Bahrain-GP: Analyse zum Rennen in Sakhir

Hamilton siegt - Räikkönen klaut Platz 2

Sonntag, 19.04.2015 | 19:00 Uhr
Lewis Hamilton gewann in Sakhir sein drittes Rennen in der Formel-1-Saison 2015
© getty
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In einem dramatischen Finish hat Nico Rosberg beim Großen Preis von Bahrain den zweiten Platz verspielt. Bei der souveränen Siegfahrt von Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton patzte der deutsche Mercedes-Pilot zwei Runden vor der Zieldurchfahrt. Der Nutznießer: Kimi Räikkönen.

Der finnische Ferrari-Pilot überholte Rosberg bei dessen 100. Start für Mercedes und sicherte anschließend Platz zwei. Auf dem 5,142 Kilometer langen Bahrain International Circuit holte er dank einer alternierenden Strategie mit den weichen Slicks im letzten Stint eine riesige Lücke auf und beendete das Rennen nach 57 Runden mit nur 3,3 Sekunden Rückstand auf Hamilton, der jetzt drei von vier WM-Läufe gewonnen hat.

Das gesamte Ergebnis im Überblick

Sebastian Vettel jagte den Großteil des Rennens die Silberpfeile und kam zweimal beim Boxenstopp an Rosberg vorbei, hatte aber zweimal in der Zielkurve Probleme. Beim zweiten Ausflug schlüpfte nicht nur der Silberpfeil vorbei, der Ferrari-Frontflügel wurde beschädigt. Vettel musste ein dritten Mal zum Boxenstopp, kam hinter Valtteri Bottas raus und bis zum Ziel nicht am Williams vorbei.

Daniel Ricciardo beendete das Rennen gerade noch als Sechster. Der Renault-Motor seines Red Bull gab bei der Zieldurchfahrt allerdings den Geist auf. Hinter dem Australier komplettierten Romain Grosjean (Lotus), Sergio Perez (Force India), Daniil Kvyat (Red Bull) und Felipe Massa (Williams) die Punkteränge. Nico Hülkenberg fiel von Startplatz 8 auf Rang 13 zurück.

Reaktionen:

Lewis Hamilton: (Mercedes): "Ferrari hat uns ganz schön unter Druck gesetzt, aber wir haben es geschafft. Die Bremsen wurden zu heiß - vor allem bei Überrundungen, weil es dann keine kühlende Frischluft gibt. Es hat aber funktioniert."

Kimi Räikkönen (Ferrari): "Natürlich ist man nie glücklich, wenn man Zweiter wird. Nach dem Start ins Jahr bin ich glücklich, dass Zählbares herausgesprungen ist. Wir sollten in Anbetracht dessen, wo wir gestartet und angekommen sind, glücklich sein."

Nico Rosberg (Mercedes): "Es war ein spannendes Rennen. Nach dem Start war ich zunächst enttäuscht, dann beide Ferrari zu überholen, war cool. Kimi ist sicher stark gewesen, aber es war enttäuschend: Die Bremsen sind durch gewesen."

Sebastian Vettel (Ferrari): "Es kam heute das eine zum anderen. Der Speed war grundsätzlich da. Es war wichtig, freie Fahrt zu haben. Wir haben aber immer irgendwie im Verkehr gesteckt. Leider ist es manchmal so. Ich habe es heute vielleicht manchmal übertrieben."

Spielfilm:

Vor dem Start: McLaren hat die Honda-Antriebseinheit nach dem verpatzten Qualifying nicht rechtzeitig in Jenson Buttons Auto bekommen. Der Weltmeister startet nicht. Probleme bei Williams: Massa kommt beim Vorstart nicht weg und muss aus der Box starten.

Carlos Sainz jr. kassiert eine Fünf-Sekunden-Strafe, weil er die Maximalzeit für die Fahrt in die Startaufstellung überschritten hat, Maldonado weil er knapp neben seinem Startplatz stand.

RE-LIVE: Das ganze Rennen im Ticker

Start: Vettel bremst beim Start Rosberg aus, was Räikkönen nutzt: Er geht am Silberpfeil vorbei und übernimmt den dritten Platz.

Runde 4: Rosberg rehabilitiert sich. Er setzt sich mit DRS-Unterstützung auf der Zielgerade neben Räikkönen, blockiert ein wenig das Rad, ist aber vorn. Der Konter vor Turn 4 scheitert.

Runde 6: Ein kleiner Verbremser von Vettel vor Turn 1 bringt Rosberg in Schlagdistanz. Eine Runde später setzt er sich wie bei Räikkönen daneben, drängt Vettel etwas nach außen und lässt ihm keine Chance. Doppelführung für die Silberpfeile!

Runde 13: Vettel stoppt und setzt damit Mercedes unter Druck. Rosberg kommt einen Umlauf später rein, um den erfolgreichen Undercut zu verhindern. Es reicht aber nicht. Vettel ist wieder Zweiter!

Runde 16: Räikkönen übernimmt die Führung, weil Hamilton stoppt. Die Überraschung: Er kommt nur knapp vor Rosberg und Hamilton wieder raus. Im Kampf der Deutschen setzt sich Rosberg zum zweiten Mal durch: Er bremst sich wieder vor Turn 1 an Vettel vorbei, der die Innenbahn offen lässt.

Runde 17: Zwei Runden nach Hamilton fährt auch Räikkönen zum Reifenwechsel rein. Er bekommt als einziger der vier Führungsgruppe die härteren Medium-Slicks für den Mittelstint.

Runde 27: Vettel in dieser Runde mal kurz neben der Strecke, schon ist Rosberg weg und Räikkönen nur mehr sechs Sekunden hinter ihm.

