Da hilft auch kein Buddha

Von Stefan Moser
Montag, 11.02.2008 | 18:44 Uhr
Luca Toni, Bayern München, Werder Bremen, Wiese
© Getty
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München - Jede Menge Licht ins Dunkel brachte uns der 19. Spieltag der Fußballbundesliga. Lange Unterhosen, soviel steht nun fest, sind dem Leistungssport nur abträglich. Ein Buddha-Amulett hilft auch nicht weiter.

Die Erkenntnisse des Wochenendes gibt's wie immer gesammelt, kurz und knapp in der Alternativen Liste:

1. Sexiest Man Alive: Vollkommen zu Recht genießen lange Unterhosen bei Männern einen ziemlich schlechten Leumund. Dass es sich dabei freilich nicht nur um ein manieriertes ästhetisches Klischee handelt, sondern die hässlichen Dinger auch tatsächlich die Leistungsfähigkeit einschränken, dafür lieferte Jan Koller am Samstag den Beweis. Bei gepflegten zehn Grad plus präsentierte sich der Neu-Nürnberger gegen Rostock nämlich zum ersten Mal "unten ohne" in schicken knappen Shorts. So richtig schneidig sah er plötzlich aus, der Koller, und folgerichtig machte er dann auch sein erstes Tor.   

2. Geruchsproben: Beim 1:1 gegen Nürnberg erzielte Rostocks Christian Rahn sein 13. Bundesliga-Tor, ein recht hübsches obendrein. Fand er übrigens auch selbst: "Den Ball habe ich überragend angenommen und sensationell versenkt."

Rahns Einschätzung der Situation ist unbedingt richtig, und allen, die dabei recht kleinkariert die Nase rümpfen, sei gesagt: Eine sachgerecht benutzte Baby-Windel stinkt, Geld auch - Eigenlob dagegen riecht nach überhaupt nix!

3. Religionsfreiheit: Dortmunds Trainer Thomas Doll besorgte sich erst jüngst ein hübsches kleines Buddha-Amulett. Mit weit aufgerissenen Augen und einem seichten Taj-Mahal-Lächeln ließ er wissen: "Das gibt mir innere Zufriedenheit." Nach der 2:3-Niederlage im Revierderby gegen Schalke sah das allerdings ganz anders aus.

4. Denkpause: Weil Stuttgart in der Krise steckt und man da ja dann was machen muss, verbannte Trainer Armin Veh seinen Stammtorhüter Raphael Schäfer aus der Stammelf und nannte das ganze eine "Denkpause". Der Geschasste nahm es sich zu Herzen, setzte sich gegen Berlin auf die Bank - und dachte dort nach. Worüber? An Schäfers Gesichtsausdruck konnte man es klar und deutlich ablesen. Hier das Protokoll: Minute eins bis fünf: Über die Bedeutung von Florian Silbereisens Beinbruch für die Lage der Nation. - Ohne Ergebnis, Gedankengang wegen Belanglosigkeit eingestellt. Dann: Über Sinn und Unsinn der Religionsfreiheit in Dortmund. - Ohne Ergebnis, Gedankengang in der 7. Minute durch das 0:1 von Marko Pantelic unterbrochen. Rest der Spielzeit: Über den Grad der Verwahrlosung von Stuttgarts Hintermannschaft. - Ergebnis: Ja, durchaus hoch.

5. Merkwürdige Traditionen: Wie immer, wenn Ze Roberto trifft, steht Ze Roberto auch in der Alternativen Liste, mit der Begründung: Ze Roberto trifft.

