"Bundesliga passt am besten zu meinem Stil"

Von Interview: Felix Keil
Dienstag, 27.09.2016 | 17:00 Uhr
Filip Benkovic gewann in der letzten Saison mit Dinamo das kroatische Double
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Filip Benkovic gilt als eines der vielversprechendsten Talente Kroatiens. Mit 19 Jahren gehört der Innenverteidiger zum Stammpersonal bei Dinamo Zagreb. Im Gespräch mit SPOX erzählt er von seinem Werdegang, seiner Vorbereitung auf das Spiel gegen Juventus und seinen Idolen.

SPOX: Herr Benkovic, letzte Saison ist aus Ihrer Sicht ziemlich erfolgreich verlaufen: Debüt in der ersten kroatischen Liga, die Sie als Meister abgeschlossen haben, der Gewinn des kroatischen Pokals und zuletzt das Debüt in der Champions League.

Filip Benkovic: Ja, letzte Saison kann man als erfolgreich bezeichnen. Ich bin auch sehr zufrieden mit meinem Fortschritt und meiner Entwicklung. Schritt für Schritt, Tag für Tag kann ich mich weiterentwickeln. In jedem Training und jedem Spiel habe ich die Möglichkeit, mich zu verbessern. Was letzte Saison angeht, kann man sagen, dass ich beim Meistertitel beteiligt war und viel Spielzeit bekommen habe. Und klar, dadurch, dass ich in der Champions League gespielt habe, habe ich mir einen Traum erfüllt.

SPOX: Wie haben Sie diese Entwicklung selbst wahrgenommen? Waren Sie überrascht oder haben Sie einen solchen Aufstieg erwartet?

Benkovic: Ich konzentriere mich darauf, jeden Tag hart zu arbeiten. Man kann nur erfolgreich sein, wenn man eine Menge investiert. Deshalb bin ich über diesen Werdegang nicht wirklich überrascht. Im Endeffekt hat sich die harte Arbeit ausgezahlt.

SPOX: Sie sind zwar erst 19 Jahre alt, aber mittlerweile etablierter Stammspieler und als Innenverteidiger tragen Sie eine Menge Verantwortung. Wie ist Ihr Standing innerhalb der Mannschaft?

Benkovic: Wir haben eine sehr gute Mentalität innerhalb der Mannschaft und ich fühle mich geehrt, ein Teil von ihr zu sein. Für jeden jungen Spieler ist es eine gute Sache, in solch einer Umgebung zu spielen. Ich respektiere jeden Mitspieler und diesen Respekt bekomme ich auch zurück.

SPOX: Sie sind mit einer Niederlage bei Olympique Lyon in die laufende Champions League-Saison gestartet. Was nehmen Sie aus dieser Partie mit?

Benkovic: Es war ein umkämpftes Spiel gegen eine wirklich gute Mannschaft. Unglücklicherweise war das Ergebnis nicht gut für uns. Aber ich will nicht weiter über diese Niederlage reden, weil sie in der Vergangenheit liegt und wir uns auf die kommenden Aufgaben konzentrieren. Wir müssen alles dafür geben, zukünftig bessere Ergebnisse zu erzielen.

SPOX: Vielleicht klappt das ja schon am Dienstag. Der Gegner dann heißt Juventus Turin. Vor allem für Sie wird das eine schwierige Aufgabe. Mit Mario Mandzukic, Gonzalo Higuain und Paulo Dybala spielen dort drei unterschiedliche Stürmertypen. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Benkovic: Natürlich wird dieses Spiel eine große Herausforderung für uns. Ich möchte gar nicht viel über Juventus sprechen. Jeder weiß, dass sie einer der Favoriten auf den Champions-League-Titel in dieser Saison sind. Wir müssen füreinander kämpfen, nur dann können wir etwas reißen. Juve hat fantastische Spieler, aber wir werden natürlich versuchen, sie ein wenig ungefährlicher zu machen.

SPOX: Spielt die 5:0-Niederlage aus der letzten Spielzeit gegen den FC Bayern und Robert Lewandowski bei der Vorbereitung eine Rolle?

Benkovic: Jedes Spiel in der Champions League ist eine Erfahrung für uns, die uns motiviert, in der Zukunft besser zu werden. Ich persönlich mag es nicht, vergangene Spiele zu analysieren. Man kann Bayern und Juve schon vergleichen. Beide Vereine haben die Ambition, die Champions League zu gewinnen und haben großartige Spieler auf jeder Position.

SPOX: Wir haben schon über Mario Mandzukic gesprochen. Bis vor sechs Jahren hat er auch noch bei Dinamo Zagreb gespielt. Haben Sie Tipps von Personen innerhalb des Klubs bekommen, wie man ihn am besten aus dem Spiel nimmt?

