Fussball

Watzke unter Beschuss - Bitte um Geduld

SID
Hans-Joachim Watzke wird scharf kritisiert

Die Angriffe von Dortmund-Rowdys gegen Fans von RB Leipzig schlagen weiter hohe Wellen. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kündigte harte Konsequenzen an, steht aber selbst in der Kritik.

Die schändlichen Angriffe der Dortmund-Hooligans auf Fans von RB Leipzig machten Hans-Joachim Watzke auch zwei Tage danach noch sichtlich zu schaffen. Mit betroffener Miene und ernster Stimme geißelte der BVB-Geschäftsführer in einer Videobotschaft erneut das Verhalten der eigenen Problemfans und bat die Öffentlichkeit um Geduld bei der Aufklärung. Zu der scharfen Kritik an seiner Person, die nach den skandalösen Vorfällen aufgekommen war, sagte Watzke jedoch nichts.

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Man arbeite "mit Hochdruck an der Aufklärung" und habe "das Gefühl, dass wir erste Täter ermitteln konnten", sagte Watzke: "Sie können sicher sein, dass wir alles, aber auch wirklich alles in unserer Kraft stehende tun werden, um diesen Dingen ein für alle Mal einen Riegel vorzuschieben."

RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff begrüßte "die Vehemenz" der Aufarbeitung der Vorfälle. Auch am Montag hätten sich noch "zahlreiche Fans" beim Verein gemeldet, sagte Mintzlaff dem SID, "sie sind nach wie vor von den Vorkommnissen traumatisiert."

Ein Problem der gesamten Bundesliga

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) regte für die Zukunft eine intensivere Betreuung der RB-Fans an, um sie besser zu schützen. Mintzlaff betonte jedoch, dass es kein spezielles Problem gegen RB gebe, sondern "ein Problem der gesamten Bundesliga".

Geschockt war auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière. "Wer Steine und Getränkekisten auf Polizisten schleudert und dabei nicht mal auf Familien und Kinder Rücksicht nimmt, ist in Wahrheit kein Fußballfan und gehört nicht ins Stadion, sondern hinter Schloss und Riegel", sagte de Maizière der Bild und forderte "eine schnelle und harte Reaktion der Justiz".

Kommentar: Der DFB muss endlich handeln

DFB-Präsident Reinhard Grindel warnte, man dürfe "nach der ersten Empörungsrhetorik nicht zur Tagesordnung übergehen". Er forderte einen "Aufstand der Anständigen in den Kurven".

Über Watzkes Mitverantwortung an der aggressiven Stimmung auf der BVB-Südtribüne wurde derweil heftig diskutiert. "Sie stehen persönlich zumindest moralisch für Gewalt- und Hassexzesse Ihrer Anhänger gegenüber den RB-Leipzig-Fans", hieß es in einem Offenen Brief des Fanclubs Bornaer Bullen. Der BVB-Geschäftsführer würde mit seinen verbalen Spitzen gegen den finanzstarken Emporkömmling "öffentlich Hass schüren".

"RB verliert ein Spiel, BVB verliert viel mehr"

Auch Rainer Milkoreit, Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV), sah hier einen Zusammenhang. "Es ist fatal, wenn sich verantwortliche Leute in einem Verein öffentlich abwertend gegen Leipzig äußern. Das kann Dinge auslösen, die sie vielleicht nicht wollen, die aber passieren", sagte der frühere DFB-Vizepräsident dem SID.

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Die Kommentarspalten in einigen Medien lasen sich ähnlich. "Hässliche Worte sind der Nährboden für hässliche Taten", kommentierte die Mitteldeutsche Zeitung. Und die Leipziger Volkszeitung schrieb: "RB verliert ein Spiel, BVB aber viel mehr." Das Blatt kommentierte: "Dieses Spiel wird und muss ein Nachspiel haben. Für tatsächliche und geistige Brandstifter."

Für andere ist dieser Zusammenhang dagegen konstruiert, die Hooligans hätten sich auch ohne Watzkes Sticheleien ("Rasenschach Leipzig", "Da wird Fußball gespielt, um eine Getränkedose zu performen") danebenbenommen. Der anerkannte Fanforscher Gunter A. Pilz nimmt Watzke dennoch in die Pflicht. Solche Äußerungen seien "überhaupt nicht dazu angetan, bei denen, die diese Hasskultur pflegen, auch nur ein Stück weit zurückzudenken oder zu besänftigen. Sondern eher natürlich noch einen Schuss Öl ins Feuer werfen", sagte Pilz bei Sky Sport News HD.

Eberl schaltet sich ein

Fakt ist: Sechs Leipziger Anhänger, vier Polizisten und ein Diensthund wurden verletzt. Zudem war die Stimmung vor, während und nach der Partie höchst aggressiv. "In solche hasserfüllten Fratzen habe ich noch in keinem meiner Polizeieinsätze gesehen", berichtete Polizeieinsatzleiter Edzard Freyhoff.

Damit sich die Übergriffe, aber auch das Aufhängen von beleidigenden Plakaten beim nächsten Auswärtsspiel der Leipziger in Mönchengladbach (19. Februar) nicht wiederholen, appellierte Borussia-Manager Max Eberl an die Fohlen-Fans, "den Rahmen des guten Anstands beizubehalten". Das sei in Dortmund nicht geschehen, kritisierte Eberl: "Was da passiert und was wir alle ja gesehen haben, ist eine Katastrophe für den Fußball gewesen. Ich will keine Schweine hängen sehen und auch keine Manager hängen sehen. Das ist krank."

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