Fussball

Hamburg verliert dramatisches Kellerduell

Von Haruka Gruber / Walandi Tsantiridis
Der HSV ist nach der Heimpleite mit nur einem Punkt aus vier Spielen Tabellenletzter
© Getty

Was für ein Spiel: Der Hamburger SV hat das Kellerduell gegen den 1. FC Köln mit 3:4 (1:1) verloren und ist nun Tabellen-Letzter.

Die Partie war an Dramatik nicht zu überbieten. Mladen Petric brachte die Gastgeber vor 52.000 Zuschauern in der Imtech-Arena dank eines umstrittenen Elfmeters in Führung (11.). Köln drehte die Partie durch Adil Chihi (21.) und Milivoje Novakovic (49.), bevor Neuzugang Slobodan Rajkovic (59.) bei seinem ersten Einsatz für den HSV der Ausgleich gelang.

Heung-Min Son brachte den HSV nur drei Minuten später wieder in Führung.

Dann folgte die hektische Schlussphase - mit dem besseren Ende für Köln. In der 84. Minute erzielte Christian Clemens das überraschende 3:3 (84.), in der 88. Minute markierte der eingewechselte Kevin McKenna sogar noch den Siegtreffer.

Mit nur einem Punkt aus vier Spielen und dem letzten Tabellenplatz gerät HSV-Coach Michael Oenning immer weiter unter Druck, eine Trennung ist im Bereich des Möglichen.

Der FC schaffte hingegen den ersten Auswärtssieg nach einem Rückstand seit dreieinhalb Jahren. Damit stärkte der im Vorfeld wie Oenning massiv kritisierte FC-Trainer Stale Solbakken seine Position.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Der HSV nach dem 0:5 beim FC Bayern mit vier Veränderungen: Töre, Rincon, Bruma (alle Bank) und Mancienne (Grippe) raus, Petric, Skjelbred, Tesche und Debütant Rajkovic rein.

Auch Köln setzt seinen Neuzugang ein: Sereno verteidigt statt McKenna in der Innenverteidigung, hinten links ersetzt Andrezinho den erkrankten Eichner. Varvodic vertritt erneut Rensing, Rekonvaleszent Podolski immerhin auf der Bank.

10.: Erste dicke Chance: Aogo-Freistoß aus dem halbrechten Mittelfeld, die Köln-Abwehr schläft. Westermann steht völlig frei, aber sein Kopfball klatscht nur an die Latte.

11., 1:0, Petric: Umstrittener Elfmeter! Aogo legt den Ball an Geromel vorbei und liegt auf dem Boden. Wenn überhaupt war der Kontakt minimal, dennoch zeigt Schiri Meyer auf den Punkt. Fehlentscheidung! Petric lässt sich die Chance nicht nehmen und verwandelt sicher.

21., 1:1, Chihi: Peszko kommt mit einem Doppelpass mit Novakovic auf der linken Seite bis zur Grundlinie durch und legt flach quer. Am zweiten Pfosten muss Chih den Balli nur ins leere Tor einschieben.

46.: Podolski kommt nach der Pause für Peszko.

49., 1:2, Novakovic: Simpler Spielzug, der den HSV vor unlösbare Aufgaben stellt. Podolski kann links mühelos durchsprinten und passt flach in die Mitte. Drobny geht zu lethargisch zum Ball, auch Aogo ist zu spät dran. Novakovic bedankt sich und schiebt ein.

59., 2:2, Rajkovic: Freistoß über rechts von Aogo mit links zum Tor gezogen. Sons Kopfball aus fünf Metern knallt an den rechten Pfosten, von dort direkt vor die Füße von Rajkovic. Eher glücklich prallt der Ball von seinem Fuß aus sechs Metern ins Tor.

62., 3:2, Son: Langer Ball aus der eigenen Spielhälfte auf Son, der den Ball mit einen Haken nach innen an Andrezinho vorbeilegt. Son schlenzt den Ball mit links aus elf Metern halbrechter Position ins lange Eck. Varvodic chancenlos!

