Was Sie noch nie über Sex wissen wollten

Von Stefan Moser
Montag, 14.04.2008 | 12:45 Uhr
bayern, münchen, dortmund
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München - Gewiss, Freuds Psychoanalyse ist wissenschaftstheoretisch nicht gerade state of the art. Doch sie verfügt über zwei überaus seltene Vorzüge.

Erstens kann man mit ihrer Hilfe durchaus salonfähig über die menschliche Verdauung schwadronieren, und zweitens diese Plauderei auch noch mit schlüpfrigen kleinen Anspielungen über Fußball ausschmücken.

Ticks, Neurosen, Perversionen - alles unter dem Deckmantel der Wissenschaft - in der Alternativen Liste des 28. Spieltags.

1. Frühkindliche Charakterbildung: Potentielle Störungen in der analen Phase beschreibt Freud in seinem entwicklungspsychologischen Modell sinngemäß so: Noch kaum der Sprache mächtig, aber eben im Begriff, der Windel zu entwachsen, sitzt das Kind auf seinem Topf und soll, unter aufmunternden Gesten der Eltern, das tun, wozu es eben auf dem Topf gesetzt wurde. Doch dann entdeckt der Rotzlöffel plötzlich die triumphale Geste der Verweigerung: "Nö, liebe Eltern, ihr könnt mich mal! Ich will jetzt nicht!" Das erste aggressive "Nein" des Kindes, noch vor dem Sprecherwerb klar und deutlich formuliert - mit seinem Schließmuskel.

Weil das erwachende Selbstbewusstsein in dieser trotzigen Willensäußerung als lustvoll erlebt wird, wiederholt sich das Verhalten. Entwickelt sich daraus eine dauerhafte Prägung, führt das beim Erwachsenen zu einer Verstopfungsneigung und überdies zu einer Charakterbildung, die Freud "anal fixiert" nennt: Leicht mürrische, zur Pedanterie neigende Sturköpfe mit ausgeprägtem Hang zur Disziplin. Solche Leute werden in der Regel Polizisten oder Schiedsrichter - manchmal aber auch Fußballtrainer. Na? Dämmert's bereits?

2. Falls nicht: Da saß er also auf der Pressekonferenz, mit zusammengekniffenen Pobacken, so hart wie sein eigenes Image.

HSV-Trainer Huub Stevens, nach dem 0:1 gegen Duisburg launig wie eh, beantwortete er die harmlose Frage eines Journalisten so: "Wissen Sie, was das Schönste für mich ist: Dass ich hier vor Ihnen nichts rauslassen muss!" Noch Fragen?

3. Apropos Verdauung: Bochum gegen Hertha, Endstand 1:1. Kein Mensch weiß, wie in dieser Partie zwei Tore fallen konnten, denn es war, mit Verlaub, ein Scheißspiel. Von den Rängen kam nichts, von den Spielern kam gar nichts und selbst Schiri Doktor Felix Brych schloss sich der allgemeinen Verweigerungshaltung an, indem er einen klaren Elfer für Bochum nicht geben wollte. Wäre die Psychoanalyse eine exakte Wissenschaft, stünde zweifelsfrei fest: 22 Fußballprofis und ein Akademiker mit Pfeife leiden kollektiv und ausnahmslos an einer tierischen Verstopfung.

4. Ze Roberto: Nicht anal, sondern banal ist die Begründung: Ze Roberto trifft! Wir haben damit angefangen, also ziehen wir das jetzt auch durch.

5. Berufskrankheiten: Gut geeignet für zotige Bemerkungen und daher extrem beliebt ist ein weiterer Begriff aus Freuds Psychoanalyse: die Kastrationsangst. Statistisch gesehen leiden 60 Prozent der Fußballspieler darunter, die Dunkelziffer ist bedeutend höher. Und wer den rasiermesserscharfen Tritt von Hannovers Sergio Pinto ins Gemächt des armen Faton Toski (Frankfurt) in Zeitlupe gesehen hat, wird sich darüber nur schwerlich wundern.

