Abu-Dhabi-GP: Analyse zum Rennen auf Yas Island

Lewis Hamilton ist Doppelweltmeister

Sonntag, 23.11.2014 | 15:49 Uhr
Lewis Hamilton ist mit Mercerdes Formel-1-Weltmeister 2014 geworden
© getty
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Lewis Hamilton hat in Abu Dhabi seine zweite Weltmeisterschaft in der Formel 1 eingefahren. Der Mercedes-Pilot gewann auf dem Yas Marina Circuit das Saisonfinale vor den Williams-Piloten Felipe Massa und Valtteri Bottas, während sein Teamkollege Nico Rosberg von technischen Problemen gebeutelt wurde.

Rosberg kämpfte ab der Mitte des Rennens mit dem Energierückgewinnungssystem. Letzlich verabschiedete sich die Zusatzenergie komplett, der gebürtige Wiesbadener versucht verzweifelt, nur mit dem Verbrennungsmotor mit der Konkurrenz mitzuhalten.

Am Ende fuhr der neue Vizeweltmeister aus Deutschland als 14. über die Linie. Langsamer waren nur die Sauber von Esteban Gutierrez und Adrian Sutil sowie der Caterham von Will Stevens.

Daniel Ricciardo verpasste für Red Bull nach der Disqualifikation am Samstag das Podium knapp und wurde Vierter vor Jenson Button und den Force India von Nico Hüllenberg und Sergio Perez. Sebastian Vettel beendete sein letzten Rennen für Red Bull auf Rang 8 vor den Ferrari-Piloten Fernando Alonso und Kimi Räikkönen.

Das gesamte Ergebnis im Überblick

Reaktionen:

Lewis Hamilton (Formel-1-Weltmeister 2014, Mercedes): "Keine Ahnung, was jetzt passiert. Das ist der großartigste Tag meines Lebens - wegen der Leute um mich herum. 2008 war besonders, aber das Gefühl, das ich jetzt habe, geht weit darüber hinaus. Das ist das beste Gefühl, dass ich jemals hatte. Vielen Dank an alle!"

Nico Rosberg (Formel-1-Vizeweltmeister 2014, Mercedes): "Es war vom Start weg schwer. Ich konnte nichts mehr kontrollieren, da ist ein bisschen viel schiefgegangen. Lewis ist auf einem phänomenalen Level gefahren und deshalb hat er es auch verdient. Ich schaue schon wieder nach vorne, ich muss mich nächstes Jahr im Rennen steigern. Hier waren viele britische Fans - ihren Respekt und ihre Unterstützung zu bekommen, war super."

Toto Wolff (Mercedes-Motorsportchef): "Nico hat richtige Größe gezeigt. Er ist ein richtiger Sportsmann. Sie haben sich das ganze Jahr nichts geschenkt. Für uns ist es großartig, zwei solche Persönlichkeiten zu haben."

Niki Lauda (Mercedes-Aufsichtsratschef): "Heuer war Lewis mit elf Siegen der Beste. Trotzdem hat Nico für mich genauso eine weltmeisterliche Leistung gebracht. Wir sind ein super Team und deshalb kommen wir zum Erfolg. Es können nicht beide Weltmeister werden."

Felipe Massa (Williams): "Lewis, fantastische Leistung. Du verdienst es. Für uns lief das Rennen sehr gut. Ich hatte nicht erwartet, dass wir diese Pace haben. Wir haben es mit den Optionsreifen am Ende versucht, aber leider war Lewis ein bisschen zu weit weg. Wir waren nah dran. Ich dachte, ich gewinne, aber die Reifen haben abgebaut."

Valtteri Bottas (Williams): "Es war ein fantastisches Jahr, wir verbessern uns und werden noch stärker. Dieses Finalrennen zeigt, wohin es geht. Ich bin sehr dankbar, dass ich Teil dieses Teams sein und das Auto fahren darf."

