Kölns Kevin Wimmer im Porträt

Konstanz auf leisen Sohlen

Von Erik Sabas
Freitag, 27.02.2015 | 10:49 Uhr
Die Kölner Abwehr um Kevin Wimmer kassierte nur einen Treffer mehr als Wolfsburg
© getty
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Die Zeit der rustikalen Verteidiger ist lange vorbei. Eine Generation junger Spieler drängt in die internationalen Ligen. Kevin Wimmer gehört zu diesen jungen Burschen. Nach einem historisch guten Aufstiegsjahr hat sich der Linksfuß auch in der Bundesliga im Eiltempo etabliert. Gegen den FC Bayern (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) kann er sich auf höchstem Niveau beweisen.

Für Abwehrspieler galten mal ähnliche Maßstäbe wie für Schiedsrichter. Umso unauffälliger ein Verteidiger spielte, umso besser war er. Stürmer ausschalten, duschen, nach Hause gehen. Das hat sich grundlegend geändert. Mittlerweile gelten Innenverteidiger als erste Spielmacher und nicht nur als Tor-Verhinderer.

Gerard Pique, also einer, der es wissen muss, hat folgende Vorstellung vom perfekten Abwehrmann: "Der beste Verteidiger der Welt muss schnell und gut mit dem Ball sein. Außerdem muss er groß sein, weil er in der Luft gut sein muss. Er sollte in der Lage sein, Tore zu erzielen, wenn er bei Eckbällen oder Freistößen die Offensive unterstützt."

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Eine Beschreibung, an der sich auch Kevin Wimmer orientiert. Das Kölner Abwehr-Juwel mit Gardemaß (1,87 Meter) verkörpert fast den Prototypen der neuen Generation. Angesprochen auf die Stärken Wimmers nennt sein Trainer Peter Stöger die Essenz des modernen Verteidigers: Intelligentes Zweikampfverhalten, gutes Durchsetzungsvermögen in der Luft und ein sicheres Passspiel. Er selbst baute nicht umsonst von Beginn an kompromisslos auf "Hacki", wie er im Großraum Müngersdorf eigentlich nur noch gerufen wird.

20 Gegentore in 34 Spielen: Kölns historische gute Defensive

Mit 21 Jahren gehörte Wimmer in der 2. Liga zum Fundament einer historisch guten Kölner Defensivabteilung. In 34 Spielen kassierte der FC nur 20 Gegentore. Der mit Abstand beste Wert eines Zweitliga-Meisters seit der Jahrtausendwende.

Dass das Bollwerk am Rhein nun auch in der Bundesliga dicht hält, ist zwar nicht völlig überraschend, aber dennoch mehr als eine Randnotiz.

Mit 25 Gegentoren hat die Stöger-Elf dieses Jahr lediglich einen Treffer mehr kassiert als die CL-Aspiranten Wolfsburg und Schalke. Bei allen 22 Spielen des Aufsteigers in der Startelf: Kevin Wimmer.

Ehrfurcht schnell abgelegt

Ohne großes Aufsehen zu erregen, hat der Österreicher auch auf Eliteniveau sofort funktioniert. An seinen Schwächen arbeitet er konsequent Körperliche Defizite legte er vor der Bundesligasaison im Kraftraum ab. Als nächstes will er offensiv mehr Torgefahr ausstrahlen. In dieser Saison erzielte Wimmer keinen Treffer, auch Vorlagen sucht man vergeblich. Insofern wird er Piques nicht gerade bescheidenen Ansprüchen noch nicht ganz gerecht.

In Köln ist er dennoch unangefochten. Auf der Bank sitzen nur die gestandenen Dominik Maroh oder Mergim Mavraj. Dabei war Wimmers Respekt vor der Bundesliga anfangs riesengroß. "Die Atmosphäre, die Stadien, die Klubs - was die alle für ein Ansehen haben", sagte er gegenüber der "Welt".

Auch wenn jetzt mit Robert Lewandowski oder Klass-Jan Huntelaar Stürmer der Extraklasse zu seinen Gegenspielern gehören, ist er dennoch nicht in Ehrfurcht erstarrt. Der 2012 vom Linzer ASK nach Köln gewechselte Wimmer liefert weiter konstant gute Leistungen ab. Diese haben ihn auch in die Nationalmannschaft gespült, wo er sich im Kampf um einen Stammplatz aber noch hinten anstellen muss.

"Familie ist alles"

Nach den Spielen, so berichtete Wimmer gegenüber der "Bild", erreichen ihn immer wieder Nachrichten auf Facebook, die vorrangig auf seinen Beziehungsstatus abzielen. Den Kopf verdrehen ihm diese Avancen allerdings nicht. Stellvertretend lautete sein Whatsapp-Status vor kurzem: "Familie ist alles."

Es wäre eine Überraschung, wenn derart solide Leistungen keine Begehrlichkeiten wecken würden. Schalke wurde vergangenen Herbst Interesse nachgesagt, im Winter lehnte der FC eine Anfrage der Tottenham Hotspur ab. Die Spurs sollen aber weiter an einem Transfer interessiert sein. "Was im Sommer ist, das müssen wir dann sehen", sagt Wimmer.

Der Österreicher ist für höhere Aufgaben bereit und denkt auch schon über den nächsten Schritt nach. Laut eigener Aussage verläuft seine Leistungskurve proportional zur Zuschauerzahl. Da scheint die europäische Bühne gerade groß genug.

Kevin Wimmer im Steckbrief

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