Fussball

Alphonso Davies' vielversprechendes Debüt beim FC Bayern - und warum er gute Chancen auf Einsätze hat

Alphonso Davies bei seinem Debüt für den FC Bayern im Telekom-Cup-Finale gegen Borussia Mönchengladbach.

Alphonso Davies feierte beim Telekom-Cup-Finale gegen Borussia Mönchengladbach sein Debüt für den FC Bayern München. Dabei machte der 18-jährige kanadische Offensivspieler einen vielversprechenden Eindruck. Chancen auf Einsätze könnten sich ihm früher bieten, als zunächst gedacht.

Hier die ganzen sagenhaften Erzählungen aus der nordamerikanischen MLS, wo er bei seinem Klub Vancouver Whitecaps in der vergangenen Saison sogar zum Spieler des Jahres gewählt wurde. Dort die Huldigungen der Bayern-Angestellten, die ihn zuletzt wahlweise "überdurchschnittlich talentiert" (Thomas Müller), "Riesentalent" (Sportdirektor Hasan Salihamidzic) oder "Bombe" (Präsident Uli Hoeneß) nannten. Und dann auch noch die Vergleiche seines Entdeckers Craig Dalrymple, der ihn im SPOX-Interview als "halb Messi, halb Ronaldo" kategorisierte. All das sorgte zuletzt durchaus für einen nicht unerheblichen Hype um den bisher einzigen Winterneuzugang des FC Bayern Alphonso Davies.

Aber irgendwo im Raum steht dann doch auch noch die Frage: Kann er dem großen FC Bayern sofort helfen? Auf einem holprigen Rasen im Stadion eines Aufsteigers zum Beispiel? Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt? Gegen Innenverteidiger, die sich Tobias Strobl oder Tony Jantschke nennen? Ist Alphonso Davies wirklich schon bereit für die Bundesliga?

Am Sonntagabend stieg zwar kein Bundesligaspiel, aber ein paar äußere Umstände waren dann doch irgendwie vergleichbar. Das Stadion von Fortuna Düsseldorf, der Rasen, die Temperaturen, die Gegenspieler. Beim Finale des sogenannten Telekom Cups lief Davies erstmals in einem Testspiel für den FC Bayern auf - und machte dabei einen guten Eindruck.

Alphonso Davies' erstes Spiel für den FC Bayern

Davies trug die Nummer 19, die für seinen großen Schritt steht. "Es ist das Jahr, in dem ich beginne, für diesen tollen Klub zu spielen", erklärte er. Auf dem Platz ordnete sich Davies nicht auf seiner Paradeposition als Linksaußen ein, sondern auf Rechtsaußen. Nach vier Sekunden kam er erstmals an den Ball, spielte ihn zurück und machte das selbe in den folgenden Minuten noch öfter. In der Anfangsphase war Davies auf Sicherheit bedacht. Als er diese hatte, zeigte er, was er kann. Mit einem tollen Hackentrick spielte er in der 21. Minute seinen Gegenspieler Andreas Poulsen aus, in der 45. hätte er bei einem Zweikampf gegen ihn eigentlich einen Elfmeter bekommen müssen.

Davies präsentierte sich körperlich stabil, gewann das eine oder andere Dribbling und lieferte auch die eine oder andere ganz gute Spielverlagerung. Die ihm von Salihamidzic bereits vor längerem attestierten Attribute "Speed, Power und Technik" waren tatsächlich allesamt zu erkennen. Joshua Kimmich ging nach dem ersten Auftritt sogar noch weiter und sprach von "brutaler Schnelligkeit und extremer Dynamik".

Am Ende durfte Davies den Pokal in die Höhe recken, nach einem 0:0 in der regulären Spielzeit gewann der FC Bayern das Elfmeterschießen mit 4:2. Davies spielte durch, vom Punkt trat er aber nicht an.

Kabinen-DJ statt Nervosität

Es war für Davies der Abschluss aufregender Tage. "Als Kind habe ich davon geträumt, Teil eines so großen Vereins zu sein", sagte Davies. "Jetzt bin ich es und das ist unglaublich." Geträumt hat er diese Träume wohl erstmals in einem Flüchtlingslager in Ghana. Bis er fünf war lebte er dort mit seinen Eltern, die vor dem Bürgerkrieg in Liberia geflohen waren. Dann übersiedelte er mit ihnen nach Kanada, wo er durchstartete, ehe er im November in München landete und begann, beim FC Bayern zu trainieren.

Von der Konsole und aus dem TV wusste er natürlich schon, welche Spieler ihn erwarten würden. "Aber als ich die Jungs dann in echt sah, war ich schon ein wenig nervös", sagte Davies. Seit dem 1. Januar ist er für eine bereits im Sommer ausgehandelte Ablösesumme in Höhe von 11,5 Millionen Euro auch offiziell Angestellter des FC Bayern. Beim Trainingslager in Doha/Katar lernte er seine neuen Kollegen erstmals richtig intensiv kennen.

Die Nervosität scheint sich dabei recht bald gelegt zu haben, mittlerweile hat Davies sogar schon eine verantwortungsvolle Aufgabe in der Mannschaft übernommen - und zwar die des Kabinen-DJs. Viel US-Hip-Hop dröhnt seitdem dem Vernehmen nach aus den Boxen. Davies sei ein "offener Typ", sagt sein Mitspieler Niklas Süle, und habe sofort "einen guten Draht zu allen" gefunden. "Es ist gut, wie selbstbewusst er in der Truppe auftritt. Er ist locker drauf", findet Kimmich.

Warum Alphonso Davies gute Chancen auf Einsätze hat

Die menschliche Integration scheint voranzukommen und die sportliche könnte schneller vorankommen, als zunächst gedacht. Die Lage auf den Flügelpositionen des FC Bayern ist aktuell nämlich durchaus kompliziert - aus Davies' Sicht aber sehr vielversprechend. Die vier übrigen Kandidaten haben vor dem Rückrundenauftakt bei der TSG Hoffenheim (Freitag, 20.30 Uhr im LIVETICKER) nämlich alle ihre kleineren oder größeren Problemchen.

Da wäre Franck Ribery, der sich zunächst mit der Gold-Steak-Affäre selbst ins Abseits stellte und sich dann auch noch eine Muskelfaser riss, weshalb er die nächsten Spiele verpassen wird. Da wäre Arjen Robben, der zuletzt mit Oberschenkelproblemen zu kämpfen hatte und für den die Trainingslager-Woche nach eigener Aussage "nicht so gut" lief. Und da wären noch Serge Gnabry sowie Kingsley Coman, die sich nach ihren Verletzungen beide auch erst zurück zu alter Stärke und Fitness arbeiten.

Mit Callum Hudson-Odoi gäbe es noch einen fünften Kandidaten, wobei bei ihm das Problem ist, dass er derzeit noch beim FC Chelsea unter Vertrag steht. Die Bayern-Verantwortlichen arbeiten aber offenbar mit Hochdruck daran, diesen Umstand zügig zu ändern. Sollte er noch verpflichtet werden, hätte das für Davies wohl den immerhin nicht unangenehmen Nebeneffekt, dass sich der Hype von ihm zu Hudson-Odoi verschieben würde.

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