6. Disziplinfanatiker aus Holland: Unter allen Schlampereien und Disziplinlosigkeiten ist es sicherlich die schlimmste, auf einem Geschenk das Preisschild kleben zu lassen. Huub Stevens, in Hamburg hauptverantwortlich für ordentliches Benehmen und ordentlichen Fußball, sieht das ganz genau so. Und deshalb kratzte er höchst selbst noch schnell das schnöde Etikett vom Ball, das die Leverkusener Chaoten dort doch glatt vergessen hatten. Erst dann überreichte er feierlich das Spielgerät an Bayer-Kapitän Bernd Schneider, auf dass der endlich seinen Einwurf ausführen konnte. Weil Schneider sich dann brav bedankte, bekam er von Stevens auch einen fettes Plus ins Klassenbuch, und ein Lächeln gab's noch obendrauf - geschenkt.

7. Heul-Susi: Nach § 762 Abs. 1 BGB wird durch eine Wette keine Verbindlichkeit begründet. Sogenannte "unvollkommene Verbindlichkeiten" können nicht eingeklagt werden.

Rechtlich gesehen ist BVB-Sportdirektor Susi Zorc damit auf der sicheren Seite, obwohl er sich nach dem verlorenen Derby weigerte, eine Wettschuld zu begleichen und das Auto von  Schalke-Manager Andreas Müller zu putzen. Schäbig aber war die Begründung des Drückebergers: "Das war ja irgendwie mehr so eine ...ähem... symbolische Wette."

8. Kaiserliche Botschaft: Nicht im BGB erwähnt wird dagegen die Regel, dass der Gefoulte nicht selber zum Elfmeter antreten soll. Wissenschaftler der Universität Halle-Wittenberg haben zudem ausgerechnet, dass es tatsächlich völlig wurst ist, wer den Strafstoß schießt. Gefoulte oder Nichtgefoulte verwandeln, laut Statistik, beide mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent. Bayerns Franz Beckenbauer ärgerte sich trotzdem maßlos, dass sich der gefoulte Luca Toni gegen Bremen den Ball selbst auf den Punkt legte und den Elfer dann recht armselig versemmelte. Für die Zukunft erließ der Kaiser daraufhin das folgende Verdikt: "Der Gefoulte schießt keinen Elfmeter - das ist ein Gesetz, auch wenn der Spieler Luca Toni heißt und Weltmeister oder sonst was ist." 

9. Frisierte Bilanzen: Apropos Wissenschaft: Bielefelds neuer Trainer Michael Frontzeck erkannte nach der 1:2-Niederlage gegen Frankfurt einen "kleinen Schritt nach vorne", weil sein Team sich immerhin nicht gnadenlos hatte abschlachten lassen. Statistisch gesehen aber rutschte die Arminia von Platz 14 auf Platz 15. Eine erste Hochrechnung von Frontzecks Politik der kleinen Schritte ergibt am Ende glatt Platz 18 und endet für Bielefeld in Liga zwei.

10. Da schweigt die Wissenschaft: Bayern gegen Bremen, 32. Minute: Ze Roberto macht den Ausgleich und Oliver Kahn sieht dafür Gelb. Merkwürdig eigentlich. Dazu Kahn: "Hab ich fürs Jubeln gekriegt. Kann ich nicht nachvollziehen." Kommt aber davon, wenn Ehrgeiz, Euphorie und blanker Hass in einer menschlichen Seele so nahe beieinander liegen.

11. Masochismus im Praxis-Test: "Hab' ich!", brüllte Bochums Torhüter Jan Lastuvka. Gemeint war der Ball, der als Bogenlampe langsam auf ihn zukam. Hatte er aber gar nicht! Kollege Marcel Maltritz nämlich stand im Weg, und Lastuvka nahm auf diesen Sachverhalt Rücksicht, ging zögerlich zu Werke und ließ den Ball aus seinen Händen gleiten.

Cottbus' Ervin Skela bemerkte das Malheur und schob geistesgegenwärtig zum 2:3 ein, Endstand 3:3. Für Maltritz war die Schuldfrage später schnell geklärt: "Da muss mich der Keeper einfach abräumen", so der 29-Jährige, "wenn er schon ruft, muss er auch konsequent raus. Er muss mich wegputzen, selbst wenn er riskiert, mich dabei zu verletzen."

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