Julian Korbs Weg bei Borussia Mönchengladbach

Stichtag Oktober Zwei Sieben

Donnerstag, 06.11.2014 | 13:44 Uhr
Julian Korb hat sich unter Lucien Favre in Gladbachs Viererkette festgespielt
© getty
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Julian Korb sollte in der vergangenen Saison eigentlich in der 2. Liga spielen. Weil sich aber kein entsprechender Abnehmer fand, blieb er am Niederrhein. 18 Monate später hat sich der 22-Jährige aus der U 23 Mönchengladbachs in die Stadien Europas und auf den Zettel von Joachim Löw gespielt. Auch, weil sein größter Konkurrent das Feld räumte.

Am 22. März 2013 gastierte Borussia Mönchengladbach für ein Freundschaftsspiel beim MSV Duisburg. Weil sich die halbe Mannschaft der Fohlen auf Länderspielreise befand, gab Lucien Favre einigen Spielern aus der zweiten Reihe eine Chance.

Darunter Sinan Kurt, der mittlerweile in Diensten des FC Bayern München steht, Marvin Schulz, der im August 2014 einen Profivertrag in Gladbach unterschrieben hat, und Julian Korb. "Für alle, die zum Einsatz kommen, ist es eine ernsthafte Prüfung, die Trainer werden genau hinschauen", sagte Sportdirektor Max Eberl im Vorfeld der Partie zur "Rheinischen Post".

Für einen Borussen war das Spiel, das 0:0 endete, in zweierlei Hinsicht besonders. Korb spielte zwischen der U 14 und U 16 für den MSV Duisburg, wechselte anschließend in das Jugendinternat Gladbachs. Kein leichter Schritt, weil auch sein Vater Michael Korb in den 80er Jahren bei den Zebras spielte.

Gleichzeitig stand Korb aber auch vor einer schwierigen Situation im Verein. Der Sprung in den Profikader wollte ihm nicht so recht gelingen, dafür stellte sich sein direkter Konkurrent Tony Jantschke auf der Rechtsverteidigerposition als zu große Hürde da. "Tony ist seit vielen Jahren im Verein und spielt sehr gut. Das macht es für mich natürlich nicht leichter", gestand Korb ein, der sich vor dem Spiel gegen den MSV aber glücklich schätzte, "mal wieder vor den Augen des Trainers spielen zu dürfen."

Gladbach hält an Korb fest

Gleichzeitig lief sein Vertrag im Sommer aus. Ob die Zukunft des damals 21-Jährigen am Niederrhein liegt, war ungewiss. "Gladbach ist mein erster Ansprechpartner", kommentierte Korb, der nie einen Hehl daraus machte, gerne in Gladbach bleiben zu wollen, die Verhandlungen seines Beraters mit der Borussia.

Auch auf Vereinsseite war man interessiert, weiter mit dem Rechtsverteidiger zu arbeiten. "Ich kenne Julian seit klein auf und habe immer gewusst, was er kann. Wir verfolgen in Gladbach einen ehrlichen, geraden Weg und lassen uns durch den einen oder anderen Wind nicht davon abbringen, an unsere Jungs zu glauben", erklärte Gladbachs Direktor Jugend und Amateure Roland Virkus im Gespräch mit SPOX.

Im April 2013 verlängerte Gladbach Korbs Vertrag um ein weiteres Jahr. Eberl formulierte damals deutlich: "Wir sind sicher, dass er sich in der Bundesliga durchsetzen wird. Für ihn ist es jetzt sehr wichtig, Spielpraxis auf hohem Niveau zu bekommen, deshalb haben wir vor, ihn für ein Jahr an einen Zweitligaclub auszuleihen." Weil sich allerdings kein Verein fand, der auch aus Sicht der Borussia dienlich für Korbs Entwicklung war, blieb er in Gladbach und spielte weiter bei der U 23. Bis zum 27. Oktober 2013, Korbs Stichtag.

Feingeist Lucien Favre

Dass Lucien Favre in der Lage ist, die Fähigkeiten und Stärken seiner Spieler zu erkennen und weiter heraus zu kitzeln, hat er im Laufe seiner Karriere schon mehrfach bewiesen. In Gladbach nahm er wahr, dass Mike Hanke aufgrund seiner durchaus guten Technik nicht in vorderster Front, sondern hinten den Spitzen am besten aufgehoben ist. Marco Reus spielte unter Favre plötzlich Mittelstürmer und wurde auf dieser Position zu Deutschlands Fußballer des Jahres.

