Mittwoch, 16.05.2012

Meinungen zu den Vorfällen der letzten Wochen

Im Griff der Tribünen-Mafia

Die Ausschreitungen in Düsseldorf waren der dritte unschöne Vorfall binnen kürzester Zeit. Diese Entwicklung ist unerträglich und macht den Fußball kaputt. Die Konsequenzen könnten für die Masse der Fans drastisch sein.

Aus Herthas Fanblock flogen zahlreiche Feuerwerkskörper aufs Spielfeld
© Getty
Aus Herthas Fanblock flogen zahlreiche Feuerwerkskörper aufs Spielfeld

Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Daniel Börlein

Zum Glück ist diese Saison vorbei.

In den letzten Wochen musste man sich viel zu oft mit Dingen beschäftigen, mit denen man sich im Zusammenhang mit Fußball eigentlich gar nicht beschäftigen will. Da waren die Vorfälle beim Spiel des 1. FC Köln gegen den FC Bayern vor zehn Tagen, als sich die Spieler genötigt sahen, direkt nach dem Schlusspfiff in die Kabine zu flüchten, weil einige (wenige) FC-Anhänger drohten, den Platz zu stürmen.

Da waren die Ausschreitungen einiger vermeintlicher KSC-Fans am Montagabend während und nach dem Relegationsspiel gegen Jahn Regensburg, bei dem nur das Einschreiten der Polizei einen Platzsturm verhinderte. Und da sind nun die Ereignisse im Spiel zwischen Düsseldorf und Hertha BSC, die die Bundesliga-Rückkehr der Fortuna in den Hintergrund drängen.

Statt sich mit Fußball auseinanderzusetzen, muss man sich inzwischen bei manchen Partien schon eine halbe Stunde vor Spielende Gedanken darüber machen, welche Folgen ein möglicher Spielausgang haben könnte. Das ist unerträglich. Es macht den Fußball kaputt.

"Fußball-Mafia DFB!" skandieren Fans gerne, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Die wahre Mafia befindet sich momentan allerdings auf den Zuschauerrängen. Regelmäßig wurden zuletzt Grenzen überschritten, Absprachen gebrochen und Regeln missachtet.

Freilich folgte der Platzsturm in Düsseldorf aufgrund eines fehlinterpretierten Pfiffes. Doch was hatten die Zuschauer eigentlich direkt am Spielfeldrand verloren? Sich Zutritt zum Innenraum zu verschaffen, ist, wenn nicht vom Verein gestattet, schlichtweg widerrechtlich. Viele scheint das nicht zu interessieren.

Auch der Einsatz von Pyrotechnik ist in Fankurven mittlerweile offenbar Alltag. Ob beim Pokalfinale in Berlin oder nun in Düsseldorf - bengalische Feuer, Rauchbomben und Böller gehören inzwischen dazu. Wer dagegen aufbegehrt, wird als kleinkariert abgetan. Dass Pyrotechnik allerdings gesundheitsgefährdend und deshalb in deutschen Stadien verboten ist, ist einigen Zuschauern offenbar egal.

Die Konsequenz: DFB und DFL müssen handeln - und die Schraube womöglich zurückdrehen. Wenn einige Zuschauer sich nicht an die unsichtbare Grenze zwischen Spielfeld und Tribüne halten, werden zwangsläufig wieder Zäune hochgezogen, Stehplätze abgeschafft und die Polizeipräsenz verstärkt werden. Auch verschärfte Stadionkontrollen und ein Alkoholverbot in und um das Stadion herum sind denkbar.

All das wird den Fußball in deutschen Stadien massiv beeinträchtigen und ihm viel seiner Attraktivität kosten. Für all das sind allerdings alleine diejenigen verantwortlich, die sich über bestehende Regeln hinwegsetzen. Die Masse der Fans leidet unter der Unvernunft einiger Weniger.