6. Irgendwie bierselig: Warum Mirko Slomka ausgerechnet in einer englischen Woche gehen musste, dazu noch in einer Phase, in der die Mannschaft endlich zeigte, dass sie Fußball nicht ausschließlich als Kraftsport begreift, ist schwer zu durchschauen. Der vereinsmeiernde Krisenplan der Schalker Macher dagegen liegt auf der Hand: Weg mit dem Schnösel! Her mit zwei volkstümelnden Urgesteinen, denen die Gelsenkirchener Malocher-Folklore nicht nur ins Gesicht, sondern auch noch in die klubinterne Vita geschrieben steht! Das hilft immer! Wahnsinn: Da haben die Schalker Bosse aber mal ordentlich mit der sprichwörtlichen Hand auf den sprichwörtlichen Tisch gehauen. Oder sind sie vielleicht nur einfach zu später Stunde mit dem Kopf gegen den Tresen der vereinseigenen Gaststätte geknallt? Es wird sich alles zeigen. Bis dahin: Prost, Schalke!

7. Da war doch mal was: Folgendermaßen kommentierte Uli Hoeneß das Engagement von Lothar Matthäus als Trainer bei Maccabi Netanya: "Hoffentlich hat Frau Merkel demnächst nicht so viel Arbeit, die diplomatischen Beziehungen zu Israel wieder zu verbessern." Wer Matthäus' Feingefühl im Umgang mit der deutschen Geschichte kennt, weiß, dass das höchstens zur Hälfte als Witz gemeint war.

8. Höhere Gewalt: Echt gerissen, wie Diego Benaglio am Freitag einen Makel aus dem Lebenslauf löschte. Der Wolfsburger Torhüter ließ in der Regenschlacht von Nürnberg nämlich einen eigentlich harmlosen Ball durch die klatschnassen Pfoten rutschen: 1:0 für den Club. Weil das Unwetter über Franken aber auch nach der Pause nicht aufhören wollte, den Platz zu ramponieren, entschied Schiri Drees auf Spielabbruch.

In Deutschland beginnen Wiederholungsspiele grundsätzlich bei Null, damit war Nürnbergs Treffer, und mithin auch Benaglios Patzer, annulliert. Gerüchten zufolge half der 24-Jährige dem Schicksal dabei kräftig auf die Sprünge, indem er sich in der Halbzeit je dreimal betend Richtung Mekka und Medina verbeugte, auf dass es kräftig weiterregne. Dabei wohnt der Wettergott, je nach heidnischer Konfession, doch irgendwo in Griechenland oder in Mesopotamien. Und nebenbei: Entgegen feministisch-kämpferischer Toilettensprüche ist er auch keine Frau - und, ein für allemal, schon gar nicht Maxi Biewer!

9. Die Bayern: Fiedeln locker mal den BVB mit 5:0 vom Platz und haben nun geschmeidige zehn Punkte Vorsprung auf die Konkurrenz. Super Sache für die Bayern, aber die Nummer mit dem Fernglas kann wirklich keiner mehr hören. Unfug ist sie obendrein. Denn laut statistischem Bundesamt hat ein Punkt in der Bundesliga einen Durchmesser von exakt 0,8 Zentimetern. Der Abstand zwischen dem Meister und dem Rest der Welt beträgt also nicht viel mehr als eine Daumenlänge. Und wer den nicht mit dem freien Auge überbrücken kann, ist blind wie ein somalischer Nacktmull und braucht auch kein Fernglas mehr!

10. Berufskrankheiten, Teil II: Noch mal Freud, noch mal die psychosexuelle Entwicklungstheorie: Im Lauf der Pubertät richtet sich das erotische Begehren zunehmend auf gegengeschlechtliche Artgenossen. Heftet sich die Libido dagegen an Objekte, entwickelt sich vielleicht ein Fetisch. Eine gewisse fetischistische Fixierung auf den Ball ist bei Fußballern ausdrücklich erwünscht und auch nicht weiter bedenklich.

Insofern muss man die Balgerei zwischen dem Bielefelder Markus Bollmann und Cottbus-Coach Bojan Prasnikar, der den Ball partout nicht rausrücken wollte, auch nicht zwangsläufig in ein zweifelhaftes Licht rücken. Cottbus gewann 1:0, und Bollmann war immerhin mal groß im Fernsehen.

11. Wir fahren nach Berlin: Alles hat Borussia Dortmund in diesem Jahr schon boykottiert: Die Presse, das Fußballspielen sowieso, und zuletzt gegen die Bayern auch noch die Arbeit. Das ist geizig, pedantisch und kleinkariert! Und weil Deutschland im Ausland ohnehin schon als irgendwie anal fixiert gilt, fordern wir im Sinne einer Imagekampagne für Europa: Jena ins Pokalfinale, Jena in den UEFA-Cup!

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