Bayern: Angst vor einer deprimierenden Saison

Von Thomas Gaber
Sonntag, 19.02.2012 | 10:36 Uhr
Zum Haareraufen: Bayern-Spieler Thomas Müller in Freiburg
© Getty
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Der FC Bayern ist auswärts von einer seltsamen Lethargie befallen. Das 0:0 in Freiburg stellt den (vorläufigen) Tiefpunkt einer schwachen Rückrunde dar. Christian Nerlinger platzte der Kragen. Der Sportdirektor stellt sogar die Arbeit einer ganzen Saison in Frage.

Bayern 7, Freiburg 0. Das erste Aufeinandertreffen zwischen beiden Mannschaften in dieser Saison war eine derart einseitige Angelegenheit, dass Freiburgs Torhüter Oliver Baumann von einem "gefühlten 0:13" sprach. Die Bayern hätten in der Tat nur etwas mehr Zielstrebigkeit im Abschluss gebraucht - und der Bundesligarekord des höchsten Sieges (12:0) wäre gefallen.

Weil Borussia Dortmund zeitgleich zuhause gegen Hertha BSC 1:2 verlor und eine Woche später auch noch in Hannover baden ging, waren die Bayern früh in der Saison außer Reichweite.

Deutliche Worte von Nerlinger

Aus acht Punkten Vorsprung auf den deutschen Meister ist zweieinhalb Monate vor Saisonende ein Rückstand von vier Punkten geworden.

Vier Punkte kann man aufholen, doch wie die Bayern in der Rückrunde Fußball spielen, ist in negativer Weise beeindruckend. Im Jahr 2012 reihen die Münchner - mit Ausnahme des Pokalsieges in Stuttgart - ein schwaches Spiel an das nächste, vor allem auswärts.

Blog"Den FCB zu schlagen, ist leicht"

Der Auftritt beim 0:0 in Freiburg war insbesondere in der ersten Halbzeit erschreckend. "Es ist mir ein großes Rätsel, vor allem, was in der ersten Halbzeit abgelaufen ist. Es wirkt so, als ob einige nicht kapiert haben, um was es geht", schimpfte Christian Nerlinger, für gewöhnlich ein Mann der leisen Töne.

Der Sportdirektor vermisste "die grundlegenden Elemente wie Aggressivität, Einstellung und Laufbereitschaft. Wenn wir so weiterspielen, haben wir mit der deutschen Meisterschaft nichts zu tun."

Probleme auch gegen aggressive Teams

Kapitän Philipp Lahm sprach von einem "riesen Rückschlag" im Titelkampf, "weil wir heute nicht auf dem Platz waren", und kündigte eine Menge Gesprächsbedarf an.

Viel geredet haben die Bayern auch nach dem 1:3 in Gladbach. Oder dem 1:1 in Hamburg. Doch die Münchner treten auf der Stelle. Sie sind vor allem auswärts von einer seltsamen Lethargie befallen. Und sie sind nicht in der Lage, dem Gegner ihr Spiel aufzuzwingen.

Der FC Bayern hat nicht nur Probleme gegen Mannschaften, die mit zehn Mann hinterm Ball verteidigen, sondern neuerdings auch gegen Mannschaften, die aggressives Forechecking als Anti-Bayern-Serum benutzen. Bis weit in die zweite Hälfte hinein griff Freiburg permanent mit bis zu fünf Spielern den Ball führenden Verteidiger an und provozierte so viele Ballverluste der Bayern.

"Es schrillen die Alarmglocken"

Die Heynckes-Elf ist von ihrer Souveränität, die sie in weiten Teilen der Hinrunde stark gemacht hat, derzeit weit entfernt. Das Offensivspiel ist uninspiriert und für den Gegner leicht ausrechenbar.

"Es ist sehr besorgniserregend. Es schrillen die Alarmglocken bei uns. Der Auftritt stimmt mich sehr nachdenklich, weil nicht nur Grundlegendes gefehlt hat, sondern auch unsere Spielanlage. Wenn man heute die beiden Mannschaften gegenüberstellt und die individuelle Klasse betrachtet, dann muss der FC Bayern einfach als Sieger vom Platz gehen", sagte Nerlinger.

Selbst Jupp Heynckes, der die Niederlagen seiner Mannschaft in dieser Saison stets mit viel Diplomatie analysierte, wird nachdenklich.

"Dortmund und Gladbach haben gewonnen und meine Mannschaft ist offenbar nicht mit dem Druck klar gekommen, gewinnen zu müssen. Wir konnten uns eigentlich keinen Lapsus leisten. Und dann haben wir die erste Halbzeit verschlafen, viel zu pomadig gespielt. Das hat mich enttäuscht", sagte der Trainer.

Nerlinger erhöht den Druck

Bis zum nächsten Spiel, dem Champions-League-Achtelfinale beim FC Basel am kommenden Mittwoch, bleibt nicht viel Zeit für die Aufarbeitung.

Nerlinger erhöht den Druck. "Die Rückrunde verläuft für uns bislang negativ. Wir müssen die Dinge schnellstens ändern und schnellstens in die Gänge kommen, sonst wird das eine sehr enttäuschende, deprimierende Saison für den FC Bayern München."

Freiburg - Bayern: Daten zum Spiel

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