Bundesliga - 20. Spieltag

Remis beim HSV: Bayern verliert Tabellenspitze

Von Für SPOX in Hamburg: Stefan Rommel
Samstag, 04.02.2012 | 20:28 Uhr
Bayern-Star Arjen Robben (l.) im Duell mit Tomas Rincon
© Getty
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Der FC Bayern München hat die Tabellenführung in der Bundesliga an Borussia Dortmund verloren. Die Münchener kamen am 20. Spieltag beim Hamburger SV nicht über ein 1:1 (0:1) hinaus und liegen jetzt zwei Punkte hinter dem BVB.

Die Tore vor 57.000 Zuschauern in der ausverkauften imtech-Arena in Hamburg erzielten Jacopo Sala (23.) für den HSV und der eingewechselte Ivica Olic für die Gäste (71.).

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Reaktionen:

Jupp Heynckes (Trainer FC Bayern): "Ich kann der Truppe auf keinen Fall einen Vorwurf machen. Besonders in der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt, waren läuferisch sehr stark. Aber die Ansprüche beim FC Bayern sind größer und extremer. Deswegen können wir nicht zufrieden sein. Wir hätten hier heute gewinnen müssen, hätten das erzwingen müssen."

Thorsten Fink (Trainer Hamburger SV): "Wir wollten defensiv gut stehen und nach vorne Akzente setzen. Das ist uns gelungen. Klar, dass die Bayern mehr Spielanteile hatten. Aber wir hatten die klareren Torchancen. Mir hat sehr gefallen, dass die Mannschaft nach dem 1:1 noch nach vorne gespielt hat und das Spiel noch gewinnen wollte."

Thomas Müller (FC Bayern): "Wir müssen immer gewinnen beim FC Bayern. Und vor allem, wenn du Meister werden willst, musst du sehr viele Spiele gewinnen. Deswegen ärgert mich das Unentschieden immens, weil es ein Spiel war, wo viel mehr drin war. Eigentlich bist du enttäuscht, verärgert, kannst aber auch das Spiel nicht schlecht reden."

Arjen Robben (FC Bayern): "Für uns ist das zu wenig. Am Ende fehlt die Schärfe, es fehlt ein Tick, die letzten Prozente - nur dann schießt du ein Tor. Wir müssen uns verbessern, die Chancen besser ausspielen. Es ist noch ein langer Weg. Obwohl wir nur einen Punkt geholt haben, haben wir uns verbessert. Wir sind noch nicht top, aber es kommt. Wir müssen das weiter aufbauen, in jedem Spiel."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Hamburg mit Rajkovic für den verletzten Bruma in der Innenverteidigung. Ansonsten beginnt die siegreiche Elf aus dem Berlin-Spiel.

Die Bayern ohne den gesperrten Rafinha und den verletzten van Buyten in der Viererkette. Boateng dafür wieder im Zentrum, Tymoschtschuk als rechter Verteidiger.

6.: Ecke Aogo von links. Westermann mit dem Kopf aus elf Metern. Kroos rettet auf der Linie stehend am rechten Pfosten.

14.: Klares Foul von Robben an Jarolim im Mittelfeld. Kircher lässt weiterspielen. Ribery zieht von links zur Mitte, Schuss aus 22 Metern. Drobny mit den Fingerspitzen zur Ecke. Die segelt an den Fünfer, Gomez mit einem Mini-Schubser gegen Westermann, der den Ball ins eigene Tor köpft. Kircher entscheidet auf Foul. Sehr knifflige Entscheidung, Tendenz: Fehlentscheidung.

23., 1:0, Sala: Langer Ball auf Aogo. Boateng mit dem Kopf dazwischen. Badstuber geht erst nicht hin, klärt Guerreros Zuspiel dann wieder direkt auf den Peruaner. Der sieht Sala ganz rechts am Sechzehner frei stehen. Der Italiener nimmt den Ball volley und trifft aus 16 Metern per Aufsetzer ins lange Eck. Erstes Bundesligator für Sala.

70.: Robben mal links im Strafraum, flankt flach in den Rücken der Abwehr. Müller mit links aus zehn Metern. Drobny schon auf dem falschen Fuß, taucht den Ball aber gerade so noch raus.