Benkovic: Mandzu ist einer der besten Stürmer der Welt, er blickt auf eine großartige Karriere zurück. Es ist fast unmöglich, ihn über komplette 90 Minuten zu stoppen. Aber wir wollen ihm das Leben natürlich schwer machen. Ich bereite mich auf jedes Spiel nach dem gleichen Muster vor: Ich analysiere jeden Stürmer, achte auf seine Bewegungen und natürlich auf seine besonderen Stärken. Aber selbstverständlich hilft es auch, wenn erfahrene Spieler den einen oder anderen Hinweis geben.

SPOX: Sind Spiele gegen solche Weltstars ein Ansporn für Sie? Können Sie sich vorstellen, eines Tages in der Premier League, der Primera Division, der Serie A oder sogar der Bundesliga zu spielen? Welche Liga würde am besten zu Ihnen passen?

Benkovic: Jeder Spieler will sich weiterentwickeln und den nächsten Schritt auf der Karriereleiter machen. Mir geht es da genauso. Die Ligen, die Sie genannt haben, sind der Traum von jedem Spieler. Und dort zu spielen ist eine riesige Belohnung für jeden. Tatsächlich ist es ein Ziel von mir, dieses Level zu erreichen. Aber ich überlasse es den Kennern dieser Ligen darüber zu urteilen, was zu mir passen würde. Ich selbst denke, dass die Premier League und die Bundesliga wohl am besten zu meinem Spielstil passen.

SPOX: Orientieren Sie sich im internationalen Spitzenfußball denn an bestimmten Vorbildern? In Deutschland standen in den letzten Jahren beispielsweise Mats Hummels und Jerome Boateng im Fokus. Bei Ihrem nächsten Gegner in der Champions League, Juve, spielen ebenfalls drei der Besten Ihrer Zunft. Von wem können Sie sich besonders viel abschauen?

Benkovic: Ja, die Spieler, die Sie genannt haben, gehören auf jeden Fall zu den weltbesten Spielern auf dieser Position. Man kann und soll natürlich immer von den Besten lernen. Ich schaue sehr viel Fußball und versuche immer etwas abzuschauen. Aber jeder hat einen anderen Spielstil. Auch ich habe meine eigene Spielphilosophie, an der ich konstant arbeiten möchte.

SPOX: Auch die Geschichte Ihres Klubs Dinamo Zagreb gibt potentiell viele Vorbilder her. Unter anderem Dejan Lovren, Luka Modric und Davor Suker haben ihre erfolgreichen Karrieren hier begonnen. Ist das eine besondere Motivation für Sie, es ihnen gleich zu tun? Oder haben Sie sogar schon mit einem von ihnen gesprochen, um sich Tipps abzuholen?

Benkovic: Leider hatte ich noch nicht die Chance, mit einem von ihnen persönlich zu reden. Aber diese Spieler haben überragende Karrieren hingelegt und die Spitze des Weltfußballs erreicht. Dem kann man schon nacheifern. Ich denke, dass es wichtig ist, ein Ziel im Kopf zu haben und dafür jeden Tag hart zu arbeiten. Ich spiele Fußball, weil ich diesen Sport liebe. Ich bin dankbar, meinen Traum leben zu können. Das ist genug Ansporn für mich.

SPOX: Wie viel Ansporn war der starke Auftritt der kroatischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Frankreich? Nach der starken Gruppenphase mit dem Sieg über Spanien war man zwischenzeitlich ja sogar einer der Geheimfavoriten, ehe das bittere Aus gegen Portugal kam. Wie haben Sie das Turnier wahrgenommen?

Benkovic: Selbstverständlich habe ich jedes Spiel als großer Fan verfolgt. Wir haben gut gespielt und mit ein bisschen mehr Glück hätten wir auch ein noch besseres Ergebnis erzielt. Aber nun müssen wir den Blick wieder nach vorne richten. Wir sind ein kleines Land mit sehr vielen Talenten. Darauf können wir wirklich stolz sein und auch aufbauen.

SPOX: Wie sehen Sie den kroatischen Verband in Sachen Jugendarbeit für die Zukunft aufgestellt? Und wann werden wir Filip Benkovic im Trikot der A-Nationalmannschaft sehen?

Benkovic: Die Jugendarbeit in ganz Kroatien ist hervorragend und ich denke, wir haben hier gute Spieler, die wir sicher bald in europäischen Wettbewerben sehen werden. Aber auch das ist ein Job für die Experten. Momentan konzentriere ich mich nur auf Dinamo und denke an nichts anderes. Schritt für Schritt eben.

Filip Benkovic im Steckbrief

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