Schreckgespenst und Freistoßgott

Von Alexis Menuge / Holger Britzius
Dienstag, 23.10.2007 | 13:09 Uhr
© Getty
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München - Der letzte Vergleich einer deutschen Mannschaft in der Champions League mit Olympique Lyon ist vielen noch in bitterer Erinnerung. 0:3 und 2:7 hieß es für Werder Bremen im Achtelfinale 2004/2005, ein "olympischer" Torhagel zeigte dereinst den braven Bremern die Grenzen und die ganze Kunst des Offensivspiels auf.

Der VfB Stuttgart steht vor dem Aufeinandertreffen mit Lyon am Dienstagabend (20.45 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere) ein ähnlich heißer Tanz bevor. Zwar ist Sylvain Wiltord, der gegen Bremen vier Tore erzielte, mittlerweile nicht mehr bei Lyon. Doch die Franzosen haben einen neue Waffe.

Der strahlende Fixpunkt im Angriff des französischen Tabellenführers an der Seite des arrivierten Sydney Govou ist der erst 19-jährige Nachwuchsstar Karim Benzema.

Der Jungnationalspieler traf in elf Spielen in der Ligue 1 bereits elf Mal und auch in seinen ersten sechs Länderspielen konnte er schon drei Treffer bejubeln. Trotzdem steht und fällt das Lyon-Spiel noch immer mit den genialen Momenten des Brasilianers Juninho.

Die Equipe des französischen Meisters im Porträt:

Tor:
Remy Vercoutre: Für den 27-Jährigen scheint es eine große Last, den verletzten Nationaltorhüter Gregory Coupet ersetzen zu müssen. Ihm fehlen Ausstrahlung und Sicherheit, besonders bei Standardsituationen mangelt es an der Strafraumbeherrschung. Hinzu kommt bei erst 15 Liga-Spielen die mangelnde Erfahrung des ehemaligen U-21-Nationalkeepers, was besonders bei den drei Gegentreffern gegen die Glasgow Rangers offenbar wurde.

Abwehr:
Anthony Reveillere:
Eigentlich der beste Rechtsverteidiger der Ligue1, nur Nationaltrainer Raymond Domenech hält offenbar nicht allzu viel von ihm. Reveillere ist zweikampfstark, kann ein Spiel sehr gut "lesen" und schlägt bei seinen Vorstößen gefährliche Flanken. Allerdings fehlt es ihm etwas an Schnelligkeit.

Cleber Anderson: Der Brasilianer, erst Ende August für vier Millionen Euro von Benfica Lissabon verpflichtet, wurde zunächst als Notkauf für seinen verletzten Landsmann Cris (Kreuzbandriss) gehandelt. Inzwischen hat der 27-Jährige aber nach anfänglichen Integrationsproblemen seinen Stammplatz erobert. Er ist stark in der Luft, noch fehlt es aber an Abstimmung und Verständnis mit seinen Kollegen.

Sebastien Squillaci: Der 27 Jahre alte Franzose spielt bereits seine zweite Saison bei OL, nachdem er lange beim AS Monaco unter Vertrag stand. Dort erlebte er mit dem Champions-League-Finale 2004 gegen den FC Porto (0:3) auch seinen bisherigen Karrierehöhepunkt. Squillaci ist ein moderner Innenverteidiger, der abgesehen von einigen Unkonzentriertheiten kaum Schwächen hat. Ein aggressiver Spieler, sehr robust in den Zweikämpfen und gefährlich bei Standardsituationen.

Fabio Grosso: Galt als die große Verstärkung des letzten Sommers, Lyons Präsident Jean-Michel Aulas sagte sogar "Grosso ist stärker als sein Vorgänger Abidal". Bislang hat der italienische WM-Held jedoch massiv enttäuscht: Schwach im Zweikampf und eindeutig zu langsam. Das Positive: Seine Torgefährlichkeit und die immer wieder gefährlichen, präzisen Flanken.

