"So eine Fanszene habe ich bei Bayer vermisst"

Montag, 12.09.2016 | 10:00 Uhr
Christoph Kramer wechselte im Sommer für 15 Millionen Euro von Leverkusen zurück zu Gladbach
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Christoph Kramer ist der teuerste Transfer in der Vereinsgeschichte von Borussia Mönchengladbach und wichtiger Baustein im Gerüst von Trainer Andre Schubert. Vor dem Champions-League-Auftakt gegen Manchester City (Di., 20.45 Uhr im LIVETICKER) spricht der 25-Jährige über seine Begeisterung für die VfL-Fans, sein Fußball-Tagebuch, Tinder und seine Ambitionen mit der DFB-Elf.

SPOX: Herr Kramer, Sie sind der einzige Weltmeister im Kader von Borussia Mönchengladbach und der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte. Hätten Sie mit einer solchen Karriere gerechnet, als man Sie 2006 bei Bayer Leverkusen aussortierte?

Christoph Kramer: Nein, diese Entwicklung hätte ich mir nie erträumt. In den letzten Jahren ist einfach sehr viel wahnsinnig gut für mich gelaufen. Darüber bin ich extrem glücklich und auch stolz auf mich und das, was ich erreicht habe. Allerdings denke ich nicht mehr darüber nach, was vor zehn Jahren passiert ist. Ich bin froh, wo ich heute stehe.

SPOX: Nach Ihrer Rückkehr zur Borussia sagten Sie, die Ablöse von 15 Millionen Euro empfänden Sie nicht als Belastung, sondern eher als Wertschätzung. Haben Sie tatsächlich überhaupt keinen Druck verspürt?

Kramer: Durch das Erreichen der Champions-League-Gruppenphase ist die Ablöse doch schon wieder drin, sogar doppelt. (lacht) Wenn ich mir also deshalb Druck gemacht hätte, könnte ich jetzt wieder damit aufhören.

SPOX: Die Anforderungen und Ansprüche an Sie sind aber andere als vor zwei Jahren.

Kramer: Das ist ganz normal. Es ist schon ein Unterschied, ob man als Leihspieler aus der 2. Liga kommt oder für 15 Millionen Euro von einem Champions-League-Teilnehmer. Man entwickelt sich weiter und wird reifer. Auch wenn es weh tut, das mit 25 Jahren zu sagen, aber ich gehöre in unserer Mannschaft zu den älteren Spielern. Deshalb gehört es dazu, Verantwortung zu übernehmen, vorweg zu gehen und den Menschen und Mitspielern auf und neben dem Platz zu helfen. Das heißt aber nicht, dass ich mir vornehme, unbedingt der Lauteste auf dem Platz zu sein.

SPOX: Vor Ihrer Rückkehr nach Leverkusen gingen viele Aussagen von Ihnen und beiden Vereinen durch die Medien, die bei den Gladbach-Fans nicht immer für positive Reaktionen sorgten. Hatten Sie beim ersten Training ein mulmiges Gefühl, wie man Sie hier wieder aufnehmen würde?

Kramer: Nein, überhaupt nicht. Ich glaube, die Fans hier haben ein sehr feines Gespür dafür, ob ein Spieler authentisch ist und die Wahrheit sagt oder nicht. Ich war immer ehrlich, was von den Gladbach-Anhängern honoriert wurde, auch wenn man nicht immer einer Meinung war. Ich habe mich hier sauber verabschiedet und keine verbrannte Erde hinterlassen. Deshalb war ich mir sicher, dass die Fans mich hier so aufnehmen würden, wie sie es letztlich getan haben: sehr herzlich und positiv.

SPOX: Ist es Ihnen persönlich wichtig, ein gutes Verhältnis zu den Fans zu haben und geschätzt zu werden?

Kramer: Was heißt wichtig? Mich mag nicht jeder, das ist völlig normal. Die meisten kennen mich auch überhaupt nicht und können sich nur über die Medien und Außendarstellung ein Bild machen. Klar, letztlich ist es immer schöner, akzeptiert zu werden. Ich denke aber, wenn man ehrlich ist, stellt sich das von ganz alleine ein.

SPOX: Die Fans folgen der Borussia zu allen Spielen, gerade international, in Scharen. Hat Ihnen diese Art der Unterstützung bei Bayer gefehlt?

Kramer: Absolut, eine solche Fanszene habe ich in Leverkusen unheimlich vermisst. Wenn ich sehe, wie 12.000 Gladbach-Fans in weiß gekleidet durch Bern laufen, geht mir ein bisschen einer ab. (lacht) Das ist einfach geil, das macht den Fußball aus und bringt immer noch ein paar zusätzliche Prozent für uns Spieler.

Seite 1: Kramer über seine Begeisterung für die VfL-Fans und sein Fußball-Tagebuch

Seite 2: Kramer über seine taktische Rolle, die "Netzer-Zone" und unmögliche Dribblings

Seite 3: Kramer über die CL-Chancen, lebendige Fußballromantik und die Verbindung zu Tinder

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