Bundesliga - 20. Spieltag

Auf der Pirsch

Von Für SPOX in Hamburg: Stefan Rommel
Sonntag, 05.02.2012 | 11:10 Uhr
Der FC Bayern hat nach Rückstand bisher nur ein Spiel in dieser Saison noch gewinnen können
© Getty
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Die Bayern haben die Tabellenführung an Dortmund verloren - weil ihrem Spiel noch immer entscheidende Nuancen fehlen. Die Mannschaft funktioniert nicht als Gesamtkunstwerk, die Probleme sind altbekannt. Aber vielleicht gefällt sich der Rekordmeister in der Rolle des Jägers sogar besser.

Das Urteil der Hamburger Fans ließ nicht lange auf sich warten. Es drang bis hinüber in die Südkurve, wo sich die Spieler des FC Bayern gerade bei ihren Fans für die Unterstützung bedankten. "Ihr werdet nie deutscher Meister" mussten die Bayern da vernehmen. Was faktisch natürlich schlichtweg falsch ist. Die Zeile "Ihr werdet so nicht deutscher Meister" wollte aber partout nicht ins Versmaß passen.

1:1 (0:1) endete die Partie im Hamburger Volkspark, es war eines jener Remis, das aus Sicht beider Mannschaften eher zwei verlorene Punkte bedeutete. Für den HSV, der sich nach einem desaströsen Start in die Rückrunde geläutert zeigte und sich nach großem Kampf mehr erhofft hatte.

Nerlinger: "Das sagt alles"

Und für die Bayern, die jetzt auf lediglich vier Zähler aus drei Spielen im Jahr 2012 schauen können. Viel zu wenig für die Ansprüche des Rekordmeisters. Und vor allen Dingen: fünf weniger als der größte Konkurrent, Borussia Dortmund.

"Wir sind mit drei Punkten Vorsprung in die Rückrunde gegangen. Jetzt haben wir zwei Punkte Rückstand. Das sagt alles", presste Christian Nerlinger die Gemütslage in ein Rechenbeispiel. Der Sportdirektor war einer der wenigen Bayern - und der einzige der Führungsetage, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge suchten wortlos das Weite - der überhaupt reden wollte nach dem Spiel.

Da war es gleich doppelt schade, dass auch Nerlingers Ausführungen nach handgestoppten 24 Sekunden erlahmten, aber immerhin mit dem bedeutungsvollen Satz endeten: "Wir stehen unter Druck."

FC Bayern: Die Leichtigkeit fehlt

In der Hinrunde waren die Bayern ähnlich gestartet, mit einem schwachen Spiel und der dazu passenden Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach, danach mit einem Zittersieg gegen Wolfsburg. Das 5:0 gegen einen orientierungslosen HSV war dann der Startschuss in einen beschwingten Herbst, mit acht Spielen am Stück ohne Niederlage und sogar ohne Gegentor.

Nur ganz so von selbst will es im kalten Winter des neuen Jahres nicht weitergehen. Den Bayern fehlt es an Leichtigkeit. Fast jede gelungene Aktion muss sich die Mannschaft hart erarbeiten. Das Tor zum Ausgleich in Hamburg fiel nach einer Ecke, und weil Heung-Min Son den Ball am ersten Pfosten nicht sauber geklärt bekam.

Bis dahin hatten die Münchener aus dem Spiel heraus einen Fernschuss von Arjen Robben vermerkt und ein wohl reguläres Eigentor von Heiko Westermann, das Schiedsrichter Knut Kircher aber wegen eines vermeintlichen Foulspiels am Hamburger nicht anerkannte.

Einstellung und Moral stimmen

"Uns fehlt das eine Prozent derzeit, die entscheidende Idee. Der letzte Pass kommt nicht an. Dabei machen wir davor schon sehr vieles richtig", sagte Philipp Lahm. Der eine Tick fehlte gegen den HSV. Also hakten die Bayern die Grundtugenden im Kopf ab. "Einstellung und Moral" hätten gestimmt, so Manuel Neuer.

