenz des Argentiniers dürfte es Jurado und Alexander Baumjohann nicht gelingen, derart unbehelligt durch das Mittelfeld zu flanieren wie phasenweise in Mailand.

Neben Zanetti beginnt Cambiasso in der Dreifach-Sechs, die letzte Planstelle übernimmt höchstwahrscheinlich der vom Hinspiel noch angeschlagene Dejan Stankovic oder der zuletzt schwache Thiago Motta.

Die vakante Linksverteidiger-Position ist dem Japaner Yuto Nagatomo angedacht, beim 2:0 gegen Chievo Verona einer der Besten. Damit kommt es zum direkten Duell mit Landsmann Uchida, der bei Schalke rechts hinten aufläuft. Nagatomo spielt im Vergleich zum Schalker nicht ganz so dynamisch, dafür ist er galliger und vor allem taktisch versierter.

Inters 4-2-3-1-Variante

Offen sprach Ralf Rangnick bei der Abschlusspresssekonferenz darüber, dass er fest davon ausgeht, dass Inter wie im Hinspiel ein 4-3-1-2 aufbietet und ihm lediglich die Besetzung des defensiven Mittelfelds ein Rätsel sei.

Mailands 4-3-1-2 erwies sich im ersten Duell aber als untauglich, um Schalkes starkes Flügelspiel zu unterbinden, weil sich die drei Sechser viel zu weit in die Mitte schoben, so dass Inters Außenverteidiger häufig alleine die Seite zu decken hatten und sich zwei Gegenspielern gegenübersahen.

Entsprechend plausibel wäre es, wenn Leonardo zumindest an einen Wechsel vom 4-3-1-2 zum 4-2-3-1 in Betracht zieht. Immerhin jene Variante, mit der Inter unter Jose Mourinho die Champions League im vergangenen Jahr gewann.

In diesem Fall überlässt Samuel Eto'o das Sturmzentrum Diego Milito und beginnt links und am rechten Flügel würde Goran Pandew vor Maicon postiert werden, so dass die Seiten doppelt besetzt wären.

Was jedoch gegen das 4-2-3-1 spricht: Im Mailand-Derby setzte es in genau dieser Formation das 0:3.

Lucios Rückkehr

Gefühlt jede zweite Frage an einen Protagonisten von Inter zielt auf Lucios Comeback und dessen Bedeutung für die arg indisponierte Abwehr. Der ehemalige Bundesliga-Profi kehrt selbstredend in die Startelf zurück und ersetzt Cristian Chivu, der gesperrt fehlt und im Hinspiel ohnehin versagte.

Mit Lucio wird Inter vor allem bei Flanken wesentlich stabiler stehen, zumal es der robust-kantige Brasilianer besser verstehen sollte als Chivu, Schalkes Wandspieler Edu beim Behaupten des Balles zu behindern.

Und: Innenverteidiger Andrea Ranocchia mag zwar italienischer Nationalspieler sein, aber es erwies sich, dass er nur als Juniorpartner neben Lucio mit der nötigen Sicherheit auftritt. Als Abwehrchef war er beim 2:5 bemitleidenswert überfordert.

Waffe Farfan fehlt

Schalkes meist genutzter Offensivspielzug ist nicht unbedingt kreativ, aber umso wirkungsvoller. Der Ball wird ins zentrale Mittelfeld gepasst, von dort geht es raus auf den rechten Flügel zu Jefferson Farfan, der aus drei Möglichkeiten die je nach Situation vielversprechendste auswählt.

Er dribbelt, er spielt Doppelpass und geht mit Wucht zur Grundlinie durch oder er nimmt das Tempo heraus und wartet auf das Hinterlaufen von Uchida. Alles recht einfach durchschaubar, wegen Farfans Schnelligkeit und Spielintelligenz jedoch nur schwer zu unterbinden.

Draxler: Neuers Nachfolger steht bereit

Nun fehlt jedoch der Peruaner und damit der neben Neuer und Raul wichtigste Schalker Spieler. Vertreten wird er voraussichtlich durch den erst 17-jährigen Julian Draxler, einem gänzlich anderen Typus. Draxler hat einen besseren Distanzschuss und weiß ein Spiel zu gestalten, dafür fehlt ihm jedoch Farfans Geschwindigkeit sowie dessen taktisches Verständnis - was vor allem Folgen für Uchida haben könnte.

So fleißig der Rechtsverteidiger am Angriffsspiel teilnimmt, so töricht verhält er sich gelegentlich in der Verteidigung. Ohne Farfans Hilfe dürfte Uchida ein Risiko sein für Schalke. Dennoch betont Rangnick, dass sich nichts an der offensiven Grundausrichtung ändern wird: "Wir spielen auf Sieg!"

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Schalke: Neuer - Uchida, Höwedes, Matip, Sarpei - Draxler, Papadopoulos, Jurado, Baumjohann - Edu, Raul

Inter: Cesar - Maicon, Lucio, Ranocchia, Nagatomo - Stankovic, Cambiasso, Zanetti - Sneijder - Eto'o, Milito

Das Viertelfinale der Champions League im Überblick

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