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Start: Vettel wurde vor seinem letzten Red-Bull-Rennen wie Ricciardo die Quali-Zeit gestrichen, beide starten aus der Box. Romain Grosjean bekommt für einen zusätzlichen Motor eine Strafversetzung um 20 Plätze - weil er die nicht komplett antreten kann, muss er noch zur Drive-Thorugh-Strafe an die Box.

RE-LIVE: Das ganze Rennen im Ticker

Start: Traumstart von Hamilton! Er lässt Rosberg einfach stehen, bei dem die Drehzahl einfach nicht steigt. Dadurch hat der Deutsche genug damit zu tun, Massa hinter sich zu halten. Auch Bottas kommt ganz schlecht weg und fällt auf Rang 8 zurück. Magnussen berührt Hülkenberg und kommt dann Sutil nahe, alle können aber weiterfahren.

Runde 3: Läuft blendend für Hamilton, er fährt vorne weg und setzt auch gleich die schnellste Rundenzeit. DRS ist freigegeben, aber Rosberg ist schon aus dem Fenster.

Runde 5: Alonso holt sich mit DRS Platz 5 vom Teamkollegen, Kwjat nutzt die Gunst der Stunde und geht auch gleich am Finnen vorbei. Derweil fährt Alonso als Erster zum Reifenwechsel.

Runde 11: Hamilton kommt zum Reifenwechsel, Rosberg erbt die Führung vor den beiden Williams. Bottas biegt allerdings auch in die Boxengasse ab. Eine Runde später fährt auch der Deutsche rein, Massa liegt zwei Runden lang vorne und übergibt dann wieder an Hamilton.

Runde 15: Hülkenberg stoppt ebenfalls. Er muss aber fünf Sekunden länger warten, weil die Stewards ihn für den Startkampf mit Magnussen bestraft haben. "Forcing a driver off track" lautet die höchst streitbare Begründung.

Runde 16: Daniil Kvyat steht in einer Auslaufzone kurz vor dem Ziel. Der Motor scheint den Geist aufgegeben zu haben.

Runde 18: Richtig spannend ist es beim Kampf um Rang 6. Vettel hängt da immer noch hinter Magnussen und hat Button und Alonso im Heck.

Runde 21: Magnussen und Vettel kommen an die Box, der Däne bleibt vorne. Magnussen absolviert jetzt seinen Stint mit den Options, Vettel wird diese dann zum Schluss einsetzen.

Runde 24: Bottas ist jetzt endlich an Ricciardo vorbei, der immer noch auf dem ersten Reifensatz unterwegs ist und erst vier Runden danach stoppt.

Runde 25: In diesem Moment verabschiedet sich der Motor von Nico Rosberg! Das Hybridsystem ist schuld. Weil damit die Bremsen verbunden sind, hatte der Deutsche zudem einen Ausrutscher. Und: Er hat damit 160 PS weniger und Massa fliegt heran.

Runde 27: Rosberg teilt seiner Box mit, dass da wohl noch mehr als nur ERS kaputt ist. Massa geht mühelos vorbei und die Williams-Box jubelt.

Runde 28: Apropos Motorenprobleme: Das Heck von Maldonados Lotus geht in Flammen auf. Der Venezolaner ist schon in Sicherheit und die Streckenposten mit Feuerlöschern zur Stelle. Die Mechaniker jubeln. Im nächsten Jahr gibt's Mercedes-Motoren.

Runde 32: Zweiter Stopp von Hamilton, er bleibt natürlich bei den weichen Reifen. Er kommt direkt hinter Rosberg auf die Strecke zurück, der ihn fair durchlässt. Auch Bottas geht vorbei. Drei Runden später kommt der Deutsche noch mal an die Box.

Runde 38: Vettel überholt Rosberg, für diesen sieht es jetzt auch in Sachen Minimalziel Platz 5 schon sehr schlecht aus.

