Nachwuchsarbeit beim FC Bayern

Tarnat: "Fehlen freche Hunde"

Von Adrian Franke
Freitag, 16.01.2015 | 13:54 Uhr
Michael Tarnat ist Sportlicher Leister des junior teams beim FC Bayern
© getty
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Michael Tarnat, Sportlicher Leister des junior teams beim FC Bayern München, gewährt in einem Interview Einblicke hinter die Kulissen. Der 45-Jährige glaubt nicht dass Super-Talent Martin Ödegaard abheben wird, lobt Sinan Kurt und erklärt die Vorteile unter Pep Guardiola bei der Talent-Suche. Die Kritik von anderen Vereinen kann er nicht nachvollziehen, zudem fordert er mehr Mut beim Nachwuchs.

"Teilweise fehlt das Alleinstellungsmerkmal. Die 16- oder 17-Jährigen haben zu ähnliche Eigenschaften", stellte Tarnat im Gespräch mit "Goal.com" klar. So zeichne es sich sowohl im Training mit den Profis, als auch bei den Jugend-Turnieren ab, "dass es kaum einen gibt, der frech wird, sich mit den Kollegen anlegt und mit dem Schiedsrichter diskutiert. Uns fehlen die frechen Hunde."

Die Erklärung dafür liege auf der Hand: "Früher, zu meiner Zeit, bin ich bis 13 Uhr in die Schule gegangen. Als ich heimkam, habe ich den Schulranzen in die Ecke geschmissen und bin rausgegangen, um mit Freunden zu kicken und mal dumme Sachen zu machen. Heute sitzen die Kinder bis 16 Uhr im Unterricht, gehen danach ins Training und sind erst abends zu Hause. Dadurch ist die Generation Straßenfußballer ausgestorben."

Dazu komme die kritische Medien-Betrachtung wie etwa bei Sinan Kurt, der jüngst von Gladbach zum FC Bayern wechselte: "Sinan wird das Selbstvertrauen oft als Arroganz und Überheblichkeit ausgelegt. Dabei empfinden wir im Klub das keinesfalls so. Er gliedert sich ein, ist offen, man kann mit ihm reden. Auf dem Platz will er das Beste geben und tritt von sich überzeugt auf. Genau das ist seine Stärke, sonst wäre er nicht da, wo er ist."

"Ödegaard wird nicht abheben"

Einen anderen Youngster schätzt Tarnat dagegen deutlich ruhiger ein: Den von diversen Top-Klubs gejagten Martin Ödegaard habe er wahrgenonnem als einen "ganz normalen 15-Jährigen, der mit seinem Vater und Scout Björn Andersson 2013 in München war. Er kickte mit der U16, wir haben einander kennengelernt und beschnuppert. Er ließ eine sehr gute Übersicht, einen tollen Torabschluss und Dribbling-Fähigkeiten erkennen."

Schon damals waren die Münchner angetan und vereinbarten, "Kontakt zu halten. Ein Jahr später schlug er richtig ein. Das war nicht zu erwarten." Dass der 16-Jährige abhebt glaubt Tarnat aber nicht: "Selbstverständlich ist es schwer, auf dem Boden zu bleiben, wenn so viel auf dich einprasselt. Der Papa hat aber einen sehr vernünftigen Eindruck hinterlassen. Er war selbst aktiv und weiß, was auf seinen Sohn zukommt. Martin wird nicht abheben."

Kein Verständnis für Kritik

Gleichzeitig aber ist das Beispiel Ödegaards auch ein Argument dafür, Talente frühzeitig zu scouten. "Wir versuchen, die Besten zu holen. Möglichst früh. Im Profi-Bereich werden sie nicht billiger. Daher liegt unser Augenmerk vermehrt auf der Ausbildung", betonte Tarnat.

Die daran zuletzt laut gewordene Kritik anderer Bundesliga-Klubs kann der Ex-Profi nicht verstehen: "Sie kaufen ja ebenfalls junge Kräfte. Beim FC Bayern wird das leider mehr registriert und ein Theater gemacht. Plötzlich geht ein Aufschrei durchs Land und es heißt: Oh, sie wildern bei der Konkurrenz." Geht es um den Kampf um die Stars von morgen, haben die Münchner mit Trainer Pep Guardiola zudem einen großen Vorteil in ihren Reihen.

"Für die Jungen ist es noch interessanter, zu uns zu kommen, beziehungsweise mit uns weiter zu arbeiten", bestätigte Tarnat: "Guardiola ist jemand, der auf sie setzt, sie ins Training einlädt. Man sieht, dass sehr wohl die Möglichkeit besteht, in den Kader zu rutschen und auf sich aufmerksam zu machen. Obwohl sich hier die Stars tummeln. Sogar aus der U15 durften manche mit trainieren."

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