HSV-Boss: "Keine Trainerdiskussion"

SID
Sonntag, 18.03.2012 | 12:03 Uhr
Fassungslose Gesichter beim HSV. Die Abstiegszone kommt immer näher
© Getty
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Eine Niederlage gegen den SC Freiburg, Abstiegskampf, die Lage ist ernst. Unruhe im Verein, Beratungen. Der Vorstandsvorsitzende stärkt dem Trainer aber demonstrativ den Rücken.

Thorsten Fink kennt das alles schon. Am 21. April 2009 musste er beim FC Ingolstadt seinen Hut nehmen. "Wir müssen jetzt alle im Klub zusammenhalten", appellierte Fink deshalb nach der niederschmetternden 1:3 (0:2)-Heimniederlage des Hamburger SV am Samstag gegen den SC Freiburg, "wir müssen den Abstiegskampf annehmen."

Die Frage ist, ob Fink und seine Mannschaft das können. Als er Mitte Oktober vor exakt 17 Spieltagen, also einer halben Saison, in Hamburg anheuerte, stand der Klub auf Platz 18. Man hatte noch viel Zeit, der neue Coach brachte Aufbruchstimmung und Optimismus. Man redete über Abstiegskampf und dachte insgeheim an Europa. Auch der Trainer. Umso brutaler ist der freie Fall in den letzten Wochen: Fünf Spiele, vier Niederlagen, ein Unentschieden. Jetzt ist der HSV mitten drin im Abstiegskampf.

Zweifel an der Qualität wachsen

"Selbstvertrauen ist sehr, sehr wichtig", sagte HSV-Sportchef Frank Arnesen, "das müssen wir zurückbekommen. Wir müssen alles tun, damit die Spieler begreifen, dass sie gut genug sind." Doch die Zweifel an den Qualitäten der Mannschaft wachsen, auch in der Mannschaft. Die Fehler in der Abwehr wiederholen sich Woche für Woche. Die Freiburger Tore zum 0:1 durch Johannes Flum (20.) und zum 0:3 durch Cedric Makiadi (72.) waren die Gegentreffer 19 und 20 nach Standardsituationen. Bei Daniel Caligiuris Treffer (43.) schlief Dennis Dieckmeier.

Dass zudem der vom DFB langfristig aus dem Verkehr gezogene Paolo Guerrero nicht zu ersetzen ist, zeigt sich nicht nur bei der Harmlosigkeit vor dem Tor. Wohl noch wichtiger ist die Laufbereitschaft des Peruaners, der als "vorderster Verteidiger" den Gegner im Aufbau stört. Mladen Petric, dessen Vertrag am Saisonende nicht verlängert wird, kann das nicht. Oder will nicht.

Redeverbot für die Spieler am Samstag

Wenn dann im Angriff noch klarste Chancen aus wenigen Metern vergeben werden, wie bei den Einschussgelegenheiten von Tolgay Arslan (3.) und Petric (59.), kann keine Mannschaft gewinnen. Das Tor von Ivo Ilicevic (75.) kam zu spät. "Wir müssen im Strafraum konzentrierter sein, vorne die Chancen nutzen und hinten enger am Mann stehen", fordert der Trainer.

Zunächst einmal gab es am Samstag aber Redeverbot. Außer Kapitän David Jarolim durfte sich kein Spieler äußern, wollte es wahrscheinlich auch gar nicht. "Ich habe den Jungs nach dem Spiel gesagt, dass es besser ist, wenn wir alle ruhig sind", erklärte Arnesen das große Schweigen, "wir müssen uns die Wahrheit sagen. Wenn alle das machen, haben wir eine gute Einstellung."

Es gibt keine Trainerdiskussion

Die Unruhe im latent brodelnden HSV-Umfeld wird kommende Woche jedoch weiter zunehmen. Ehemalige Vereinsgrößen werden wohl demnächst öffentlich ihre Sorge ausdrücken. Manche Fans haben jetzt bereits "die Schnauze voll", die ersten Pfiffe hallten schon nach 25 Minuten durch das Stadion. Entscheidend wird sein, dass die Beteiligten, einschließlich des mächtigen Aufsichtsrats, die Nerven behalten.

Ein entsprechendes Signal gab bereits der Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow, der Fink am Sonntag des Vertrauen aussprach: "Es gibt keine Trainerdiskussion", sagte Jarchow beim Auslauftraining der Stammspieler.

Der seit einem Jahr amtierende Klubchef kündigte jedoch Maßnahmen für die kommenden Tage an: "Wir werden nicht abwarten und nur hoffen. Wir werden eingreifen. Darüber haben wir auch schon diskutiert." Was genau geplant ist, wollte er nicht bekannt geben.

SC-Präsident "vom Klassenerhalt überzeugt"

"Der HSV hat viel Druck, das ist anders als bei uns", stellte Freiburgs Trainer Christian Streich fest. Der 46-Jährige hat das Team in der Winterpause übernommen und ihm ein Konzept und System gegeben, das immer besser funktioniert.

"Wir spielen mit Disziplin, Es wird viel gearbeitet", lobt SC-Präsident Franz Keller, "die Mannschaft setzt das ideal um. Ich bin zu einhundert Prozent vom Klassenerhalt überzeugt." Mit 25 Punkten hat der SC nur noch zwei Zähler Rückstand auf den Tabellen-14. aus Hamburg. Und den viel besseren Trend.

Hamburg - Freiburg: Daten zum Spiel

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