Alternative Liste des 31. Spieltags

Jede Menge tote Tiere

Von Stefan Moser
Montag, 05.05.2008 | 13:04 Uhr
schalke, albert, streit, hannover
© Getty
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München - Die Bayern sind Meister, wer hätte das gedacht! War ja auch ein hochdramatisches Finale, in dem der VfL Wolfsburg die Münchner zum vorzeitigen Titelgewinn gezwungen hat.

Denn wenn die eine Mannschaft keinen Bock mehr hat und die andere schlicht zu doof ist, um ein Tor zu schießen, steht's am Ende eben 0:0. Das reichte den Bayern zwar zur Meisterschaft, zu der wir herzlich gratulieren, nicht aber für den Einzug in die Alternative Liste des 31. Spieltags - mit einer Ausnahme.

1. Schöne Ente: Weil große Sportler im Herzen auch große Künstler sind, protzen sie gerne mit dem, was sie für Originalität halten und geben ihren Kindern die absonderlichsten Namen. Franziska van Almsick etwa schimpft ihren Nachwuchs allen Ernstes "Don Hugo", David Beckhams Sohn heißt nach dem Ort seiner Zeugung "Brooklyn" und Boris Beckers jüngste Tochter hört entsprechend auf den schönen Namen "London-Besenkammer".

Und nun also auch Daniel Ziebig: Während der Woche bekam der Energie-Profi Fünflinge; und weil er sie nicht "Cottbus", "Lausitz" oder "Zone" nennen wollte, bat er auf seiner persönlichen Website um Vorschläge. Nach dem Votum der Fans fiel die Entscheidung dann auf "Lotte", "Coco", "Lauzi", "Macho" und "Puschel". Das jedenfalls berichtete die "FAZ". Glücklicherweise aber handelte es sich bei dieser Horrormeldung nur um eine Ente und beim Brandenburger Nachwuchs in Wahrheit um possierliche, kleine Kaninchen. Beim Blick auf Ziebigs Homepage hätte man allerdings auch selbst Verdacht schöpfen können - spätestens als dort von Vitaminpasten, Wurmkuren und von Kastration die Rede war.

2. Häuptling "Rotes Weißbrot": Als besonders Weise gilt es in Deutschland, esoterische Sentenzen zum Besten zu geben. In etwa so wie Fußball-Philosoph Matthias Sammer, der am Samstag folgenden Gedanken kundtat: "Urteile erst über einen Menschen, wenn Du 14 Tage seine Mokassins getragen hast."

3. Vier Tiere in vier Sätzen: Eine alte Indianerweisheit lautet ja bekanntlich: "Wer ein totes Zebra reitet, steigt am Saisonende ab." Und was waren die Duisburger schon mausetot! Und der MSV so gut wie abgestiegen! Doch dann kam Büffel Ishiaku, machte die Tölpel aus Leverkusen platt - und plötzlich sind die Zebras wieder quicklebendig!

4. Volksheld a. D.: Nach der Nullnummer im Singal Iduna Park ging der Ex-Dortmunder und Jetzt-Nürnberger Jan Koller zu den BVB-Fans, um sich für deren warmen Applaus zu bedanken.

Als er dann jedoch zum Gästeblock zurückspazierte, stand Koller vor dem folgenden Problem: In Größe 58 gibt es keine Mokassins, und deshalb bildeten sich die Club-Fans ihr Urteil über den Tschechen ohne 14-tägige Bedenkzeit ganz spontan.

Was der Franken-Mob da von sich gab, war durchaus unerquicklich- und so stand auch Koller nicht der Sinn nach esoterischen Sentenzen und Indianer-Weisheiten. Kurz und knackig verabschiedete er sich mit einem "Fucking Fans" in die Kabine.

5. Apropos fucking Fans: Bielefeld hat gewonnen, 2:0 gegen Bochum, aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist vielmehr eine Handvoll Bochumer Vollidioten. Dabei spielt es auch überhaupt gar keine Rolle, dass Ordner von Berufs wegen auf der menschlichen Sympathieskala nur hauchdünn vor Politessen und vor U-Bahn-Kontrolleuren rangieren. Man prügelt ganz einfach niemanden halb tot, der nicht ausdrücklich darum gebeten hat! Und das wiederum machen ohnehin nur andere Vollidioten. Und darum - Indianerlatschen hin, Indianerlatschen her - sei den Bochumer Schläger-Deppen hiermit alles nur erdenklich Unerquickliche an den hohlen Kopf geworfen!

