Samstag, 11.12.2010

Bundesliga - 16. Spieltag

Veh: "Wir stecken in einer schweren Krise"

Der Hamburger SV ist nach der 2:4 (0:1)-Niederlage gegen Bayer Leverkusen im Niemandsland der Bundesliga angekommen und verabschiedet sich schon jetzt vom Gedanken, das internationale Geschäft zu erreichen. Die Geduld der Fans scheint aufgebraucht.

Der Hamburger SV steht nach der Niederlage gegen Leverkusen auf Platz neun
© Getty
Der Hamburger SV steht nach der Niederlage gegen Leverkusen auf Platz neun

Reaktionen:

Armin Veh (Trainer Hamburger SV): "Wir müssen jetzt hellwach sein, wir müssen Spiele gewinnen. Na klar habe ich Verständnis für die Unzufriedenheit der Fans: Es ist eine Saison, die keinen befriedigt. Wir befinden uns in einer schweren Krise, da muss man nicht drumherum reden. Deshalb müssen wir die alten Ansprüche aus den Köpfen kriegen. Vielleicht ist für uns in dieser Saison ein siebter Platz schon ein Erfolg. Wir haben vorher ein paar Spiele unglücklich verloren - heute haben wir es verdient verloren. Von internationalen Zielen sind wir ganz weit weg. Wenn man so eine Leitung zuhause bringt wie heute und die Tore so leicht herschenkt, dann hat man da auch nichts zu suchen."

Frank Rost (Hamburger SV): "Es ist schwer, etwas über die Gründe zu sagen. Vom Erzählen wird es sowieso nicht besser. Es ist enttäuschend, wenn du die Leverkusener so frei durchlaufen lässt, ohne dass du etwas machst. Und dann kommt noch das Pech dazu. Für irgendetwas wird es gut sein, dass du mal eine Klatsche bekommst und hier so vorgeführt wirst."

Ruud van Nistelrooy (Hamburger SV): "Es ist eine schwierige Situation, aus der wir uns nur gemeinsam herauskämpfen können. Wir als Mannschaft gemeinsam mit unseren Anhängern. Ich kann verstehen, dass die Fans enttäuscht sind, denn das ist ihr gutes Recht. Und wir selber sind ja auch unzufrieden. Aber wir müssen jetzt zusammenhalten und gemeinsam den Weg aus dieser Situation suchen."

Heiko Westermann (Hamburger SV): "Wir schießen wieder mal zwei Tore, die aber erneut nicht für Punkte reichen. Das darf uns nicht passieren, wir können nicht immer so viele Treffer kassieren. Zwei Tore zu Hause - damit darf man auch gerne mal gewinnen. Aber wir sind momentan zu instabil, zu unsicher, uns fehlt die Geschlossenheit. Wir müssen enger zusammenrücken. Da müssen wir ansetzen, am besten schon in Gladbach, denn die Hinrunde ist noch nicht vorbei und Gladbach wird ein wichtiges Spiel."

Jupp Heynckes (Trainer Bayer Leverkusen): "Der HSV war in den ersten 25 Minuten die bessere Mannschaft, weil wir zu passiv waren. Aber danach kamen wir besser in die Partie und haben mit viel Struktur und Selbstvertrauen in unserem Spiel den HSV unter Druck gesetzt."

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Nachbetrachtung:

Seit dem 22. September hatte der HSV zuhause nicht mehr verloren. Die bisherige Heimstärke beschönigte eine durchwachsene Saison zumindest ein bisschen. Gegen Leverkusen wurden die Norddeutschen nun allerdings teilweise vorgeführt - im eigenen Stadion. Spätestens jetzt herrscht Alarmstimmung in der Hansestadt.

"Wir befinden uns in einer schweren Krise", sagte Coach Armin Veh. Dementsprechend gereizt ist die Stimmung auch bei den Anhängern. Mitte der zweiten Halbzeit skandierten die Fans: "Wir haben die Schnauze voll!" Bis zum Schlusspfiff wurde fast jede verunglückte Situation mit Pfiffen oder höhnischem Beifall begleitet. Der HSV-Anhang scheint mit seiner Geduld am Ende zu sein.

Ein Schuldiger für die Misere scheint gefunden. Nach dem Abpfiff umstellten rund 150 Fans den Parkplatz von Klub-Boss Bernd Hoffmann und skandierten: "Hofmann raus!" Allerdings lieferte auch die Mannschaft gegen Bayer wenig Hoffnung auf Besserung. Vehs abermalige Taktikumstellung auf eine Raute im Mittelfeld zeigte keinerlei Wirkung. Eher im Gegenteil.

Trochowski war als Zehner zwar bemüht, aber wirkungslos, Jarolim lief meist hinterher und Ze Roberto leistete sich im halblinken Mittelfeld einige Abspielfehler und trat ungewohnt nickelig auf. Bezeichnenderweise nahm Veh Jarolim und Ze Roberto frühzeitig vom Platz. Es passt momentan sehr vieles nicht beim HSV.

Ganz anders sieht das bei Bayer Leverkusen aus. Noch immer ist die Heynckes-Elf auswärts ungeschlagen, insgesamt nun seit sechs Partien ohne Niederlage und damit momentan das einzige Team der Liga, das mit Spitzenreiter Dortmund zumindest einigermaßen Schritt halten kann.

"Was meine Mannschaft derzeit auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie auf jede Situation eine Antwort hat und auch nach Gegentoren nicht den Kopf in den Sand steckt", sagte Heynckes.

Hamburg - Leverkusen: Daten zum Spiel

Daniel Börlein

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