71., 1:1, Olic: Nach einer Ecke bekommt der HSV den Ball nicht sauber geklärt. Müller schlenzt von links in die Mitte, wo der Ball durch vier, fünf Spieler hindurch geht. Olic steht völlig frei und drückt aus sechs Metern ein.

72.: Robben zieht von rechts zur Mitte. Schuss aufs kurze Eck, knapp rechts vorbei.

76.: Ilicevic setzt sich im Mittelfeld gegen vier Gegner durch, spielt dann den Sahnepass in die Gasse auf Son. Badstuber ist weit und breit nicht zu sehen. Son umkurvt Neuer, wird aber weit abgedrängt. Aus der Drehung schießt er den Ball nur ans Außennetz.

82.: Schweinsteiger mit Gewalt aus 35 Metern. Drobny streckt sich vergeblich, der Ball zischt aber knapp links vorbei.

Fazit: Gerechtes Remis. Der HSV verteidigte geschickt, vergaß aber in der zweiten Halbzeit die Offensive. Die Bayern immer noch mit viel Sand im Getriebe, am Ende aber willensstark.

Der Star des Spiels: Heiko Westermann zeigte seine beste Saisonleistung. Der Kapitän war unglaublich stabil, räumte hinten umsichtig auf, war stark im Zweikampf. Gomez hatte gegen Westermann keine Szene, dazu funktionierte auch die Spieleröffnung endlich richtig gut.

Der Flop des Spiels: Anatolij Tymoschtschuk musste rechts in der Viererkette ran und fand sich da von der ersten Minuten an nicht zurecht. Tymoschtschuk hatte große Abstimmungsprobleme mit seinen Nebenleuten, verteidigte Jansen schlecht und tat absolut gar nichts in der Offensive. Nach gut einer Stunde war für den Ukrainer dann auch Schluss.

Der Schiedsrichter: Knut Kircher hatte eine ungemein schwierige Partie mit vielen kleinen Nickeligkeiten und engen Entscheidungen zu leiten: Westermanns Einsteigen gegen Gomez war hart an der Strafraumgrenze, Tymoschtschuk bekam den Ball an die Hand - beide Male gab es keinen Elfmeter. Westermanns Eigentor nicht anzuerkennen, war wohl eine falsche Entscheidung.

Analyse: Die Bayern mit einem lethargischen Beginn, Hamburg gleich wach und bei Standards gefährlich. Der HSV versuchte es oft über die linke Seite, um dort gleich Druck auf das wenig eingespielte Pärchen Tymoschtschuk/Boateng aufzubauen und kam einige Male auch durch.

Die Bayern nach einer Viertelstunde besser drin, weil sie etwas aggressiver in den Zweikämpfen wurden und die anfängliche Unbekümmertheit des HSV immer mehr dem Respekt vor dem Gegner wich. Hamburgs Führung war zwar eine Folge der fehlenden Abstimmung in Bayerns Viererkette, kam zu diesem Zeitpunkt aber überraschend.

Bei den Bayern funktionierte das Positionsspiel in der Offensive, allerdings fehlte das nötige Tempo in den Spielzügen. Das Pressing war unbrauchbar. Der HSV konnte sich immer wieder leicht aus bestimmten Situationen befreien, wurde aber im Angriffsspiel immer ungefährlicher. Bei den Bayern fand Ribery, der von Diekmeier und Sala gut gedoppelt wurde, kaum ins Spiel.

Nach dem Wechsel plätscherte das Spiel merkwürdig vor sich hin, die Bayern spielten ihren Stiefel runter, wurden aber überhaupt nicht gefährlich. Dem HSV genügte eine solide Abwehrarbeit von Mittelfeld und Abwehr, um sich der Angriffe der Münchener zu erwehren. Die Offensive fand beim HSV aber nicht mehr statt.

Nach einer Stunde korrigierte Trainer Heynckes seinen Fehlgriff mit Tymoschtschuk rechts in der Viererkette und zog Lahm nach rechts. Kurz danach kam mit Olic auch noch eine echte zweite Spitze. Jetzt erst wurde das Spiel der Gäste zwingender, der Ausgleich war trotzdem ein Zufallsprodukt.

Nach dem Ausgleich war die Partie völlig offen, beide Mannschaften hatten plötzlich ihre Chancen auf den Sieg. Die Bayern am Ende quasi mit fünf Stürmern, aber ohne die nötigen Ideen aus dem Mittelfeld.

Hamburg - Bayern: Daten zum Spiel

 

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