76.: Petric gewinnt im Mittelfeld den Ball, spielt zu Jarolim, der weiter zu Skjelbred. Der hält mit links von der Strafraumgrenze drauf - Latte!

84., 3:3, Clemens: Ecke über links. Clemens kommt aus sechs Metern völlig frei zum Torschuss. Die gesamte HSV-Abwehr pennt, Tor!

88., 3:4, McKenna: Freistoß über links zum Tor gezogen. Drobny läuft mehrere Meter aus seinem Tor und will den Ball wegfausten, dabei stehen drei Mitspieler vor ihm. Drobny bekommt den Ball nicht weg, der Ball landet bei McKenna, der problemlos ins leere Tor einschiebt. Was für ein Torwartfehler!

Fazit: Ein Wahnsinnsspiel mit einem seltsamen Ausgang. Wahrscheinlich weiß der FC selbst nicht, wie ihm die Wende noch gelang.

Der Star des Spiels: Heung-Min Son. Der Stabilste unter den zahlreichen HSV-Talenten. Spielte wie gewohnt engagiert und mit Zug zum Tor (5 Schüsse). Hauptverantwortlich für das zwischenzeitliche Comeback: Der 2:2-Ausgleich fiel nach seinem Pfosten-Kopfball, drei Minuten später erzielte er selbst das 3:2. Musste nach seiner Auswechslung tatenlos ansehen, wie seine Mühen im Nichts verpufften.

Der Flop des Spiels: Jaroslav Drobny. Zeigte nach dem Hertha- und Bayern-Spiel die dritte miserable Leistung in Serie. Schon das 1:2 hätte er mit einem besseren Strafraumverhalten verhindern müssen. Das 3:4 war fast schon witzig, wäre die Lage des HSV nicht so ernst. Dass Hamburg nach dem vierten Spieltag bereits 14 Gegentore kassiert hat, liegt nicht nur, aber auch an Drobny.

Der Schiedsrichter: Florian Meyer. Erwischte einen miserablen Beginn: Entschied beim ersten HSV-Angriff über Son und Petric fälschlicherweise auf Abseits, dann pfiff er für Hamburg in der 11. Minute einen Elfmeter, obwohl kein Foul gegen Aogo vorlag. Bekam die Partie im weiteren Verlauf besser in den Griff.

Analyse: Ein seltsamer Spiel-Verlauf, der vom Momentum der zutiefst verunsicherten Teams lebte. Nach Hamburgs frühem 1:0 schlug Köln überraschend zurück und dominierte auch ohne viel Ballbesitz das Geschehen.

Die Hamburger selbst schienen davon überrascht worden zu sein, dass ihnen aus dem Nichts innerhalb von drei Minuten ein Doppelschlag gelang. Obwohl vieles dem Zufall entsprang, zog die Mannschaft daraus Selbstvertrauen. So schien es zumindest.

Dann folgte eine unfassbare Endphase: Köln war von Hamburgs Comeback sichtlich geschockt, nichts sprach mehr für den FC. Aber der HSV, offensichtlich noch labiler als ohnehin schon gedacht, ermöglichte mit hanebüchenen Fehlern doch noch den Sieg für die Kölner, die zum ersten Mal seit März 2008 auswärts einen Rückstand noch in einen Sieg drehten.

Während sich FC-Trainer Solbakken zumindest zwei Wochen über etwas Ruhe freuen kann, steht sein Hamburger Pendant Oenning womöglich vor der Entlassung. Dass Neuzugang Rajkovic eine ordentliche Premiere zeigte, dass Westermann in der Innenverteidigung stabiler auftrat, dass sich Youngster Son entschlossen gegen die Niederlage wehrte - das alles ist nun Makulatur.

Hamburg - Köln: Daten zum Spiel

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