Fussball

Radikale Reformpläne für die FIFA

SID
Sepp Blatter: Ein Präsident mit Licht und Schatten
© Getty

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger lässt sich noch ein bisschen Zeit mit einer Einschätzung zu den Reformplänen des Baseler Strafrechtsprofessors Mark Pieth. Die Eckpunkte liegen dem Fußball-Weltverband FIFA zwar schon vor, doch wie es die Etikette der vermeintlichen Fußball-Familie unter ihrem Oberhaupt Joseph Blatter verlangt, wird man sich erst nach einem zweitägigen Meeting am Freitag auf eine gemeinsame Sprachregelung zu den Plänen festlegen.

Und was FIFA-Exekutivmitglied Zwanziger dann sagen wird, dürfte aufschlussreich sein.

Denn Pieth will, so hat er dies am Anfang der Woche aus seinem Baseler Büro ausrichten lassen, nicht weniger als die "Struktur im Weltverband erneuern". Er schlägt unter anderem vor, dass Personen von außerhalb bei der FIFA Schlüsselpositionen einnehmen sollen - speziell im FIFA-Ethikkomitee, das seinem Namen bislang nicht verdient.

Sauberes Geschäftsverhalten ist so ziemlich das Letzte, was man mit der FIFA assoziiert. Der Fußball-Weltverband hatte den Jura-Professor im November 2011 mit der Leitung des Komitees zur Ausarbeitung von Reformen beim Verband beauftragt. Nun fordert Pieth, dass die FIFA endlich reinen Tisch machen soll in der Affäre um den 2001 pleite gegangenen

Sportrechtevermarkter ISL/ISMM: Schmiergelder in Höhen von Rund 140 Millionen Franken hatte die Agentur an Sportfunktionäre, darunter auch hochrangige FIFA-Mitglieder, gezahlt. Nun gibt es eine Akte, in welcher das Korruptionsgeflecht dokumentiert ist. Sie wird aber wegen der Klagen zweier anonymer Parteien unter Verschluss gehalten.

Pieth über FIFA-Spitze: "Sie haben einen fürchterlichen Ruf"

Pieth verlangt, dass das Papier schnellstmöglich im Namen der Transparenz veröffentlicht wird. Über die Herren in der FIFA-Spitze sagt er: "Sie haben einen fürchterlichen Ruf."

Und er hat auch einen guten Rat an Präsident Blatter und dessen Gefolgsleute: "Wenn sie schlau sind, werden sie unsere Vorschläge annehmen." Die Möglichkeit dazu besteht am 25. Mai dieses Jahres, wenn die FIFA bei ihrem Kongress in Budapest über das Papier von Pieths sogenanntem "Governance-Komitee" abstimmen wird.

Nach seiner Berufung sah sich Pieth schnell heftiger Kritik ausgesetzt. Der Hauptvorwurf: Er würde den Fokus nicht auf die heikle Aufarbeitung der Vergangenheit legen, sondern wohlklingende Devisen für die Zukunft ausgeben.

Als "frommen Reformer" bezeichnete ihn jüngst die "Süddeutsche Zeitung". Womöglich tut man Pieth damit Unrecht. Blatter wird 2015 abtreten, und er wird sich am Ende seiner dann 17-jährigen Amtszeit als FIFA-Präsident nicht nachsagen lassen wollen, zu viel falsch gemacht zu haben.

Die WM-Qualifikation in der Übersicht

 

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