Runde 42: Auch Button passiert Rosberg mühelos und schon ist der Deutsche nur mehr Achter. Er schlingert abseits der Strecke herum, gleich laufen Alonso und Co. auf ihn auf.

Runde 44: Massa holt sich jetzt die superweichen Reifen für zehn Runden Vollgasparty! Elf Sekunden fehlen ihm auf Hamilton.

Runde 46: Der nächste Ausfall, Kobayashi muss in der Box aufgeben.

Runde 53: Rosberg wird noch langsamer, jetzt fliegt er auch noch ganz aus den Punkten.

Runde 54: Die Box will Rosberg reinholen, der teilt kurz und knapp mit, dass er das Rennen zu Ende fahren will. Sportsmann!

Ziel: Lewis Hamilton gewinnt den Großen Preis von Abu Dhabi und die Formel-1-WM 2014! Neben ihm auf dem Podium stehen Massa und Bottas.

Mann des Rennens: Lewis Hamilton hat es geschafft. Er ist der erste britische Mehrfachweltmeister seit Jackie Stewart anno 1973, der erste Silberpfeil-Champ seit Juan-Manuel Fangio 1955 und der erste Nicht-Deutsche, der mehr als zehn Siege in einer Saison feierte. Der Triumph von Abu Dhabi als Belohnung einer starken Saison mit einem fehlerfreien Rennen. Imponierend, wie unbeeindruckt sich Hamilton ob der ständigen Sticheleien seines Teamkollegen präsentierte.

Flop des Rennens: Die Technik von Mercedes. Unbedingt sollte die WM nur durch die Fahrer entschieden werden. Warum die Drehzahl bei Rosberg am Start nicht hoch ging, muss geklärt werden. Doch anschließend streikte der W05 komplett. Ganz bitter aus Sicht des Deutschen.

Manöver des Rennens: Daniel Ricciardo flog in Runde 5 plötzlich. Mehrere Runden hing er hinter Sutil fest, dann schmiss er den Anker. Statt nur den Sauber auf der Bremse zu überholen, schnappte er sich gleich noch Kobayashi mit.

Das fiel auf:

  • Von wegen Tricks, von wegen Bremsklotz! Hamilton entschied schon beim Start den Showdown für sich und machte alle Psychotricks von Rosberg zur Lachnummer. Der Deutsche hätte sich wohl ein wenig mehr Druck für sein Gaspedal aufsparen sollen.
  • Letztlich machte die Technik alle Hoffnungen auf einen deutschen Triumph zunichte. Ohne das Hybridsystem hatte Rosberg 160 PS weniger und beschränkte sich darauf, Platz 5 einzufahren. Der hätte zum Titel gereicht, wenn Hamilton ausgefallen wäre.
  • Mercedes reagierte auf die Vorfälle und bremste auch Hamilton ein. Technische Probleme sollten schon im Vorfeld unbedingt bei beiden Autos verhindert werden. Da es nicht klappte, sollte zumindest der Weltmeister problemlos über die Linie gebracht werden. Erst als Massa in den letzten Runden näher kam, gab der Engländer wieder Vollgas.
  • Ohne Bremsklotz an der Spitze fiel auch Massa wie erwartet schnell zurück. Der Williams konnte zwar auf der Geraden locker mit den Werks-Mercedes mithalten, in den Kurven verlor er aber zu viel Zeit. Allerdings machte sich das Setup wieder bemerkbar: Wie schon am Samstag wurde der Williams umso schneller, je stärker die Strecke abkühlte.
  • Red Bull schickte Ricciardo und Vettel mit einer gut ausgearbeiteten Strategie auf die Strecke. Mit den härteren Reifen aus der Box gestartet, spülten die ersten Stopps der Top-10-Piloten die Bullen direkt nach vorne. Hinten hielten Kobayashi, Stevens und Co. derweil die Fahrer auf den weichen Reifen auf.

Endstand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM 2014

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