6. Und apropos Indianerlatschen: Oliver Bierhoff und Jogi Löw schossen am Samstagabend im "Aktuellen Sportstudio" auf die Torwand und brachten es zusammen auf einen einzigen mickrigen Treffer. Per Kopf hätte Bierhoff sicherlich alle sechs versenkt - aber mit Füßen aus Malta... Oder lag es etwa daran, dass der gute Olli schon seit Wochen die Mokassins von Rudi Völler aufträgt? Man weiß es nicht genau.

7. Kopfzerbrechen: Um zwischen einer schweren Verletzung und einem einfachen Brummschädel zu unterscheiden, haben Bundesliga-Ärzte ein bemerkenswert zuverlässiges Verfahren entwickelt: Bekommt ein Spieler richtig auf die Zwölf, wird ihm eine Reihe einfacher Fragen gestellt. Kann er die glaubwürdig beantworten, geht es ihm gut und er kann weiterspielen.

Im Fall von Albert Streit, der am Samstag mächtig mit Hannovers Torwart Robert Enke zusammenrasselte, ging das dann so:

Wie heißt Du? "Albert." Was machst Du hier auf Schalke? "Meine Form suchen." Und warum hast du so einen albernen Lukas- Podolski-Gedächtnis-Ghetto-Style-Slang? "Keine Ahnung, Alter." Alles korrekt, es konnte weitergehen!

Ging es dann auch: Schalke spielte 1:1, und Streit sucht seine Form noch heute.

8. Humor für Anfänger: Sehr ambitioniert war der Versuch eines Feldreporters in Berlin, den Hertha-Kapitän Arne Friedrich aus der Reserve zu locken, indem er ihm den folgenden Witz servierte: "Fragt der Sohn den Vater: 'Wann hat Berlin eigentlich das letzte Mal gewonnen?' Sagt der Vater: 'Keine Ahnung, ist so lange her, frag' doch mal den Opa!'" Hammerwitz! Umso mehr Hammer, als doch die Hertha eben mit 3:1 gegen Karlsruhe gewonnen hatte. Allein: Friedrich verpennte die Pointe und verzog keine Miene. Als er aber merkte, dass der Witz zu Ende war, plagte ihn sein soziales Gewissen. "Ähem", entschuldigte er den ernsten Blick, "ich kann insgesamt nicht wirklich über Witze lachen." Hätten wir auch nicht gedacht! So humorlos, wie der Fußball spielt.

9. Humor für Fortgeschrittene: Auch in Hamburg gibt es einen Witz. Er ist ganz kurz und geht so: "Schießt der de Jong aufs Tor!" Und schon lachen sich alle schlapp. Was nämlich der Niederländer beim Abschluss anstellt, gehört regelmäßig in die Kategorie "Themaverfehlung". Und so ersannen die HSVler einen pfiffigen Freistoßtrick: "Der van der Vaart führt aus, wir laufen alle aufs kurze Eck und lassen den de Jong allein am langen Pfosten stehen. Denn dass wir dem da vorne freiwillig den Ball geben, glaubt uns sowieso keiner." In der Tat: Auch die Rostocker wollten es nicht glauben und staunten nicht schlecht, als de Jong plötzlich mutterseelenallein samt Ball vor ihrem Tor stand. Und siehe da: De Jong zielte, de Jong semmelte sehr armselig vorbei, und sämtliche Zuschauer brachen in Gelächter aus. Trotzdem gewann Hamburg noch mit 3:1.

10. Politisch korrekt: Auch wenn wir seine ausgelatschten Treter erst seit sieben Tagen an den Füßen haben, erlauben wir uns doch dieses Urteil: Mike Hanke ist ein semmelblondes Muster an Rechtschaffenheit! Denn auf die bis dahin ungeklärte Frage, ob er nun Arnold Brugginks Freistoß ins Schalker Tor verlängerte, oder ob der Niederländer selbst den Treffer erzielte, gab der Hannoveraner Stürmer ehrlich zu: "Der Bruggink war's".

Anständig von Hanke, zumal der eigentlich noch dringend Argumente braucht, um auch im Sommer bei der EM für Diskussionen zu sorgen.

11. Politisch inkorrekt: In Duisburg verdursten beinahe die Zebras und was machen die Bayern? Verschütten literweise Weizenbier auf dem Wolfsburger Rasen. Als besonders emsig erwies sich dabei Bastian Schweinsteiger, der unter anderem Karl-Heinz Rummenigge mit einer hinterhältigen Bierdusche bedachte. Der Bayern-Boss fand das so eher mittel und feixte in die Kameras: "Morgen wird er gleich verkauft!" Wäre ja nicht die erste Karriere, die dem Alkohol zum Opfer fällt. 

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