Nach dem Eklat in Hoffenheim

Diego setzt seine Karriere aufs Spiel

Von Florian Bogner
Sonntag, 15.05.2011 | 20:14 Uhr
Nach dem unentschuldigten Fernbleiben vom letzten Saisonspiel - war's das für Diego in Wolfsburg?
© Imago
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Mit seiner kindischen Flucht aus der Mannschaftssitzung hat Diego seine Chancen auf einen Verbleib beim VfL Wolfsburg dramatisch verschlechtert. Zwar beließ es Trainer Felix Magath vorerst mit einer Geldstrafe und einer Abmahnung, Diego drohen aber weiterhin rechtliche Konsequenzen. Der Brasilianer ist dabei, sich seine Zukunft zu verbauen.

"Nur die Profis, die im Training einen stabilen Eindruck machen, sind dabei", hatte Felix Magath vor dem letzten Spiel des VfL Wolfsburg in Hoffenheim angekündigt.

Diego konnte den Trainer offensichtlich nicht überzeugen. Der Name des Spielmachers fehlte, als Magath während der Mannschaftssitzung am Samstagvormittag seine Aufstellung aufmalte.

Diego has left the building

Das kann man als Spieler nun aufnehmen, wie man will. Diego wählte wohl die zweitschlechteste Lösung, indem er einfach aufstand und verschwand. Schlechter wäre wohl nur noch gewesen, Magath an Ort und Stelle an den Kragen zu gehen.

"Diego hat die Sitzung verlassen. Wir wissen nicht, ob er im Stadion ist oder sich noch eine Eintrittskarte gekauft hat", wurde der ratlose Pressesprecher Gerd Voss vor Spielbeginn von der "Bild" zitiert.

Im Stadion wurde der Brasilianer nicht gesehen. Er fuhr auch nicht mit der Mannschaft im Fan-Sonderzug zurück nach Wolfsburg. Diego blieb den ganzen Samstag über verschollen, selbst sein PR-Berater konnte am Abend gegenüber SPOX keine genaueren Angaben über Diegos Aufenthalt machen.

SPOX-Analyse: Diego-Ersatz Kahlenberg der Flop des Spiels

Magath will UEFA und FIFA einbeziehen

"Ich habe in meiner Karriere viel erlebt, aber so etwas noch nicht", meinte Magath, als er den Vorfall direkt vor dem Spiel in Hoffenheim schildern musste. Seine Sorge galt dabei in erster Linie dem Team, das nun mit einer Alternative weniger auf der Bank auskommen musste. So denkt Magath eben: pragmatisch.

Dementsprechend sachlich wertete er den Vorfall auch noch am Sonntag. "Ich arbeite mit jedem Spieler zusammen, der bereit ist, meinen Weg zu gehen", sagte Magath. Die Tür für Diego bleibt noch einen Spalt offen, rechtliche Konsequenzen stehen nach Diegos Arbeitsverweigerung aber weiterhin im Raum.

Magath kündigte an, die Situation mit Hilfe von UEFA und FIFA lösen zu wollen.

Diego entschuldigt sich - per SMS

Am Sonntag erschien Diego zum letzten Training vor dem Urlaub. Arne Friedrich sagte, Diego habe sich bei ihm per SMS für sein Verhalten entschuldigt. Auf eine persönliche Erklärung vor Mannschaft und Trainer verzichtete der Brasilianer, sagte nur: "Ich habe Vertrag in Wolfsburg. Wir müssen uns zusammensetzen und eine Lösung finden."

Schon am Samstagabend hatte die "Bild"-Zeitung spekuliert, Diego wolle seinen Abgang provozieren. Seine Weigerung, sich bei der Mannschaft für seinen beispiellosen Ego-Trip in angemessener Form zu entschuldigen, verstärken diesen Eindruck.

Die Flucht aus Wolfsburg antreten zu wollen, wäre eine denkbar schlechter Schachzug von Diego. Schon in Porto, Bremen und zuletzt bei Juventus Turin fiel der 26-Jährige immer wieder als Hitzkopf auf. Und das Stigma, einen "schwierigen Charakter" zu haben, hilft nicht unbedingt bei einem neuen Vertrag.

VW-Chef droht mit Konsequenzen

Diego ist dabei, sich eine verheißungsvolle Karriere systematisch zu verbauen. Mit einer Kurzschlussreaktion lässt sich sein Verhalten nicht erklären. Vielmehr bestätigte er eindrucksvoll Magaths Erkenntnis (Wir sind keine Mannschaft") aus den letzten zwei Monaten in Wolfsburg.

Es wird aller Voraussicht nach zu einer vorzeitigen Trennung zwischen Diego und Wolfsburg kommen. In der vergangenen Woche hatte "VW"-Chef Martin Winterkorn im Anschluss an die Saison Konsequenzen angedroht. Für die Außendarstellung des Werksklubs sind die Kapriolen des Brasilianers, der angeblich sechs Millionen Euro pro Jahr verdient, pures Gift.

Kaum noch Fürsprecher

Fürsprecher hat Diego kaum noch. Franz Beckenbauer sprach bei "Sky" von einer "Unverschämtheit, die Mannschaft in einer solchen Situation zu verlassen" und stellte Diego einen "schlechten Charakter" aus.

Auch die Wolfsburger Spieler wenden sich von ihrem Spielmacher ab. "Was Diego getan hat, ist nicht zu entschuldigen", sagte Marcel Schäfer und Arne Friedrich wertete Diegos Verhalten als "untragbar".

Diego spielt mit seiner Zukunft als Fußballer. Wenn er noch eine haben will, muss er neben seinen herausragenden fußballerischen Fähigkeiten endlich auch auf im Beruf zeigen, was er im Privaten ist: freundlich, umgänglich und integer.

Hoffenheim - Wolfsburg: Daten zum Spiel

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