Mittelfeld:
Mathieu Bodmer:
Der 24 Jahre alte defensive Mittelfeldspieler wird aller Voraussicht nach für den verletzten Jeremy Toulalan zum Einsatz kommen, der als legitimer Nachfolger von Patrick Vieira in der Equipe de France gehandelt wird. Bodmer kam vor der Saison vom OSC Lille, eroberte sich zunächst einen Stammplatz, musste zuletzt aber auf der Bank Platz nehmen. Totzdem gilt der Abräumer als eines der größten Talente des französischen Fußballs und war vor der Saison unter anderem beim FC Bayern im Gespräch.

Kim Kallström: Der erfahrene schwedische Nationalspieler stieß nach dreieinhalb Jahren in Rennes vergangene Saison zum französischen Serienmeister. Zunächst kam er auf nur wenige Einsätze, da auf seiner Position meist Tiago (jetzt Juventus) zum Einsatz kam. Inzwischen gehört er zu den festen Größen im OL-Mittelfeld. Der 25-Jährige hat einen sehr guten linken Fuß und eine brillante Übersicht. Außerdem ist der technisch versierte Mittelfeldstratege bei Freistößen extrem gefährlich.

Juninho Pernambucano: Der Brasilianer ist eindeutig der Star im Team von Olympique. Bereits seit 2001 ist der 32-Jährige der unumstrittene Leader im Mittelfeld. Unzählige Male entschied Juninho Spiele für Lyon oder rettete das Team in letzter Minute. Oft mit einem seiner famosen Freistöße, die schon ganz Europa in Verzückung brachten. Inzwischen regt sich in der Mannschaft Kritik an der Sonderstellung des Superstars, der 2006 zum "Spieler des Jahres" in Frankreich gewählt wurde. Geniale Technik und stets torgefährlich.

Sydney Govou: Jedes Jahr aufs Neue will er angeblich den Verein verlassen, doch inzwischen bestreitet er seine neunte Saison bei Lyon, dem bisher einzigen Verein seiner Karriere. Er ist antrittsschnell, dribbelstark und torgefährlich und wird wohl als "hängende Spitze" im rechten Mittelfeld zum Einsatz kommen. Defensiv ist der Nationalspieler nicht ganz so effektiv, vernachlässigt immer wieder die Arbeit nach hinten. Unvergessen: Sein Doppelpack im März 2001 in der CL-Gruppenphase gegen den FC Bayern (3:0).

Angriff:
Karim Benzema:
Der neue Wunderstürmer in Frankreich. Vor einer Woche im EM-Qualispiel auf den Färöer Inseln in der 46. Minute eingewechselt und gleich zwei Mal erfolgreich. Sein erstes Länderspiel bestritt er dieses Jahr im März gegen Österreich (1:0) und schoss das einzige Tor der Partie. Er gilt als der kommende, einzig würdige Nachfolger von Thierry Henry. Der "komplette" Stürmer ist technisch versiert, gefährlich im Kopfball, schnell und dribbelstark. In der Ligue1 führt er unangefochten mit elf Treffern die Torjägerliste an. Am 19.Dezember wird der Sohn algerischer Einwanderer 20 Jahre alt.

Milan Baros: Der Tscheche sitzt meist auf der Ersatzbank, da Benzema ihm den Rang abgelaufen hat. Seit der "Stinker-Affäre" (im Spiel gegen Rennes vergangene Saison hielt er sich demonstrativ die Nase zu und gab so vor, sein Gegenspieler, der dunkelhäutige M´Bia, würde schlecht riechen. Es wurde als rassistischen Akt gesehen und der französische Verband sperrte ihn für drei Partien). Baros, von Aston Villa gekommen, weigert sich, die französische Sprache zu lernen. Er gilt als Diva und ist mit Juninho der bestbezahlte Profi bei OL.

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