Sonntag, 25.07.2010

Reaktionen auf die Ferrari-Stallorder

"Ferrari sollte sich schämen!"

Ferrari hat beim Deutschland-GP in Hockenheim gleichzeitig einen Doppelsieg gefeiert und für einen Eklat gesorgt. Die Stallorder zu Gunsten von Fernando Alonso erhitzte die Gemüter. Beteiligte, Experten und mySPOX-User haben völlig unterschiedliche und teilweise drastische Sichtweisen. Auch SPOX sagt seine Meinung.

Fernando Alonso und Felipe Massa redeten nach dem Rennen kein Wort miteinander
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Fernando Alonso und Felipe Massa redeten nach dem Rennen kein Wort miteinander

Es war die 49. Runde des Deutschland-GP, die Ferrari zum Verhängnis wurde. Die aus einem überschwänglich gefeierten Doppelsieg - ja, vielleicht sogar der Wiedergeburt der Scuderia - den nächsten Skandal der laufenden Formel-1-Saison machte.

Felipe Massa hatte nach einem eindeutigen Funkspruch Teamkollege Fernando Alonso vorbei gelassen. Die Rennkommissare werteten dieses Manöver als Stallorder und belegten die Scuderia mit einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Dollar - die härteste Strafe, die die Verantwortlichen an der Strecke direkt nach dem Rennen aussprechen können.

Rennanalyse: Ferrari-Geldstrafe nach Doppelsieg

Außerdem wurde der Fall zur weiteren Untersuchung an das World Motor Sport Council übergeben. Bis zu einer Entscheidung des Gremiums (diese kann sich bis September hinziehen) darf sich Ferrari aber weiter über den Doppelsieg freuen. Ganz zum Ärger vieler Beteiligter, Fans und Experten. SPOX fasst die Reaktionen zusammen.

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Das sagen die Beteiligten

Stefano Domenicali (Ferrari-Teamchef): "Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass solche Situationen oftmals nicht zu dem Ergebnis führen, das im besten Interesse des Teams ist. Also haben wir Felipe informiert. Wir überließen es den Fahrern, das zu verstehen und sicherzustellen, dass das für das Team beste Ergebnis herauskommt. Im Interesse des Sports werden wir gegen die Entscheidung der Stewards keine Berufung einlegen. Wir sind zuversichtlich, dass das World Motor Sport Council weiß, wie es die Fakten richtig bewertet und entsprechend entscheidet."

Fernando Alonso: "Ich bin mir sicher, dass Felipe zu allererst an das Wohl des Teams gedacht hat. Es war sinnlos, an dieser Stelle zu kämpfen und ein Risiko einzugehen."

Felipe Massa: "Ich will immer gewinnen. Deshalb kann ich mit dem zweiten Platz natürlich nicht zufrieden sein. Aber wir Fahrer müssen auch immer daran denken, was für das Team am besten ist - und das habe ich heute wieder einmal getan. Das hatte nichts mit Teamorder zu tun. Mein Ingenieur hat mich über die Situation informiert - und ich habe anschließend entschieden, dass es so am Besten für das Team ist."

Christian Horner (Teamchef Red Bull): "Das verstößt gegen das Reglement. Das ist falsch für die Formel 1. Wir haben das schon 2002 bei Michael Schumacher und Ferrari in Österreich gesehen - und wir haben eine Regel, um das zu verhindern. Die Fahrer sollen gegeneinander fahren. Es ist enttäuschend für die Fans, weil sie das Duell nicht bekommen. Es ist eine Schande, dass ein Rennen derart manipuliert wird."

LIVE-TICKER: Das Rennen in Hockenheim zum Nachlesen

Helmut Marko (Motorsportbeauftragter Red Bull): "Offensichtlicher kann man eine Teamorder nicht vorführen, wie das Ferrari hier gemacht hat. In einer derartig plumpen Form zu demonstrieren, dass ein Fahrer den anderen vorlassen muss, habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Das muss drastische Konsequenzen haben."

Norbert Haug (Motorsportchef Mercedes): "Wir müssen bei so etwas an die Zuschauer denken. Die wollen Fights auf der Strecke sehen und nicht solche Aktionen. Jedes Team hat offensichtlich eine eigene Einstellung zum Thema Stallorder. Und solange das Reglement keine eindeutigen Regelungen für solche Fälle vorsieht, muss man das wohl akzeptieren. Uns hat Alonso nie unter Druck gesetzt. Bei uns wackelt der Hund mit dem Schwanz und nicht der Schwanz mit dem Hund."

Michael Schumacher (Mercedes): "Ich kann es zu 100 Prozent nachvollziehen. Ich hatte in der Vergangenheit meine Mühe, Verständnis dafür aufbringen, dass man sich von außen darüber pikiert hat. Es geht um die Weltmeisterschaft. Dafür arbeitet man extrem hart. Wenn man am Ende des Jahres die Meisterschaft auf Grund des einen oder anderen verlorenen Punktes verfehlt, den man hätte holen können, dann wird man sich fragen: War das richtig?"

Jenson Button: "Ich habe das Überholmanöver gegen Felipe nicht gesehen, aber es muss toll gewesen sein. Ein Überholmanöver an der Spitze ist immer aufregend (lacht)."

