Formel 1

Ohne Wahl viel Qual

Max Verstappen fiel früh im Rennen aus - und war entsprechend enttäuscht

Während Lewis Hamilton beim Großen Preis von Belgien im WM-Duell gegen Sebastian Vettel zurückgeschlagen hat, sitzt der Frust bei Max Verstappen nach seinem erneuten Ausfall in Spa tief. Der Red-Bull-Pilot wird immer ungeduldiger und attackiert nun sein Team. Eine wirkliche Alternative für die Zukunft hat er aber nicht. Genauso wie sein Leidensgefährte Fernando Alonso.

Fernando Alonso und Max Verstappen haben auf den ersten Blick nicht viel gemein. Der eine ist ein 36-jähriger Spanier und gehört zu den erfahrensten Fahrern in der Formel 1, ist vielfacher GP-Sieger und zweimaliger Weltmeister. Der andere kommt aus den Niederlanden, ist mit seinen 19 Jahren blutjung, unerfahren und wartet bis auf einen Sieg noch auf die ganz großen Erfolge in der Königsklasse.

Doch auf den zweiten und dritten Blick teilen sich die Piloten dann doch einige Gemeinsamkeiten. Beide zählen zu den polarisierendsten Personen, die durch das Fahrerlager marschieren. Beide sind hochtalentiert. Und: Beide werden in dieser Saison vom Pech verfolgt.

Letzteres durfte man am Sonntag in Spa erneut feststellen. Alonso parkte seinen McLaren-Honda in Runde 25 in der Garage, Verstappen schied bereits im achten Umlauf wegen eines defekten Zylinders aus. Vor den Augen der zigtausenden niederländischen Fans - und zum bereits sechsten Mal in dieser Saison. Bei zwölf Rennen macht das eine Ausfallquote von 50 Prozent, böser erwischte es da nur ebenjenen Alonso, der sieben Mal die Zielflagge verpasste.

"Es ist einfach demotivierend. Du arbeitest das ganze Wochenende hart, hast ein tolles Qualifying und freust dich auf das Rennen und dann fällst du nach acht Runden aus. Es ist ein sehr hartes Jahr", klagte Verstappen nach dem Belgien-GP. Wie viele Ausfälle er denn noch verkraften würde, fragte Sky daraufhin: "Ich weiß es nicht, aber nicht mehr so viele."

Verstappen attackiert Red Bull

Während Teamkollege Daniel Ricciardo zusammen mit Lewis Hamilton und Sebastian Vettel auf dem Podest feiern durfte, stand der ehrgeizige Youngster wieder mit leeren Händen da. Mittlerweile liegt er mit mageren 67 Zählern weit abgeschlagen auf dem sechsten Weltmeisterschaftsrang. Der Fünftplatzierte Kimi Räikkönen hat bereits 128 Punkte auf seinem Konto, Ricciardo ist mit 132 Zählern noch weiter entfernt. Und das alles in einem Jahr, in dem der Teenager eigentlich um die WM kämpfen wollte.

"Bei einem Topteam dürfen solche Sachen nicht passieren. Am Anfang kann man noch sagen, dass es Pech ist. Aber jetzt ist es kein Pech mehr. Es ist einfach schlecht", attackierte Verstappen nun seinen Arbeitgeber öffentlich.

Red Bull muss sich auf ungemütliche Gespräche mit seinem Fahrer einstellen. Verstappen, der nicht gerade als Meister der Geduld gilt, will ein siegfähiges Auto. Alles andere ist ihm zu wenig. Das weiß auch Motorsportchef Helmut Marko: "Es wird immer schwieriger, ihn zu motivieren. Er weiß, dass wir alles tun. Vom Chassis her passt auch alles, aber es ist keine angenehme Situation."

Doch Verstappen hat ein Problem: Ihm fehlt die Alternative. Ferrari hat die Verträge mit Vettel und Räikkönen erst kürzlich verlängert und auch bei Mercedes sind die Cockpits für die nächste Saison an Hamilton und wahrscheinlich Valtteri Bottas vergeben. Entsprechend glaubt Marko auch nicht an einen baldigen Abgang seines Schützlings. Verstappen habe "erstens Vertrag, zweitens ist Ferrari voll, drittens ist Mercedes voll. Wir sind das Beste, was übrig bleibt".

Alonsos Alternativen sind begrenzt

Ganz ähnlich sieht es beim wohl nicht weniger unglücklichen Alonso aus. 2015 mit großen Ambitionen zu McLaren gewechselt, vertreibt sich der Asturier seine Zeit mittlerweile eher mit Fluchen und Galgenhumor als mit Champagnerduschen und Pokale sammeln.

Nachdem ihn die Gegner in Spa reihenweise auf der Kemmel-Gerade überholten (oder besser gesagt: mühelos an ihm vorbeifuhren), betitelte er die Performance seines Autos als "wirklich peinlich". Abstände und Zeiten, die ihm sein Renningenieur Mark Temple per Funk durchsagte, interessierten Alonso gar nicht erst.

Doch wie in der Causa Verstappen sind auch Alonso die Hände gebunden. Beendet er nach der Saison nicht seine Formel-1-Karriere, ist die Qual der Wahl nur im niederen Segment vorhanden. Die Türen bei den Topteams sind verschlossen und sein jetziger Rennstall ist auf gewaltige Fortschritte von Motorenpartner Honda angewiesen. Ob die Japaner den Rückstand auf Ferrari und Mercedes aber in ein paar Monaten egalisieren, scheint mehr als fraglich.

"60 Prozent der Angebote abgelehnt"

Also spekuliert die Auto Bild Motorsport über einen möglichen Deal mit Williams. Doch würde dieser Wechsel Sinn machen? Zwar fährt das Privatteam mit Mercedes-Antrieben, hat aber nur ein Chassis der Güteklasse B. Ein großer Fortschritt sieht anders aus.

Renault wäre die nächste Alternative, bis die Franzosen aber ein Weltmeister-Auto gebaut haben, dürften auch noch ein paar Jährchen vergehen.

"Natürlich hatte ich einige Angebote - im Juni, im Juli, im August", verriet Alonso am Ende der Sommerpause: "60 Prozent habe ich schon abgelehnt, 40 Prozent liegen noch auf dem Tisch." Er würde gerne für McLaren weiterfahren, möchte aber "abwarten, was in den nächsten Wochen passiert". Ein klares Bekenntnis sieht anders aus.

Die Silly Season wird die Formel 1 somit noch weiter beschäftigen. Alonso sitzt dabei mitten auf dem Fahrerkarussell, das die besten Plätze aber schon belegt hat, während Verstappen den Sprung auf das drehende Pilotenkreisel gar nicht erst gemacht hat.

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