Fussball

Vettel ist Bayerns Vorbild

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Thomas Gaber
Mario Gomez (l.) machte gegen Nürnberg zwei Tore, Ribery (M., mit Müller) feierte sein Comeback

Nach dem überzeugenden 3:0-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg schickt der FC Bayern München Kampfansagen an die Liga. Argumente hat der Rekordmeister vor allem durch den offensiven Aufschwung und die Rückkehr prominenter Rekonvaleszenten. Doch Trainer Louis van Gaal steht immer noch vor einer Reihe von Problemen.

Reaktionen:

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstand FC Bayern): "Wir haben gut gespielt und drei wichtige Punkte geholt. Wir haben allerdings überhaupt keinen Grund, euphorisch zu werden. In Leverkusen muss die Mannschaft genauso auftreten. Da zählen für uns ebenfalls nur drei Punkte. Wir haben noch reichlich Punkte aufzuholen. Ich in optimistisch, dass wir die Kurve kriegen, zumal jetzt viele verletzte Schlüsselspieler zurückkommen. Man hat gesehen, wie gut Franck Ribery unserem Spiel einfach tut. Auch Breno hat eine gute Halbzeit gespielt. Er stabilisiert unsere Abwehr und ich bin mir sicher, dass er es bei seinem zweiten Versuch beim FC Bayern packen wird"

Louis van Gaal (FC Bayern): "Wir haben souverän gespielt, die Mannschaft bekommt ein Extra-Lob. Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt. Keine Chancen zugelassen, viele kreiert und ein Tor gemacht. Aber es ist komisch, dass wir die ersten 15 Minuten nach der Pause wieder nicht gut gespielt haben."

Mario Gomez (FC Bayern): "Ich will immer so viele Tore wie möglich schießen. Deswegen ärgert mich der verschossene Elfmeter sehr. Ich wusste, in welche Ecke der Torwart fliegt und wollte ihn oben reinhauen. Ich habe den Ball wohl etwas zu gut getroffen. Ich kann mich nicht richtig freuen. Der Ball muss einfach rein."

Dieter Hecking (1. FC Nürnberg): "Die Bayern haben völlig verdient gewonnen. Wir haben eine schlechte erste Halbzeit gespielt, waren überhaupt nicht aggressiv. Ich war vor dem Spiel nicht so euphorisch wie viele andere in Nürnberg."

Nachbetrachtung:

Wochen-, ja monatelang hielten sich Trainer, Spieler und Funktionäre des FC Bayern München mit forschen Kampfansagen an die Konkurrenz zurück. Die Leistungen und vor allem die Ergebnisse in der Bundesliga ließen Muskelspiele nicht zu. Am Sonntagabend brach ausgerechnet der Boss das Gelübde.

Seine Bayern werden es Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel gleichtun, die ganze Saison über geduldig aus der zweiten Reihe beobachten, wie die Spitze allmählich näher rückt, um ganz am Ende zuzuschlagen. "Vettel hat sozusagen am letzten Spieltag den Titel geholt. Wir werden es genauso machen: am letzten Spieltag werden wir zum ersten Mal Tabellenführer sein", sagte Karl-Heinz Rummenigge nach dem 3:0 gegen den 1. FC Nürnberg.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg und die Aufholjagd hat noch immer nicht begonnen. Borussia Dortmund hat nach wie vor zwölf Punkte Vorsprung; die Bayern haben durch den fünften Saisonsieg lediglich verhindert, dass sie den 23. Meistertitel nicht schon nach einem Drittel der Saison abschreiben müssen.

Rummenigges Kommentar ist äußerst gewagt, aber die Konsequenz eines deutlich erkennbaren Aufwärtstrends der Münchner. Die Mannschaft schießt endlich Tore (19 in den letzten sieben Pflichtspielen), die Dominanz der letzten Saison kommt peu a peu zurück und mit der Rückkehr einer Reihe hochwertiger Rekonvaleszenten hat Trainer Louis van Gaal in den nächsten Wochen wieder die gewünschte Qualität. Franck Ribery hat bei seinem 20-Minuten-Comeback schon mal funktioniert.

Doch die Reintegration der verletzten Spieler stellt van Gaal vor eine Mammutaufgabe. Einige Bankspieler wie Danijel Pranjic, Andreas Ottl oder Anatolij Tymoschtschuk haben ihre Chancen genutzt und werden ihren Platz nicht freiwillig räumen. Ribery und Kapitän Mark van Bommel sind aber bei van Gaal gesetzt und werden in die Stammelf rücken.

Ein großes Problem hat der Coach in der Innenverteidigung. Holger Badstuber ist verletzt, Martin Demichelis wird wohl im Winter gehen, Breno fehlt nach langer Verletzungspause die Spielpraxis und Daniel van Buyten ist derzeit völlig von der Rolle. Auch gegen Nürnberg machte der Belgier viele Fehler.

Acht Spiele stehen bis zur Winterpause noch aus. In der Champions League kann van Gaal improvisieren und ausprobieren. In der Bundesliga sind weitere Punktverluste tabu, das Restprogramm mit Reisen nach Leverkusen, Schalke und Stuttgart allerdings happig.

Die Bayern wandeln weiterhin auf einem schmalen Grat - daran hat auch der überzeugende Derby-Sieg nichts geändert.

Bayern - Nürnberg: Daten zum Spiel

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