Fast ein ganz normaler Transfer

Von Frederick Müller
Freitag, 08.05.2015 | 10:38 Uhr
Anthony Ujah wechselt im Sommer für 4,5 Millionen Euro nach Bremen
© getty
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Anthony Ujah wechselt zur neuen Saison vom 1. FC Köln zu Werder Bremen. Der Transfer rief ein enormes Echo hervor, für das sich Bremen nun entschuldigte. Für den FC kommt der Zeitpunkt der Bekanntgabe zur absoluten Unzeit.

Anthony Ujah wechselt im Sommer für 4,5 Millionen Euro vom 1. FC Köln zu Werder Bremen - auf den ersten Blick eigentlich eine normale Nachricht über einen normalen Transfer. Dennoch verbreitete sie sich am Dienstag wie ein Lauffeuer in der Domstadt. Mit Ujah verliert der FC nicht nur seinen zuverlässigsten, sondern aktuell auch einzigen Stürmer.

Im Sommer 2012 von Mainz 05 ausgeliehen und ein Jahr später fest verpflichtet, dauerte es nicht lange, bis sich Ujah in die Herzen der Fans schoss. Er avancierte zum Publikumsliebling, zur Identifikationsfigur, zur Lebensversicherung. Mit 13 Toren und vier Vorlagen lag es nicht an ihm, dass Köln am Ende als Tabellenfünfter den direkten Wiederaufstieg 2013 verpasste.

Der klappte ein Jahr später, Ujah trug 14 Scorerpunkte dazu bei - einzig Sturmpartner Patrick Helmes war erfolgreicher. Da dieser seit letztem Sommer aufgrund mehrerer Verletzungen nicht mehr zur Verfügung steht, lag die (Offensiv-)Last beim Unternehmen Klassenerhalt allein auf Ujahs Schultern.

Ein folgenreiches Foto

Ujah hielt stand. Mit seinen aktuell zehn Saisontoren sorgte er dafür, dass der FC eine bislang überraschend sorgenfreie Saison spielt. Es fehlen drei Spieltage vor Schluss nur noch wenige Punkte zum Klassenerhalt.

Doch genau da liegt das Problem: Gesichert ist der Klassenerhalt eben noch nicht. Es ist daher höchst unglücklich, dass der Wechsel zum momentanen Zeitpunkt bekannt gegeben wurde - und Ujah auch noch in Bremen weilte, um sich unter anderem im Weserstadion freudestrahlend ablichten zu lassen.

Wenn der eigene Top-Stürmer glücklich vor einem Schild mit der Aufschrift "100 Prozent Werder" posiert, ist aus Kölner Sicht an eine normale Vorbereitung auf das Spiel am Sonntag gegen Schalke (17.30 Uhr im LIVE-TICKER) nicht mehr zu denken.

Dementsprechend zerknirscht reagierte auch Trainer Peter Stöger. "Gratulation dazu", ist eines der eindeutigen Statements, die Stögers Laune verrät. "Es ist schon überraschend, dass in einer Phase, in der wir die Liga noch nicht gehalten haben, so etwas publik gemacht wird", sagt Stöger. Ujah ist unten durch, ob er in dieser Spielzeit noch einmal zum Einsatz kommt, ist fraglich. Zu sehr wühlt das Thema Mannschaft und Umfeld auf.

Bremen entschuldigt sich

"Das war schlechter Stil. Da gibt es keine zwei Meinungen", ist auch Manager Jörg Schmadtke von der Art seiner Bremer Kollegen enttäuscht. Torhüter Timo Horn zeigte sich im Express "überrascht. Das war so nicht zu erwarten gewesen."

Ausbaden müssen diesen Fauxpas letztlich die Kölner Spieler, die Unruhe rund um Ujah kommt angesichts der sportlichen Situation zur Unzeit. Da helfen auch Werders Versuche einer Entschuldigung nicht. "Die Euphorie über diesen Transfer war kein guter Ratgeber. Es war eigentlich geplant, diese Fotos erst zu einem späteren Zeitpunkt zu präsentieren", teilte Bremens Mediendirektor Michael Rudolph am Donnerstag mit.

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Heldenstatus verspielt

Den Kölner Verantwortlichen kann man dagegen kaum einen Vorwurf machen. Schmadtke erfüllte seinen Job, indem er Ujahs Vertrag mit einer Ausstiegsklausel ausstattete und mit seinem Verkauf einen Überschuss von über zwei Millionen Euro erzielte. Die klammen Kölner können jeden Cent gut gebrauchen.

Schaut man über die zu frühzeitig publizierten Bilder hinweg, ergibt der Transfer auch aus Bremer Sicht Sinn. In Ujah bekommt Werder einen guten Ersatz für Davie Selke. Die 8,5 Millionen Euro, die Leipzig für Selke zahlt, sind damit zur Hälfte angelegt und lassen Raum für weitere Tätigkeiten auf dem Transfermarkt.

Und Ujah? Seinen Heldenstatus beim FC hat er mit einem Mal verspielt und dazu gehörigen Wirbel verursacht, der vollkommen unnötig war. Der Nigerianer hat nun auch den Kölnern bewiesen, dass für Romantik im Profigeschäft kein Platz ist. Ob der Schritt zu Werder eine sportliche Weiterentwicklung ist, bleibt abzuwarten. Zumindest spielt er aber ab Sommer für einen gefestigten Verein zu höheren Bezügen. Am Ende war es dann doch fast ein ganz normaler Transfer.

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