Herthas stiller Chef

Otto Rehhagel setzt auf Routinier Kobiaschwili

SID
Freitag, 09.03.2012 | 11:37 Uhr
Levan Kobiashvili (r.) ist für Otto Rehhagel im Abstiegskampf unverzichtbar
© Getty
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Der Mann ist zweikampfstark, er hat eine gute Technik, und glaubt man den Datenbanken, ist er für sein Alter nicht nur viel, sondern auch immer noch flott unterwegs. Lewan Kobiaschwili ist das, was man einen kompletten Fußballer nennt. Bei Hertha BSC hat er sich seit wenigen Wochen zum Führungsspieler Nummer eins gemausert.

Auch im so wichtigen Spiel beim 1. FC Köln am Samstag (15.30) setzt sein Trainer Otto Rehhagel auf den 34-Jährigen. "Er ist ein super Profi, er hat alle Dinge schon einmal erlebt", sagt Rehhagel. "Und das", so der 73-Jährige weiter, "prädestiniert ihn dazu, als Leader aufzutreten".

Lewan Kobiaschwili musste ziemlich viele Spiele bestreiten, um eine derart großen Bedeutung für eine Bundesligamannschaft zu erlangen. Der Georgier wird gegen die Kölner sein 330. Bundesligaspiel bestreiten und damit in der ewigen Liste der Ausländer mit den meisten Bundesliga-Einsätzen mit Sergej Barbarez gleichziehen.

Eine Ausnahmeerscheinung

Nur der Brasilianer Ze Roberto (336 Spiele) liegt dann noch vor ihm. Die Zahlen belegen: Kobiaschwili ist - bei aller Unauffälligkeit - eine Ausnahmeerscheinung im Bundesligabetrieb.

Der Routinier ist auf und abseits des Platzes ein ruhiger und abgeklärter Typ. Eigenschaften, die immer noch eher als unvereinbar mit dem Kapitänsamt gelten, welches er inzwischen beim Bundesligaaufsteiger einnimmt. Man wird dabei den Eindruck nicht los, dass ihm die neuen Würden selbst nicht ganz recht sind. Man solle daraus "keine große Sache machen", sagt er. "Es ist völlig egal, ob ich die Binde trage."

Rehhagel setzt im Abstiegskampf auf Erfahrung

Ein wenig wurde Kobiaschwili in die Rolle des Leaders hineingedrängt - weil es die äußeren Umstände verlangt haben: Erstens sitzt der offizielle Hertha-Kapitän Andre Mijatovic zurzeit nur auf der Bank. Zweitens verfügt im Kader der Berliner keiner nur annähernd über einen solchen Erfahrungsschatz wie der 34-Jährige. Und drittens heißt sein Trainer eben Otto Rehhagel, der wie kein anderer die Vorzüge der Erfahrung predigt - gerade im Abstiegskampf.

Kobiaschwili war vor 14 Jahren von Dinamo Tiflis zum Zweitligisten SC Freiburg gewechselt. Mit den Badenern feierte er große Erfolge, den Aufstieg in die Bundesliga (1998), sogar die Qualifikation für den UEFA-Cup im Jahr 2001.

Er war einer von vier "Willis" beim SC. Mit ihm spielten noch Alexander Iaschwili, Lewan Zkitischwili und - als besondere Pointe - Tobias Willi in einer Mannschaft. Aber keiner der Genannten schlug eine so erfolgreiche Karriere ein wie Lewan. Der wechselte 2003 zum FC Schalke, wo er zweimal Deutscher Vizemeister wurde.

Meist Linksverteidiger

Im Januar 2010 ging er schließlich zu Hertha BSC. Bei den Berlinern spielte er meist auf der Position des Linksverteidigers. Doch nachdem sich Herthas bis dahin im defensiven Mittelfeld gesetzter Andreas Ottl bei der 0:5-Pleite in Stuttgart die Rote Karte eingehandelt hatte, bot ihn Interims-Trainer Rene Tretschok im defensiven Mittelfeld auf.

Dort verlieh er dem krisengebeutelten Klub mehr Stabilität. "Die Aufgabe bringt mir viel Spaß", sagt Kobiaschwili zu seiner neuen Rolle. Sein Trainer wird das gerne hören. "Ich mag die Spieler, die überall spielen können und nicht sagen: Trainer, auf diesem Fleckchen Erde habe ich noch nie gestanden", sagt Rehhagel. Sein neuer Kapitän jedenfalls hat auf dem Fußballplatz schon auf jedem Fleckchen Erde gestanden.

Levan Kobiashvili im Steckbrief

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