Um festzustellen, dass Tony Jantschkes beste Position nicht rechts in der Viererkette liegt, sondern innen, brauchte Favre allerdings zunächst einen kleinen Denkanstoß. Der wiederfuhr ihm in Form einer großen Verletztenmisere in der Innenverteidigung vor dem 10. Spieltag am 27. Oktober 2013.

Alvaro Dominguez fiel mit einem Schlüsselbeinbruch lange Zeit aus, Martin Stranzl war gesperrt und auch die möglichen Vertreter Filip Daems und Havard Nordtveit plagten Blessuren. So blieb Favre gegen Eintracht Frankfurt nichts anderes übrig, als Jantschke nach innen an die Seite von Roel Brouwers zu ziehen und Julian Korb eine Chance als Rechtsverteidiger zu geben. Gladbach gewann 4:1, Korb hinterließ einen hervorragenden Eindruck und stelle seinen Fuß erstmals nachhaltig in die Tür der Startelf.

Auch Löw wird hellhörig

Fortan war Korb aus Gladbachs erster Elf nicht mehr wegzudenken, lediglich am 20. Spieltag stand er aufgrund einer Gelb-Sperre nicht von Beginn an auf dem Rasen. Dort gehört er, ähnlich wie Vorgänger Jantschke, eher zu der Fraktion, die in erster Linie bemüht sind, ihre Defensiv-Aufgaben gewissenhaft zu erledigen. "Defensiv war er schon immer stabil, im letzten Jahr hat er aber auch enorm an seinen Offensiv-Qualitäten gearbeitet und schaltet sich jetzt regelmäßig mit nach vorne ein", bescheinigt Virkus seinem Zögling, der sich längst regelmäßig über die Mittellinie wagt.

Die Nominierung für die U 21 Deutschlands durch Hort Hrubesch, unter dem Korb bereits in der U 19 des DFB spielte, war die logische Konsequenz seiner konstant guten Leistungen in der Bundesliga. Mittlerweile bringen einige den 22-Jährigen sogar ins Spiel, wenn es um die offene Rechtsverteidigerposition im Team von Jogi Löw geht.

"Seinen Namen in diesem Zusammenhang zu hören, zeigt, dass wir bei ihm viel richtig gemacht haben und die Dinge, die man damals hart durchfechten musste, Früchte getragen haben. Gleichzeitig ist es ein Zeichen an die Kritiker, die immer gesagt haben, aus Julian wird nie was", verriet Virkus, der sehr stolz auf Korb ist und ihm auch zutraut, in diese Rolle hineinzuwachsen: "Auf jeden Fall, er bringt alle dafür notwendigen Fähigkeiten mit und hat sich wirklich toll entwickelt."

Sieger im zweiten Anlauf

Kritiker hatte Korb immer, auch nachdem er sich in der Bundesliga etwas etabliert hatte. "Wäre Jantschke nicht in die Mitte versetzt worden, säße der noch immer auf der Bank", hörte man nach der vergangenen Saison. "Jetzt, wo der Fabian Johnson da ist, spielt der wie bei den USA auf rechts, da fliegt Korb wieder aus der Mannschaft", hieß es vor dieser Spielzeit. Doch es kam anders.

Korb hat den Konkurrenzkampf mit seinem neuen Kontrahenten genauso angenommen, wie den mit Tony Jantschke. Einzig sein Selbstbewusstsein ist inzwischen ein anderes. "Ich habe in der vergangenen Saison die meisten Spiele gemacht. Wenn dann ein neuer Spieler kommt, sagt man natürlich nicht: 'Alles klar, mach du mal, du kannst spielen und ich setze mich auf die Bank'", sagte Korb gegenüber "11Freunde". Das Duell mit Johnson hat Korb gewonnen. Nicht, weil dieser auf einer anderen Position besser ist und den Platz freigemacht hat, sondern weil Korb besser ist. Und vielleicht beschert Jogi Löw ihm am 14.11.2014 einen weiteren Stichtag, wenn er seinen Namen bei der Pressekonferenz zum DFB-Aufgebot gegen Gibraltar und Spanien vorliest.

Julian Korb im Steckbrief

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