"In der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt, waren läuferisch sehr stark", sagte Trainer Jupp Heynckes. Nur hat die Liga auch noch bessere Mannschaften zu bieten als einen zwar aufstrebenden, aber doch wenig furchteinflößenden Hamburger SV.

Es passt so gar nicht zu den Bayern, sich nach eigener Definition im Spiel zu verbessern, sich dafür aber punktemäßig nicht entsprechend zu belohnen.

Nur ein Bayern-Sieg nach Rückstand

"Beim FC Bayern musst du immer gewinnen. Die Ansprüche sind größer und extremer. Deswegen können wir nicht zufrieden sein. Wir hätten hier gewinnen müssen, wir hätten das erzwingen müssen", musste auch Heynckes eingestehen, dass den Bayern derzeit besonders jene gefürchtete Gabe fehlt, aus fast Nichts ganz viel zu machen.

Wieder einmal waren früh sie in Rückstand geraten. Dass sie dann bisher lediglich eins von sieben Spielen noch drehen konnten - beim 2:1 in Stuttgart, mit 60-minütiger Überzahl - ist auch eine Wahrheit dieser Saison.

Die Münchener haben immer noch Probleme mit ihrem Positionsspiel, wenn sich der Gegner weit zurückziehen kann. Dann fehlt es an Tempo und Einfachheit. Immer wieder wandert der Ball von links nach rechts und zurück, ohne dass ein Zuspiel in die Tiefe die gegnerische Abwehr überraschen könnte.

Van Gaals Geist erscheint wieder

"Momentan gibt es viele Mannschaften, die die Bayern außen doppeln und es damit schaffen, ihnen den Rhythmus zu nehmen. Das haben wir heute auch versucht und geschafft", verriet Dennis Aogo das gar nicht mehr ganz so neue Rezept der Hamburger gegen die größte Säule der Bayern-Offensive.

In der Vorrunde war der Geist von Heynckes' Vorgänger Louis van Gaal bereits verblasst. Ein wenig scheint er sich jetzt wieder in den Vordergrund zu drängen. Wenn Franck Ribery und Arjen Robben den Ball zu lange halten und Thomas Müller deswegen vergeblich in der kleinen Lücke der gegnerischen Abwehr auf den Ball wartet, bekommen die Bayern kaum einmal eine Tempoverschärfung hin.

Dass in der Defensive ein defensiver Mittelfeldspieler rechts hinten in der Viererkette aushelfen muss, ist an und für sich nicht außergewöhnlich. Viele Klubs der Liga geraten in Verlegenheit, weil es nicht unbegrenzt gute Rechtsverteidiger gibt. Aber der FC Bayern ist nicht wie viele Klubs.

Robben: "Dann gehen wir jagen"

Bereits in der Vorrunde wies Heynckes immer wieder auf den Missstand hin, dass der Kader unter bestimmten Umständen zu dünn sein könnte. In Hamburg fehlten Rafinha wegen einer Gelbsperre und der verletzte Daniel van Buyten, umgerechnet anderthalb Stammspieler. Und trotzdem musste Anatolji Tymoschtschuk plötzlich rechts in der Viererkette ran.

Der Spieler habe sich dafür empfohlen, sagte Heynckes auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Also nahm der Trainer das Risiko in Kauf, dass es in dieser einen Partie nicht optimal laufen könnte. Heynckes wollte Jerome Boateng unbedingt im Zentrum halten, um den Nationalspieler im Hinblick auf die nächsten Wochen nicht dauernd hin- und herschieben zu müssen. Van Buyten fällt schließlich noch einige Wochen aus.

Das Experiment ging einigermaßen schief, es blieb aber nur ein Mosaikstück im Gesamtkontext der zwei verlorenen Punkte. Arjen Robben war der letzte Bayer in den Katakomben der Arena in Hamburg-Stellingen, also gebührte ihm das Schlusswort.

"Es ist nicht gut, dass wir jetzt nicht mehr Erster sind." Dass die Bayern nicht mehr die Gejagten, sondern selbst die Jäger seien, war die finale Frage. "Na gut, dann gehen wir jagen!", lautete Robbens entschlossene Replikt. So energisch könnte es doch noch was werden mit der Meisterschaft.

Hamburg - Bayern: Daten zum Spiel

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