HSV: Abstiegskampf meets Milchgesicht

SID
Mittwoch, 14.03.2012 | 18:23 Uhr
Michael Mancienne wird gegen Freiburg wohl wieder in die Startelf des Hamburger SV rücken
© Getty
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Wenn Erfahrung wirklich eine Schlüsseltugend im Abstiegskampf ist, hat der Hamburger SV schlechte Karten: Aufgrund der personellen Sorgen besteht die Viererkette gegen Freiburg wohl aus vermeintlichen Milchbärten. Beim VfB Stuttgart wartet Raphael Holzhauser weiter auf seine Chance, Geduld braucht auch der Sommer-Shooting-Star von Borussia Dortmund.

Hamburger SV: Nach zuletzt drei Pleiten in vier Spielen steht der HSV wieder mitten im Abstiegskampf - und gegen die unmittelbaren Konkurrenten aus Freiburg, Wolfsburg und Kaiserslautern vor drei immens wichtigen Partien in Folge. Doch pünktlich zu den Wochen der Wahrheit plagen die Hamburger mal wieder arge Personalprobleme, vor allem in der Abwehr drückt der Schuh. Neben dem verletzten Aogo und dem gesperrten Westermann, wird wohl auch der angeschlagene Jansen am Samstag fehlen. Fink muss also in der Viererkette experimentieren: Die Chance für die zweite Reihe. Im Training am Dienstag fand sich also Rajkovic einmal in der A-Elf wieder, der Serbe spielte gegen die Reservisten hinten links. Den freien Platz im Zentrum neben Bruma übernahm dafür Michael Mancienne, der zuletzt am 12. Spieltag in der Startelf stand. Mit seinen 24 Jahren und zwei Monaten wäre der Engländer damit aber schon der Oldie im Hamburger Kinderriegel. Nimmt man Diekmeier dazu, hätte die Viererkette ein Durchschnittsalter von gerade einmal 22,5 Jahren und die geballte Erfahrung von zusammen 95 Bundesliga-Spielen. Nicht einmal halb so viele wie Westermann (217) alleine.

VfB Stuttgart: Unmittelbar nach der Winterpause war Raphael Holzhauser schon nah dran an den Profis. Insgesamt zweimal ließ ihn Bruno Labbadia Bundesligaluft schnuppern, nachdem er den Österreicher in der Hinrunde noch für zu leicht befunden hatte für die erste Liga. Holzhauser durfte aber nur in den beiden bereits entscheidenden Liga-Spielen gegen Schalke (1:3) und Mönchengladbach (0:3), sowie im Pokal gegen die Bayern (0:2) ran. Und seitdem nicht mehr. Zuletzt stand der 19-Jährige gar nicht mehr im Kader. Dass sich William Kvist gefangen hat und Zdravko Kuzmanovic plötzlich auch wieder Land bei Labbadia sieht, verbessert Holzhausers Lage nicht sonderlich. Dabei bescheinigen ihm nicht wenige schon die Qualität, in der Bundesliga durchaus mithalten zu können. Trotz seiner schlaksigen Statur hat Holzhauser sehr gute technische Voraussetzungen. Sein Ehrgeiz ist mit der Rückversetzung zu den Amateuren immerhin von neuem geweckt. Im Nachholspiel gegen Preußen Münster unter der Woche erzielte er beim 1:1 seinen dritten Saisontreffer.

Borussia Dortmund: Chris Löwes Abenteuer beim BVB startete wie in einem Märchen. Der Neuzugang aus der vierten Liga profitierte zum Saisonstart vom Ausfall Marcel Schmelzers, hinterließ auf Anhieb einen guten Eindruck und wurde daher ohne Umschweife ins kalte Wasser geworfen. Fünf Startelfeinsätze an den ersten neun Spieltagen, dazu das Debüt in der Königsklasse - ein rasanter Aufstieg, den der 22-Jährige selbst nicht für möglich gehalten hatte. Seit dem Jahresausklang beim Pokalspiel in Düsseldorf ist es mit dem Fußballspielen aber weitestgehend vorbei: Löwe schaffte es in der Rückrunde erst vier Mal in den 18er-Kader der Profis (kein Einsatz), oft blieb ihm nur der Platz auf der Tribüne. Einmal durfte er bei den Amateuren aushelfen, einem weiteren Einsatz am Dienstag stand eine hartnäckige Grippe im Wege. Der Linksverteidiger muss sich derzeit also in Geduld üben und auf eine weitere Bewährungschance warten. Aufgrund des unerwarteten Saisonstarts dürfte sich Löwes Traurigkeit in Grenzen halten.

1. FC Nürnberg: Auf Markus Mendler sind sie stolz beim Club. Der 19-Jährige erhielt 2011 die Fritz-Walter-Medaille in Bronze und wurde damit als drittbestes Nachwuchstalent seines Jahrgangs in Deutschland ausgezeichnet. Mit 17 Jahren und 251 Tagen hatte Mendler zuvor als zweitjüngster Club-Spieler überhaupt in der Bundesliga debütiert und war anschließend auch regelmäßig zum Einsatz gekommen.

Der Offensivmann ist damit so etwas wie das Sinnbild des erfolgreichen Jugendkurses, den Nürnberg seit einiger Zeit fährt. Inzwischen ist Mendlers Aufstieg allerdings etwas ins Stocken geraten. Für den Bundesliga-Kader reichte es zuletzt nicht mehr. Andere sind an ihm vorbei gezogen. Spielpraxis und Selbstvertrauen holt sich Mendler derzeit wieder in der U 19. Doch auch unter den Gleichaltrigen sticht der U-19-Nationalspieler momentan nicht wirklich heraus. Die erste kleine Krise der noch jungen Profi-Karriere erlebt Mendler damit aktuell. Ernsthafte Sorgen macht sich deshalb aber weder der Club noch Mendler selbst, denn immer noch ist er ja nur ein A-Jugendspieler.

Hannover 96: Moritz Stoppelkamp war der große Gewinner des Wintertrainingslagers. Satte 26 Mal traf der 25-Jährige während der Hannoveraner Vorbereitung auf die Rückrunde. Und dann? Kam nicht mehr viel. Die mächtig starke Konkurrenz im Angriff und auf dem rechten Flügel verdonnerte Stoppelkamp regelmäßig zum Zuschauen. Erst Verletzungen und Sperren bescherten ihm gegen Bremen wieder einen Einsatz in der Startelf. Erst der vierte überhaupt in der laufenden Saison. Doch nun hat Stoppelkamp mindestens zwei Probleme: erstens spielte er selbst zwar durchaus passabel, allerdings kassierte Hannover eine bittere 0:3-Niederlage. Und zweitens kehrt in dieser Woche neben Jan Schlaudraff auch Manuel Schmiedebach wieder zurück ins Team. Damit wird wohl Lars Stindl wieder auf die Position im rechten Mittelfeld rücken. Und an dem ist im Augenblick kein Vorbeikommen.

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