Als der Knopf aufging

Von Jochen Tittmar
Samstag, 02.04.2011 | 22:01 Uhr
Der BVB gewann gegen Hannover, hatte aber dennoch Probleme mit 96
© Getty
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Borussia Dortmund hatte beim 4:1-Heimsieg gegen Hannover 96 vor allem im ersten Durchgang enorme Probleme mit den Niedersachsen. Wie nun schon öfter, wenn der Gegner einfach Dortmunds Spielstil kopiert.

Reaktionen:

Jürgen Klopp (Trainer Dortmund): "Das war ein ganz wichtiger Sieg, vor allem wegen der Spielentwicklung. Der Sommer kam mit Vollgas hier an und dann so ein starker Gegner. Ich bin stolz auf die Jungs. Wer gesehen hat, wie bei uns nach dem 1:1 der Knopf aufgegangen ist, der hat gemerkt, dass wir uns in der entscheidenden Phase der Saison befinden. Wir versuchen, uns komplett auf uns zu konzentrieren zu können. Das gelingt der Mannschaft in außergewöhnlicher Art und Weise. Dieses Brettspiel gegen einen so starken Gegner gewonnen zu haben, ist ein Beleg dafür."

Kevin Großkreutz (Mittelfeldspieler Dortmund): "Wir wollen Deutscher Meister werden. Wer es jetzt nicht sagt, ist bekloppt."

Mats Hummels (Abwehrspieler Dortmund): "In den ersten 60 Minuten hat Hannover seine Aufgabe erfüllt und sehr gut gespielt. 96 steht zurecht da oben und spielt eine richtig gute Saison. Nach dem 0:1-Rückstand ist es zufriedenstellend, wie das Spiel noch ausgegangen ist. Die Art und Weise, wie wir in den letzten 30 Minuten aufgetreten sind, war beeindruckend."

Mirko Slomka (Trainer Hannover): "Wir sind niedergeschlagen und enttäuscht, aber konnten den BVB wenigstens kurzzeitig ärgern. Wir haben zu leichte Fehler gemacht und haben dem kommenden Meister dadurch ein schönes Geschenk gemacht. Kloppo, ich muss Dir heute zum Titel gratulieren - Deine Mannschaft hat Klasse und Ihr könnt zu Recht feiern."

Konstantin Rausch (Mittelfeldspieler Hannover): "Eine bessere Ausgangsposition wie mit dem 1:0 hätten wir uns gar nicht verschaffen können. Der schnelle Ausgleich und vor allem, dass vier bis fünf Spieler ausgespielt werden, darf nicht passieren. Hätten wir das 1:0 länger halten können, wäre das Spiel wahrscheinlich anders gelaufen. Es ist auch bitter, dass wir das Match auch noch so hoch verlieren. Wir dürfen den Kopf jetzt aber nicht in den Sand stecken, sondern weitermachen und versuchen unsere Spiele zu gewinnen."

Nachbetrachtung:

Mini-Krise, Meister-Flattern - während der Länderspielpause wurden allerhand Begriffe kreiert, die den sportlichen Zustand des BVB beschreiben sollten. Man darf davon ausgehen, dass es nach dem am Ende etwas zu hoch ausgefallenen 4:1-Heimsieg gegen Hannover nun wieder heißt, die Borussia befinde sich souverän auf Meisterkurs. Dabei hat sich durch den Leverkusener Sieg auf dem Betzenberg am Tabellenbild nichts geändert. Dortmund hat eben nur mal wieder gewonnen - das 20. Mal bei 28 Versuchen.

Ob das mühevolle Dortmunder Spiel im ersten Durchgang auf den zuletzt aufgebauten medialen Druck zurückzuführen war, wird sich nicht endgültig klären lassen. Eher war es dem Gegner geschuldet, "der uns alles abverlangt hat" (Klopp) und wie erwartet agierte - aus einer kompakten Defensive heraus schnell nach vorne kombinierend.

Dieser Verteidungsstil bereitete dem BVB allerdings weniger Probleme, als das eigene Spiel durchzubringen. Ähnlich wie zuletzt gegen Mainz unterliefen den Westfalen im Spielaufbau etliche leichte Fehler. Dortmund verstand es gegen laufstarke und klug verschiebende Niedersachsen nicht, Räume zu gewinnen. Zudem ließ der BVB durch die Bank die letzte Konsequenz vermissen, die den BVB in der gesamten Hinrunde ausgezeichnet hatte.

So erinnerte die Partie über 50 Minuten an Dortmunder Heimspiele aus sportlich schwierigen Zeiten - das mulmige Gefühl der Zuschauer inklusive. Der Hannoveraner Führungstreffer gelang letztlich recht einfach: Dortmund übersah zunächst, dass 96 einen Eckball kurz ausführte und pennte dann in Person des schwachen Lukasz Pisczcek am langen Pfosten.

Es wäre sehr interessant gewesen zu sehen, ob der BVB auf den Rückstand dieselbe Reaktion gezeigt hätte, wenn Götze nicht mit Können und noch mehr Glück postwendend den Ausgleich erzielt hätte.

Genauso, wie bei der Borussia urplötzlich "der Knopf aufging" und die Mannschaft von Minute zu Minute mehr Sicherheit und Ruhe am Ball gewann, wirkte das im zweiten Durchgang etwas offensivere Hannover recht konfus ob der nun aufkommenden Euphorie auf dem Spielfeld und den Rängen.

In der letzten halben Stunde erinnerte das "Brettspiel" dann wiederum an die Partie aus der Hinrunde. Dortmund bewegte sich effektiver, hatte damit mehr Anspielstationen und Platz in der Offensive und zeigte sein in dieser Saison gewohntes Gesicht.

Ungeachtet des ordentlichen Restprogramms lässt sich festhalten, dass der BVB Probleme mit Gegnern hat, die sich ebenfalls durch enormes Pressing und schnelles Umschalten auszeichnen. Spiel und Gegner werden nicht mehr wie in der Hinrunde durchgängig beherrscht. Das ist aber auch nicht nötig, gerade wenn man es von der anderen Seite betrachtet: Manchmal reichen eben auch 30 gute Minuten.

Dortmund - Hannover: Daten zum Spiel

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