Magische Momente

Von Stefan Moser
Montag, 22.10.2007 | 10:43 Uhr
© Imago
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München - Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Das ist nur eine von vielen Floskeln in Phrasen, die in dieser Woche ihren Weg in die Spieltags-Retrospektive gefunden haben.

Wie schnell man in der Bundesliga tatsächlich vom Publikumsliebling zum Sündenbock mutieren kann, musste am Freitag der Cottbusser Torhüter Tomislav Piplica erfahren. Zum Trost führt er die Alternative Liste des 10. Spieltags an.

1. Eine Lanze für Piplica: Möglicherweise hält ein Weltklasse-Torwart ja tatsächlich einen der beiden Bälle, die der Energie-Torwart zur 1:2-Pleite gegen Duisburg passieren ließ. Aber Pipi ist nun mal kein Weltklasse-Mann. Das sind die übrigen 28 Profis im Cottbusser Kader aber auch nicht. Und die Schuld an der Lausitzer Misere nun einzig Piplica in Schuhe zu schieben, ist falsch, ungerecht und billig!

2. Der Buchstabe N: Tolle Wörter beginnen mit N! Niederlage, Not und Nackenschlag zum Beispiel. Oder auch: Nordbank-Arena. Das steht in eisernen Lettern über dem Stadion in Hamburg. Der Buchstabe N wiegt dabei alleine stolze sechs Tonnen und hatte sich am Samstag aufgrund einiger lockerer Schrauben etwas aus der Verankerung gelöst. Weil Sicherheitsexperten die Schrauben erst wieder festziehen mussten, wurde die Partie gegen Stuttgart erst mit 15-minütiger Verspätung angepfiffen.  Näheres zum Thema Niederlage, Not und Nackenschläge konnte man anschließend beim VfB erfahren.

3. Calcaneus: So nennt der Anatom das Fersenbein und erklärt, dass es dem Menschen dabei hilft, sich vom gemeinen Affen zu unterschieden, weil die spezifische Stellung unserer Ferse erst den aufrechten Gang auf Dauer ermöglicht. Der Fußballer mag kein Latein, sagt stattdessen "Hacke" und erklärt, dass sie dabei hilft, einen gemeinen Rumpelfüßler von einem Ballzauberer zu unterscheiden.

Wer die anatomischen Vorzüge seines Fersenbeins nämlich so geschickt einzusetzen weiß wie am Samstag Joshua Kennedy und Franck Ribery, der erzielt ein Traumtor mit der Hacke und sogt so für magische Momente mit dem Calcaneus.

4. Skurrile Verletzungen: Was musste sich Paolo Guerrero nicht alles anhören, weil ihm bei einem Sprint durch den Münchner Flughafen eine Muskelfaser riss. Dabei ist der HSV-Torjäger nicht der einzige Fußballprofi, der sich in Zivil eine leicht skurrile Verletzung eingehandelt hat. Alessandro Nesta etwa musste einst gut zwei Wochen mit einem ausgekugelten Daumen pausieren, weil er zu ekstatisch an der Playstation gedaddelt hatte. Der Spanier Santiago Canizares musste 2002 sogar auf die WM verzichten, weil er sich an den Scherben einer zerbrochen Parfum-Flasche eine Sehne am Fuß verletze. Und Oliver Reck wurde von einem Seifenspender außer Gefecht gesetzt. Die meisten Unfälle passieren nun mal im Haushalt.

5. Aufbauhilfe West: Wenn so ein Ball frontal aufs eigene Tor zukullert, dann hat ein Torwart verschiedene Handlungsmöglichkeiten. Das Ding festhalten zum Beispiel wäre toll. Oder nach links abwehren; vielleicht auch nach rechts. In ganz komplizierten Lagen zur Not auch mal nach vorne. Was er dagegen nicht tun sollte, ist, den Ball nach hinten abzuwehren. Dann steht's nämlich 1:0 für den Gegner. Oder eben 2:1 - wie bei Bochum gegen Bayern, als VfL-Keeper Jan Lastuvka ein Schüsschen von Bastian Schweinsteiger per Schienbeinschoner nach hinten ins eigene Tor bugsierte. Die Bayern heimsten damit weitere drei Punkte ein - und für den Schweini war es Balsam für die arg geschundene Seele.

