Kölner Happy End trotz Tränen und Schmerzen

SID
Samstag, 11.12.2010 | 20:07 Uhr
Das Team schart sich um Faryd Mondragon (in Grün), der sein letztes Heimspiel für Köln machte
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Der 1. FC Köln leistete sich mit dem verletzten Lukas Podolski ein 20-minütiges Vabanquespiel und stand am Ende dennoch als Sieger da. Der Altmeister ist erlöst.

Ein weinender Torhüter, ein verletzter Starspieler, ein überglücklicher Youngster: Nach dem erlösenden 1:0 (0:0) gegen Eintracht Frankfurt schlugen die Emotionen beim 1. FC Köln wieder einmal hoch. Zur Pause drohte dem Altmeister noch ein weiterer schwarzer Samstag, unter dem Strich gab es aber trotz Tränen und Schmerzen ein Happy End.

Faryd Mondragon verabschiedete sich mit seinen Söhnen an der Hand unter Tränen, Lukas Podolski humpelte dick bandagiert mit schmerzverzerrtem Gesicht zur Feier in die Fankurve. Und Christian Clemens sicherte sich den Ball seines ersten Bundesliga-Tores für den heimischen Trophäenschrank.

Schaefer riskierte viel

Ende gut, alles gut. Dabei hatte Trainer Frank Schaefer viel riskiert. In der Hoffnung auf Besserung der Knöchelverletzung hielt er Podolski 20 Minuten lang auf dem Feld, der FC spielte praktisch mit zehn Mann. Bestraft wurde dies nicht, zudem handelt es sich bei der Blessur anscheinend nicht um den zunächst befürchteten Bänderriss.

Durchatmen war also angesagt, und selbst Mondragon erhielt noch einen Abschied, den man für unmöglich gehalten hätte. In dieser Hinrunde war der 39-Jährige, der im Winter wohl in die USA wechseln wird, zwischenzeitlich aus dem Tor genommen, als Stinkstiefel ausgemacht und nach einem kruden Vergleich seiner Person mit Jesus verspottet worden. Nun feierte die gesamte Kurve den Kolumbianer und seine süßen Kinder Paolo (3) und Lucca (4), die in viel zu großen Torwart-Trikots des Papas dessen letzte Minuten im Kölner WM-Stadion erlebten.

"Dass so ein Abschied nicht ohne Tränen abläuft, ist doch klar", sagte Abwehrspieler Christopher Schorch, nachdem Mondragon die Mannschaft noch auf dem Platz zu einem Kreis versammelt und mit feuchten Augen eine Abschiedsrede gehalten hatte. Schaefer lobte den 2007 noch von Christoph Daum verpflichteten Keeper als "echten Leader".

Risiko bei Podolski eingegangen

Den wollte Podolski auch wieder geben, doch diesmal war es falscher Ehrgeiz. Obwohl er für jeden offensichtlich weder laufen noch schießen konnte, keinen Ball bekam und sogar bei einer großen Torchance vom Kollegen Sebastian Freis ignoriert wurde, ließ er sich erst 20 Minuten nach der Verletzung auswechseln.

"Das war ein Risiko, aber wir wissen alle, wie wichtig Lukas ist. Und deshalb haben wir gehofft, dass sich die Verletzung rausläuft", sagte Schaefer, gab aber zu: "Deshalb haben wir teilweise mit zehn Mann gespielt und keinen Rhythmus gefunden." Den ersten Durchgang stufte der Coach dann auch realistisch als "Scheiß-Halbzeit" ein, Mittelfeldspieler Martin Lanig sprach von "mit der schlechtesten, die wir je gespielt haben".

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Für das Happy End sorgte dann ein Jungspund. Den Ball, mit dem Clemens im 12. Bundesliga-Spiel sein erstes Tor erzielt hatte, schmuggelte der 19-Jährige unter dem Trikot in die Kabine. "Der kommt in den Schrank", sagte der U-20-Nationalspieler, der im Gegensatz zu den wortlos verschwundenen Protagonisten Mondragon und Podolski freimütig von seinen Gefühlen berichtete: "Vor so einem Publikum ein Tor zu schießen, ist das Geilste überhaupt. Das war einfach ein perfekter Tag."

Zusammenhalt macht Hoffnung

Neben den Talenten wie Clemens oder Adam Matuschyk (21) ist es vor allem der neue Zusammenhalt zwischen Mannschaft und Trainer, die beim Tabellen-16. nach einer insgesamt chaotischen Hinrunde Hoffnung macht.

So sahen Lanig und Clemens die Halbzeit-Ansprache des langjährigen Amateur-Trainers Schaefer als ausschlaggebend für den Sieg an. Der Coach selbst wehrte jedoch jedes Lob ab: "Da überschätzt man die Rolle eines Trainers", sagte er und zog stattdessen "den Hut vor meiner Mannschaft".

Großer Frust herrschte nach der unnötigen Niederlage dagegen bei den Frankfurtern. "So ein Ding zu verlieren, ist dermaßen nervig und ärgerlich, dass ich kaum Worte finde", sagte Ioannis Amanatidis.

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