Philipp Lahm: "Würde es wieder so machen"

SID
Samstag, 27.08.2011 | 18:09 Uhr
Philipp Lahm wurde für die kritischen Aussagen in seinem Buch scharf kritisiert
© Getty
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Trotz der heftigen Kritik steht Fußball-Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm hinter der Veröffentlichung seines Buches. "Ich würde es wieder so machen!" sagte der 27-Jährige in der "Bild am Sonntag".

Einen Imageschaden befürchte er nicht. "Warum? Ich bin authentisch. Ich spreche die Dinge so an, wie ich sie sehe. Allein das ist mir wichtig. Ich achte nicht auf mein Image. Ich will einfach 'Ich' sein", ergänzte der Kapitän der DFB-Auswahl und des deutschen Rekordmeisters Bayern München.

Dass sich der ein oder andere auf den Schlips getreten fühle, sei nachvollziehbar. "Dafür entschuldige ich mich dann auch, wenn es aus dem Zusammenhang gerissen als Beleidigung verstanden wurde. Aber diese Aufregung, diese Hysterie um mein Buch, die finde ich überzogen", so Philipp Lahm weiter.

Deshalb fahre er unbeschwert in der kommenden Woche zur Nationalmannschaft, denn er habe "ja niemanden von der aktuellen Nationalmannschaft kritisiert oder gar beleidigt". Von daher sehe er den klärenden Gesprächen mit dem Bundestrainer und den Mitspielern gelassen entgegen. "Ich freue mich sogar darauf!" so Lahm.

Auf die Kritik von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff ("Philipp hat Grenzen überschritten") reagierte Lahm nicht minder locker: "Das ist in Ordnung und auch damit muss ich leben. Es gehört zu seiner Aufgabe als Teammanager, zu den Themen rund um die Nationalmannschaft Stellung zu nehmen. Wir werden ja darüber nächste Woche auch nochmals persönlich sprechen."

Effenberg übt Kritik

DFB-Trainer Steffen Freund und der frühere Bayern-Kapitän Stefan Effenberg haben derweil am Samstag heftige Kritik an Lahm geübt. "Wir müssen uns an den Ehrenkodex erinnern. Wenn das bei uns in den U-Mannschaften einer tun würde, hätte er keine Zukunft mehr", sagte U17-Nationalcoach Freund bei "Sky" und ergänzte mit Blick auf mögliche Konsequenzen durch den Bundestrainer: "Joachim Löw wird ein Gespräch mit ihm führen. Ich glaube nicht, dass das schon beendet ist." Lahm kritisiert in seiner am Montag erscheinenden Biografie "Der feine Unterschied" unter anderem seine Ex-Trainer Jürgen Klinsmann, Rudi Völler und Felix Magath.

Lahms früherer Mitspieler Effenberg erklärte ebenfalls bei "Sky". "Er hat mit Sicherheit den schlechtesten Berater, den es gibt. Er hat vielleicht versucht, sein Profil zu schärfen, aber das war der absolut falsche Weg. Ich hoffe, dass er gestärkt aus der Sache rauskommt, aber eine gute Geschichte war es nicht." Lahms Entschuldigungen im Falle von "Missverständnissen" misst "Effe" keine große Bedeutung zu: "Es war ihm bewusst, was er da veranstaltet hat."

Er möge zwar mündige Spieler, "aber was ich nicht mag, ist, dass Philipp Lahm immer predigt, Dinge intern zu lösen, und das hat er hier nicht getan. Ein Kapitän muss auch mal ein Zeichen setzen nach außen, aber nie auf Kosten der Mannschaft. Er muss vor, hinter und neben der Mannschaft stehen, auch das hat er in der Situation nicht getan."

Preetz: "Um Pulitzerpreise geht es für ihn nicht"

An Konsequenzen glaubt der Bayern-Kapitän beim Champions-League-Sieg 2001 aber nicht. Lahm werde in München wie der Nationalmannschaft Kapitän bleiben, "und das finde ich okay. Man wird versuchen, die Sache totzuschweigen und hoffen, das Gras darüber wächst. Und das wäre für Philipp Lahm auch das Beste."

Schalkes Christoph Metzelder hatte zuvor in der "ARD" erklärt: "Das Schlimme ist, dass das nicht im Affekt passiert ist. Das, was er gemacht hat, hat er bewusst gemacht." Es sei immer schwierig, wenn aktive Fußballer sich über Interna äußern, und er sei gespannt, "wie der ein oder andere Kollege bei Bayern München oder in der Nationalelf reagieren wird".

Zur Kritik an den Trainern meinte Metzelder: "Ein Spieler, der von sich selbst glaubt, dass er ein Führungsspieler ist, sollte das auch direkt mit dem Trainer ansprechen. Hinterher kann man immer sagen, ich habe es gewusst und hätte es anders gemacht."

Auch Berlins Sportdirektor Michael Preetz kritisierte Lahm bei "Sky": "Ich verstehe es nicht. Philipp Lahm ist ein Weltklassespieler und Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Als solcher soll er für Furore sorgen. Um Pulitzerpreise geht es für ihn nicht."

Philipp Lahm im Steckbrief

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