6. Das seltene Wort "lupenrein": Noch mal Guerrero. Dank dessen Verletzung suchte der HSV in Abwesenheit von Rafael van der Vaart nämlich dringend einen Torjäger. Da hob Ivica Olic einfach mal die Hand und sagte: "Ich kann das doch machen!" Machte er auch und erzielte schon in Halbzeit eins drei Treffer am Stück. Ein lupenreiner Hattrick! Und das gelang vor ihm in der ganzen Geschichte des HSV noch keinem einzigen Bundesliga-Profi. Damit ist Olic jetzt schon größer, besser, höher, schneller, weiter und schöner als Horst Hrubesch, Kevin Keegan und Uwe Seeler zusammen.

7. Albert Einstein: "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die  menschliche Dummheit", hat Einstein gesagt. Und Einstein war sicher eines der größten Genies des 20. Jahrhunderts. Aber: Hier hat er geschlampt und gleich mehrere Dinge übersehen. Die Liebe und das Wetter zum Beispiel - auch die hören niemals auf. Oder die Erfolgsserie der Bayern: Seit 19 Pflichtspielen sind die Münchner nun ungeschlagen. Das sind zusammengerechnet zwar gerade mal 28,5 Stunden. Doch es kommt einem vor wie eine Ewigkeit.

8. 48 Sekunden: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Oder er verpasst den Bus, den Anfang eines Films, die Happy-Hour in der Cocktail-Bar, die Sonderangebote bei Aldi, oder auch: den Anpfiff! So geschehen in Bremen: Aus dem absoluten Nichts heraus erzielte da nämlich die Hertha plötzlich das 1:1, obwohl Werder eigentlich schon gut und gerne mit 5:0 hätte führen können. Über so viel unverhofftes Glück freuten sich die Berliner denn auch derart ausgedehnt, dass sie prompt den folgenden Bremer Anstoß verbummelten. Und so verpassten sie auch diesen sehenswerten Spielzug: Diego auf Rosenberg, Rosenberg auf Almeida, der zurück auf Rosenberg - und der wiederum zur 2:1-Führung ins Hertha-Tor. Exakt 48 Sekunden nach dem Ausgleich!

9. Manuel Neuer: Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint". Und Neuer meinte es mit seinem Abwurf ganz besonders gut: Kaum hatte der Schalker Torhüter den Ball in der 56. Minute gefangen, warf er ihn auch schon wieder ab. Um das Spiel schnell zu machen - so steht es im Handbuch für modernes Torwartspiel. Was da allerdings nicht drin steht, ist, dass man die Kugel dabei seinem Gegenspieler vor die Füße rollen soll. Weil dann passiert nämlich das: Der Rostocker Marc Stein schnappt sich den Ball, lupft ihn blitzsauber ins Schalker Tor, das Spiel endet 1:1, und Königsblau verliert zwei wichtige Punkte.

10. Lobhudelei: Gut meinte es auch Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel mit den Seinen.

Er versammelte die Mannschaft in der Pause des Nürnberg-Spiels in der Kabine zur Halbzeit-Ansprache und verteilte ausgiebig Lob. Zu dem Zeitpunkt stand es 1:1. Die Spieler dankten es dem Trainer, indem sie sich im Lauf der zweiten Hälfte vier Stück einschenken ließen. Frankfurt verlor mit 5:1, und Funkel ging hart mit sich selbst ins Gericht: "Ich war wohl zu euphorisch und habe meine Mannschaft in der Pause zu sehr gelobt. Das muss ich mir selbst als Fehler ankreiden."

11. Globetrotter: Jede Menge Profis waren während der Woche auf Länderspielreisen über den halben Globus verstreut. Einige von ihnen haben die Reisestrapazen auch ganz ordentlich verkraftet. Der Portugiese Hugo Almeida zum Beispiel, Torschütze für Bremen. Oder der Brasilianer Gilberto, Torschütze für Berlin. Dessen Wolfsburger Landsmann Josue war ebenfalls mit ihm auf Reisen - dem aber steckte der Trip doch ziemlich in den Knochen. Und so musste sein Versuch, in der Partie gegen Hannover einen Ball aus der Gefahrenzone zu köpfen, auch kläglich scheitern. Josue stupste ihn nämlich butterweich zurück zur Mitte, wo Gegenspieler  Michael Tarnat drei Meter vor dem leeren Tor eigentlich völlig unbeteiligt in der Landschaft stand. Mit all seiner Routine nickte Tarnat lässig ein. Ein gepflegter Jetlag ist so oder so eine unterhaltsame Sache.

 

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