Runde 31: Für Sainz ist das Rennen vorbei. Der Spanier stellt seinen Toro Rosso im zweiten Sektor ab, weil sich am Rad etwas komisch anfühlte. Er war kurz zuvor an der Box. Da war das Rad wohl nicht wirklich fest.

Runde 32: Vettel kommt zum zweiten Stopp und holt sich die überraschend schnelleren Mediums, während Räikkönen informiert wird, dass die soften Slicks in den ersten Runden seines Stints schneller sein sollen. Mercedes reagiert dieses Mal nicht mit einem Stopp von Rosberg, sondern holt Hamilton rein. Rosberg führt, kommt aber selbst eine Runde später rein - und wieder hinter Vettel raus. Räikkönen fährt an der Spitze.

Runde 36: Wieder ein Fehler von Vettel in der Zielkurve! So hat er vorhin schon den Platz an Rosberg verloren. Und auch jetzt kann Rosberg gemütlich vorbeifahren, während Vettel den Umweg neben der Strecke nimmt und reichlich Staub aufwirbelt. Noch schlimmer: Der Ferrari-Frontflügel ist beschädigt. Vettel muss zum Boxenstopp rein und fällt hinter Bottas aus Rang 5 zurück.

Runde 37: Zweiter Ausfall des Tages und wieder ist es ein Toro Rosso. Verstappen hat es wenigstens zurück an die Box geschafft, aber da wird gar nicht mehr versucht, den Boliden wieder flott zu bekommen.

Runde 40: Räikkönens Reifen sind durch. Hamilton überholt ihn, danach kommt der Iceman an die Box und verlässt sie auf weichen Slicks wieder.

Runde 43: Maldonado parkt an der Box, der Mercedes-Motor ist hinüber. Der Lotus-Pilot verliert bei der Anfahrt fast die Kontrolle über den Lotus, weil die Räder auf der Hinterachse blockieren.

Runde 44: Räikkönen fliegt! Er ist zwei Sekunden pro Runde schneller als die Silberpfeile. Allerdings beunruhigt das Hamilton und Rosberg überhaupt nicht, denn es sind noch 14 Sekunden und gleich beginnen die weiche Reifen abzubauen.

Runde 54: Schreckmoment auf der Zielgeraden! Vettel müht sich hinter Bottas ab, kann aber kein Überholmanöver answetzen. Vor Turn 1 will er sich innen danebenbremsen, zieht aber wieder hinter den Williams, hat viel mehr Tempo drauf und weicht nach außen aus. Das wäre beinahe ein Auffahrunfall geworden!

Runde 56: Das darf nicht wahr sein! Rosberg verbremst sich und Räikkönen kommt vor der letzten Runde ohne DRS vorbei. Platz zwei für den Iceman!

Ziel: Überlegener Sieg für Lewis Hamilton, der nun elf Mal in Folge das Rennen entweder als Erster oder Zweiter beendet hat. Zweiter wird Kimi Räikkönen, der mit einer ziemlich coolen Taktik Nico Rosberg den Zahn zieht und erstmals seit 2013 wieder auf dem Podium steht.

Mann des Rennens: Kimi Räikkönen präsentierte sich in bester Verfassung: Der Finne nutzte zum zweiten Mal in Folge die Startphase optimal. Auch wenn er anschließend nicht mehr mitkam, nutzte er Ferraris alternierende Strategie und setzte den Deutschen am Ende unter Druck. Platz 2 war ein verdienter Erfolg und sein erster Besuch auf dem Podium seit dem Korea-GP 2013. Zusätzlich gab es die schnellste Rennrunde - zum 41. Mal in seiner Karriere, nur Michael Schumacher gelang das noch öfter.

Flop des Rennens: Toro Rosso war an diesem Wochenende etwas überfordert. Sainz beendete das Rennen mit einem lockeren Rad freiwillig, Max Verstappen schloss sich fünf Runden später an und fuhr in die Box. Es war der erste Komplettausfall des Red-Bull-Juniorteams seit dem Heimspiel in Österreich im vergangenen Jahr.

Das fiel auf:

  • Ferrari zog alle Register, um Mercedes in einen Fehler zu zwingen: Vettel stoppte früher, um mit einem Undercut an Rosberg vorbeizugehen. Räikkönen dagegen durfte länger draußen bleiben und im zweiten Stint auf den Mediums fahren. Sein Angriff sollte am Ende des Rennens folgen.
  • Die Überraschung: Mit dem harten Slick war Räikkönen nicht langsamer sondern schneller als die drei Fahrer vor ihm. Ferrari war dennoch überzeugt, dass der softe Slick für den letzten Stint die bessere Variante ist. So sollte der Iceman in den ersten Runden nach dem Wechsel Druck machen. Das klappte auch. Die Lücke verringerte sich teils um zwei Sekunden pro Runde.
  • Rosberg wurde mehrmals von seinen Ingenieuren gewarnt: Er sollte seine Bremsen schonen und Benzin sparen. Es gelang ihm offenbar nicht. Der entscheidende Verbremser und der Platzverlust resultierten auf verringerter Bremsleistung.
  • Vettel kam nach seinem ungeplanten Frontflügeltausch nicht an Bottas vorbei. Warum? Die Williams fuhren in Bahrain kaum Heckflügel und waren deshalb auf der Geraden pfeilschnell und für den Ferrari nicht abzufangen.
  • Weiter hinten ebenfalls ein Strategiethriller: Weil Hülkenberg zwischenzeitlich Nasr, Massa und Maldonado blockierte, holten die Teams die Verfolger früher zum Stopp. Das zwang auch Force India zur Reaktion: Umstellung auf eine Dreistoppstrategie. Allerdings ging der Plan nicht auf. Selbst Teamkollege Perez kam locker in die Punkte.

Der Formel-1-Kalender 2015 im Überblick

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