Fussball

BVB trotzt den schlechten Omen: Die Mutter aller Big Points

Borussia Dortmund gewann mit einer Mischung aus Abgezocktheit und Glück gegen RB Leipzig.

Borussia Dortmund erkämpft sich mit dem 1:0 bei RB Leipzig drei wichtige Punkte zum Rückrundenstart und hält den immer giftigeren Verfolger aus München auf Distanz. Dass es auch ohne Kapitän Marco Reus klappt und die Mannschaft von Lucien Favre sogar den personellen Engpass in der Innenverteidigung verkraftet, ist ein meisterliches Statement. Ganz ohne Glück geht es beim Spitzenreiter aber auch nicht.

Erleichtert wischten sich die Mannen in Schwarz und Gelb den Schweiß von der Stirn, schritten Arm in Arm gen Gästeblock und betanzten mit ihren Anhängern den 14. Dreier der Saison.

Sie hatten allen Grund dazu: Eine Reise nach Leipzig zählt bekanntermaßen zu den unangenehmeren in der Bundesliga. Viel schwierigere Aufgaben in der Fremde werden die Borussen bis zum 18. Mai wohl kaum noch bewältigen müssen.

Lucien Favre lobt "große Leistung"

"Wir wussten", sagte Matchwinner Axel Witsel nach dem Abpfiff, "dass uns hier ein harter Kampf erwartet." Einen Kampf, den er und seine Kollegen von der ersten Minute an annahmen. Losgelöst von den Sorgen, die die Verletzungen der Innenverteidiger Manuel Akanji (Hüfte), Dan-Axel Zagadou (Rückstand nach Fußstauchung) und Ömer Toprak (Muskelverletzung) sowie der kurzfristige Ausfall des besten Hinrunden-Spielers und Leaders Marco Reus mit sich brachten. Unbeeindruckt von den Kampfansagen der gereizten Jäger aus München, die ihre Aufholjagd am Vortag mit einer kraftstrotzenden Leistung in Sinsheim auch sportlich eingeläutet hatten.

Kein Wunder also, dass selbst Lucien Favre nach dem gelungenen Rückrundenstart ein verschmitztes Lächeln abzugewinnen war. Er sei "extrem zufrieden", sagte der BVB-Coach, seine Mannschaft habe gerade in der ersten Hälfte "eine große Leistung" gezeigt.

Borussia Dortmund dominiert, RB Leipzig "pennt"

Dass die Leipziger erstmals in dieser Saison ein Heimspiel verloren, lag aber auch an den Leipzigern selbst. Sie fanden, um es mit den Worten von RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff zu formulieren, "sehr schlecht" ins Spiel, zogen sich zurück wie in ein Schneckenhaus anstatt die neu formierte Viererkette der Gäste mit ihrer Power-Offensive unter Druck zu setzen.

Die Dortmunder hingegen gingen konzentriert zu Werke, diktierten das Spiel ganz nach dem favreschen Gusto mit vielen Passstafetten, meist initiiert vom provisorischen Abwehrchef Julian Weigl. "Wir haben in dieser Phase gepennt und Dortmund stark gemacht", resümierte Ex-Borusse Kevin Kampl.

Die nett anzusehenden Kombinationen der Gäste mündeten allerdings kaum in gefährlichen Torchancen. Witsels Tor in der 19. Minute fiel nach einer Ecke. Der Belgier wäre nicht einmal an den Ball gekommen, hätte Lukasz Piszczek ihn mit seinem verunglückten Kopfball nicht unfreiwillig in Szene gesetzt.

RB-Coach Ralf Rangnick machte seinem Team in dieser Situation deshalb keinen Vorwurf. Witsels Qualität im Abschluss, gepaart mit ein wenig Glück, habe den Unterschied gemacht. Das Spiel lief nach dem so kompromisslosen wie verdienten Führungstreffer des Tabellenersten aber noch 70 Minuten, "und da", haderte Kampl, "waren wir die bessere Mannschaft." Vor allem in Durchgang zwei verloren die Dortmunder Stück für Stück ihre Bindung zum Spiel. "Wir haben sehr viel zugelassen", gestand der nach dem Seitenwechsel beste BVB-Spieler Roman Bürki.

"Wahnsinn": Roman Bürki hält BVB-Sieg fest

Was am Ende zu einem Leipziger Punktgewinn fehlte, war die Kaltschnäuzigkeit eines Witsels. Wie schon beim 1:4 in der Hinrunde ließ die Rangnick-Elf mehrere dicke Chancen ungenutzt. Marcel Sabitzer scheiterte zwei Mal frei vor dem Tor am glänzenden Bürki, auch Nationalspieler Timo Werner fand in dem Schweizer Keeper seinen Meister. Der Spitzenreiter hätte sich trotz des späten Lattentreffers von Joker Paco Alcacer nicht über ein Remis beschweren können. "Wahnsinn, dass wir so viele klare Chancen kreiert und keine davon genutzt haben", ärgerte sich Rangnick im Nachhinein.

Für RB hat die Niederlage zumindest aus tabellarischer Sicht keine Konsequenzen. Eintracht Frankfurt rückte durch den 3:1-Sieg gegen den SC Freiburg allerdings bis auf einen Zähler an den Viertplatzierten heran. Die Dortmunder hingegen dürfen den Sieg durchaus als Big Point im Kampf um die Meisterschaft verbuchen. Eigentlich als Mutter aller Big Points, wenn man bedenkt, unter welchen Vorzeichen die Begegnung stand. Nicht grundlos sagte Favre am Ende dieses frostigen Samstagabends lächelnd: "Hauptsache gewonnen!"

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