Heynckes kündigt neue Gangart an

SID
Mittwoch, 04.07.2012 | 15:12 Uhr
Jupp Heynckes (2. v. r. stehend) mit den Neuzugängen des FC Bayern München
© Getty
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Eine härtere Gangart, gnadenloser Konkurrenzkampf und Sonderbehandlung für Bastian Schweinsteiger - Trainer Jupp Heynckes hat deutliche Veränderungen bei den "Vize-Bayern" angekündigt.

Der 67-Jährige ließ am Tag nach der Inthronisierung des neuen Sportvorstands Matthias Sammer ("Es gibt keine Alibis") aber auch leise Kritik an der Entmachtung von Christian Nerlinger anklingen. Dass in der vergangenen Saison die Ziele nicht erreicht worden seien liege zuallererst am Trainer und der Mannschaft - und nicht am Manager.

"Wir müssen cleverer werden, robuster, erfolgsorientierter. Das hat in der vergangenen Saison in den entscheidenden Momenten gefehlt", sagte Heynckes bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem verlorenen Champions-League-Finale.

Schluss mit Kuschelkurs

Alle müssten wieder dahinkommen, Hunger auf Erfolg zu haben. Eine Sonderbehandlung erhält nur der durch Verletzungen und Enttäuschungen besonders gebeutelte Nationalspieler Schweinsteiger, der im Champions-League-Finale den entscheidenden Elfmeter an den Pfosten geschossen hatte. Möglicherweise darf der sogar seinen dreiwöchigen Urlaub verlängern.

"Ich werde ihn in der dritten Urlaubswoche anrufen. Er muss Selbstbewusstsein, Fitness wiederbekommen und mental frei sein. Ich werde mich besonders um ihn kümmern", kündigte der Trainer-Routinier an.

Ansonsten ist bei den Bayern ab jetzt Schluss mit dem Kuschelkurs. "Die neuen Spieler werden den Etablierten Feuer unter dem Hintern machen. Ich habe jetzt Alternativen und werde wechseln", kündigte der 67-Jährige mit Blick auf Neuzugänge wie Mario Mandzukic, Claudio Pizarro, Dante oder Xherdan Shaqiri an.

Keine 40 Millionen für Martinez

Auch am spanischen Welt- und Europamsieter Xavi Martinez sind die Bayern weiter dran, auch wenn der Transfer "nicht einfach wird". Heynckes hatte sogar mit dem einst unter ihm als Spieler aktiven Präsidenten des Vereins telefoniert. Die in der Ausstiegsklausel des Spielers festgelegte Ablösesumme von angeblich 40 Millionen Euro werde man "aber nie bezahlen."

Heynckes zeigte sich zudem "felsenfest überzeugt", dass er gut mit dem als erfolgsorientierten Siegertypen bekannten Matthias Sammer zusammenarbeiten werde. Ein erstes eineinhalbstündiges Gespräch habe es bereits gegeben, am Mittwoch schaute Sammer beim Training zu und am Donnerstag soll es ein weiteres Gespräch geben.

Er und Sammer, so Heynckes, hätten ähnliche Vorstellungen vom Fußball: "Er war schon als Spieler eine große Persönlichkeit und konnte nie verlieren. Das hat mir immer imponiert. Wir werden konstruktiv zusammenarbeiten, um das Optimum für den FC Bayern zu erreichen."

Zusammenarbeit dürfte nicht reibungslos werden

Allerdings klang auch an, dass die Zusammenarbeit zwischen dem eher auf Ausgleich bedachten Heynckes und dem als manchmal sturen Vordenker bekannten Sammer nicht immer reibungslos ablaufen dürfte.

"Es ist selbstverständlich, dass er mit auf die Bank geht. Ich würde ihm empfehlen, unten Platz zu nehmen und wieder eine andere Perspektive auf den Fußball zu bekommen", sagte Heynckes leicht süffisant.

Der älteste Trainer der Liga will erst im nächsten Jahr über seine Zukunft beim FC Bayern entscheiden.

"Jetzt müssen wir erstmal in die Erfolgsspur kommen. Wir können im Frühjahr über so was reden. Ich möchte meinen Vertrag erfüllen, alles andere werden wir sehen", sagte er mit einem Grinsen. Sein Vertrag läuft nach der kommenden Saison im Juni 2013 aus, Heynckes schließt ganz offenbar auch eine Verlängerung nicht aus.

Dass der beim FC Barcelona jüngst verabschiedete Startrainer Pep Guardiola bereits als Nachfolger gehandelt wird, nimmt Heynckes gelassen: "Man muss sich für alle Eventualitäten rüsten. Ich werde vom Vorstand informiert und gehe locker und gelassen damit um." So wie mit der Personalie Sammer.

Der Kader des FC Bayern in der Übersicht

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