Die Bilder vom Relegations-Rückspiel
Weite Teile des Relegations-Rückspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wurden von nichtsportlichen Szenen überlagert
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Weite Teile des Relegations-Rückspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wurden von nichtsportlichen Szenen überlagert
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Nie mehr Bundesliga: Für Otto Rehhagel endete das wohl letzte Spiel seiner Trainerkarriere unglücklich
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Ranisav Jovanovic (r.) ließ Thomas Kraft beim zwischenzeitlichen 2:1 unglücklich aussehen
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Nach dem Platzverweis für Änis Ben-Hatira schmissen die Berliner Anhänger Bengalos auf den Platz
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Nach dem Platzverweis für Änis Ben-Hatira schmissen die Berliner Anhänger Bengalos auf den Platz
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Skandalspiel in Düsseldorf: Die Bengalos aus dem Hertha-Block schmiss Ronny eigenhändig vom Spielfeld
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Skandalspiel in Düsseldorf: Die Bengalos aus dem Hertha-Block schmiss Ronny eigenhändig vom Spielfeld
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Die Polizei schritt ein und versuchte die Tumulte auf den Rängen zu beenden
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Die Polizei schritt ein und versuchte die Tumulte auf den Rängen zu beenden
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Teile des Berliner Anhangs ließ das unbeeindruckt
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Teile des Berliner Anhangs ließ das unbeeindruckt
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Auch auf Seiten von Fortuna Düsseldorf wurden nach dem 2:1-Treffer Bengalos im Block gezündet
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Auch auf Seiten von Fortuna Düsseldorf wurden nach dem 2:1-Treffer Bengalos im Block gezündet
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Die Hertha-Spieler hatten das Spiel noch nicht aufgegeben - sie schmissen die Fackeln eigenhändig weg
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Die Fortuna-Fans stürmten den Platz noch vor dem Abpfiff. Das Spiel wurde für fast 30 Minuten unterbrochen
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Die Fortuna-Fans stürmten den Platz noch vor dem Abpfiff. Das Spiel wurde für fast 30 Minuten unterbrochen
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Nur mühsam konnte die Polizei das Spielfeld von den Zuschauern befreien
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Nur mühsam konnte die Polizei das Spielfeld von den Zuschauern befreien
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Düsseldorfs Trainer Meier und Otto Rehhagel reagierten kollegial und besonnen auf die Unterbrechung des Spiels
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Nach dem offiziellen Abpfiff gab es erst recht kein Halten mehr. Fanliebling Andreas "Lumpi" Lambertz wurde auf Schultern getragen
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Ebenso wie Michael Ratajczak - dem Torhüter von Fortuna
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Ebenso wie Michael Ratajczak - dem Torhüter von Fortuna
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Am Ende jubelte auch Fortuna-Coach Norbert Meier und rettet seine Brille
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Auch im Moment der Niederlage blieb Otto Rehhagel sportlich fair und gratulierte Fortuna-Manager Wolf Werner
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Auch im Moment der Niederlage blieb Otto Rehhagel sportlich fair und gratulierte Fortuna-Manager Wolf Werner
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Fans überall - nach dem offiziellen Schlusspfiff kannte der Anhang von Fortuna kein Halten mehr
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Fans überall - nach dem offiziellen Schlusspfiff kannte der Anhang von Fortuna kein Halten mehr
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Besonders begehrt waren Teile des Aufstiegsrasens...
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Was man damit wohl anfängt?
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Was man damit wohl anfängt?
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Bei Fortuna muss man Gras über den Aufstieg wachsen lassen
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Bei Fortuna muss man Gras über den Aufstieg wachsen lassen
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Manche Fortuna-Fans gingen mit ihrer Souvenirjagd allerdings etwas weit
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Manche Fortuna-Fans gingen mit ihrer Souvenirjagd allerdings etwas weit
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Auch weit nach Schlusspfiff brannten immer noch Bengalos
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Auch weit nach Schlusspfiff brannten immer noch Bengalos
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Ein unvergesslicher Abend - leider nicht nur im positiven Sinne
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Ein unvergesslicher Abend - leider nicht nur im positiven Sinne
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Das sagen die SPOX-User

Facebook-Userin Maria Köhler: "Ich stand wie in jedem Spiel diese Saison im Hertha-Block und habe zum allerersten Mal das Stadion vor Abpfiff verlassen. Nämlich als nach dem 2:1 die Bengalos kreuz und quer aus dem Block - auch aus dem Oberrang - geworfen wurden. Ich hatte Angst. Ich habe den Block aus Angst verlassen. So etwas möchte ich in einem Fußballstadion nie wieder fühlen."

Facebook-User Kristof Hoppen: "Ich persönlich denke nicht, dass man mit einem Eintrittsticket auch das Recht erwirbt auf den Platz zu stürmen. Meines Erachtens sollten Hundertschaften für sowas bereit stehen, so viele Adressen wie möglich der Beteiligten aufnehmen und sie wegen Hausfriedensbruch anzeigen. Ein Fußballstadion ist ein Privatgrundstück und kein Gast ist berechtigt, den Rasen zu betreten. Und wegen dieser Bengalo-Nummern: Es ist und bleibt für Umstehende sehr gefährlich, die Brandwunden können verheerend sein. Feuer und Qualm haben nichts mit Atmo zu tun. Dafür reichen Banner und Gesänge."

mySPOX-User Die Kartoffel: "Gerade die Tatsache, dass inzwischen in allen Ecken Deutschlands Fangruppen mutwillig Spielunterbrechungen verursachen, Polizisten oder gegnerische Fans attackieren, sei es außerhalb des Stadions oder durch das Abdrängen von Bussen und dass solche Aktionen bei Kommentaren auf Seiten wie Spox oder Medien wie Facebook viel zu viele Befürworter finden, zeigen, dass die Fankultur in einem gewissen Sinne eskaliert und die Ultragruppen immer mehr in ein gegenseitiges "sich überbieten wollen" übergehen und sich gegenseitig hochschaukeln."

mySPOX-User Rumo: "Eine Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen in jedweder Form wird von vielen Fangruppierungen und auch von vielen Einzelpersonen bzw. Stadionbesuchern sicherlich nicht gewünscht. Die Verschärfung solcher Maßnahmen bedeutet neben einer Einschränkung von Freiräumen und Einschnitten in die Privatsphäre eines jeden Einzelnen auch eine finanzielle Mehrbelastung für die jeweiligen Vereine und für den Staat. Vergessen darf man auch die hunderten, wenn nicht gar tausenden Polizeibeamten, die sich wegen der Notwendigkeit solcher Sicherheitsmaßnahmen jedes Wochenende zu den Spielen begeben müssen. An sich sollte es im Interesse aller Parteien sein, die Sicherheitsmaßnahmen so weit als möglich zu reduzieren und nicht zu verschärfen."

Düsseldorf - Hertha BSC: Daten und Fakten

SPOX

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