Das sagen die Experten

Niki Lauda (Ex-Weltmeister und RTL-Experte): "Das ist das Unglaublichste, was jemals in der Formel 1 passiert ist. Der Schaden, den der Sport hier erlitten hat, ist erstmal nicht mehr gutzumachen. Fernando hat Blödsinn erzählt. Warum Fernando das derart blöd verkauft, ist mir ein Rätsel. Ich habe noch nie im Leben jemanden solchen Scheiß reden hören. Der hat ja keinen Charakter, dieser Alonso."

Marc Surer (Sky-Formel-1-Experte): "Jetzt hat Ferrari einen Doppelsieg herausgefahren und macht ihn mit ihrer Teamorder selbst kaputt. Denn das ist Teamorder, wenn ein Fahrer etwas machen muss. Dass man Platz macht, wenn der Teamkollege schneller ist, mit einer anderen Strategie fährt, andere Reifen hat, das ist Teamtaktik, aber wenn man einem sagt, dass er Platz machen muss, was heute indirekt geschehen ist, dann ist das schon hart."

Eddie Jordan (Ex-Teamchef und BBC-Experte): "Sie haben uns die Chance auf ein Rad-an-Rad-Duell der beiden Fahrer gestohlen. Ferrari sollte sich schämen! Es war ganz klar eine Stallorder. Ich halte das für Betrug. Beide Autos sollten disqualifiziert werden."

Martin Brundle (ehemaliger Fahrer und BBC-Experte): "Wäre ich Teamchef, hätte ich es genauso gemacht. In Österreich 2002 wäre es nicht nötig gewesen, denn Schumacher lag in der WM meilenweit voraus. Heute war es nötig. Ferrari hatte ein paar schwierige Rennen - jetzt müssen sie Alonso wieder ins Spiel bringen."

Alexander Wurz (ehemaliger Fahrer gegenüber motorsport-total.com): "Das Regelwerk wurde hier nicht berücksichtigt, denn es war eine offensichtliche Teamorder. Und Teamorder ist verboten. Ich bin nicht glücklich mit dieser Situation. Ich finde es aber gut, dass die Medien hier im Fahrerlager der Formel 1 die Polizei sind."

Gridgirls: Die Schönheiten Hockenheims
Die schönsten Gridgirls vom Deutschland-GP in Hockenheim
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Das sagt SPOX

Ja, es war Stallorder, was Ferrari da gemacht hat. Und die ist verboten. Und das ist vollkommen richtig so. Denn die Fans wurden eines tollen Duells auf der Strecke beraubt, dem Sport erheblicher Schaden zugefügt. Deshalb muss Ferrari bestraft werden.

Allerdings muss man fairer Weise sagen, dass wohl die meisten Teams in dieser Situation ähnliche Gedanken gehabt hätten - schließlich ist es im Sinne einer jeden Teamstrategie, einen Konflikt zwischen den Fahrern zu vermeiden, der das Team wichtige Punkte kosten könnte. Der entscheidende Unterschied besteht nun zwischen Teamstrategie und Teamorder. Nur, dass das Reglement diesen eben sehr schwammig formuliert.

FIA-Weltrat: Diese Männer entscheiden über Ferraris Schicksal

Hätte Massa zum Beispiel über Funk gesagt bekommen: "Alonso ist schneller, er wird dich bald angreifen. Seht zu, dass ihr eine Kollision vermeidet", dann hätte niemand etwas gesagt. Massa hätte vor der Haarnadel die Tür offen gelassen und nichts wäre passiert. So wie es McLaren zum Beispiel in der Türkei mit Button gemacht hat, als man ihn anwies, Benzin zu sparen, damit er Hamilton nicht weiter angreift.

Ähnlich dezent hatte es mit Sicherheit auch Ferrari geplant. Doch da wollten weder Massa noch dessen Renningenieur Rob Smedley mitspielen. Sie entschieden sich zu schmollen und ihr Team vorzuführen. Das kann man nun für gerechtfertigt oder unprofessionell halten, es könnte aber alle Beteiligten teuer zu stehen kommen. Nämlich dann, wenn das World Council eine drakonische Strafe (wie eine Sperre oder Punktabzug) verhängen sollte. Dann wären Massas Tage bei Ferrari - oder sogar der Formel 1 - höchstwahrscheinlich gezählt.

Promi-Auflauf beim Deutschland-GP
Promi-Auflauf beim Deutschland-GP: Boris Becker und Lilly Kerssenberg lassen sich das Rennen in Hockenheim natürlich nicht entgehen
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Dicht gefolgt von Skirennläuferin Maria Riesch
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Unterstützung bekommt sie dabei von Box-Kollege Jürgen Brähmer
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Zusammen mit Arthur Abraham erkundet Kentikian dann die Boxengasse
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Und dann: das Rennen. Mit der Vorentscheidung beim Start. Gleich beide Ferrari gehen an Sebastian Vettel vorbei
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Der Red-Bull-Pilot versucht noch, Alonso hinter sich zu halten - muss sich dann aber mit Rang drei begnügen
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Der Aufreger des Rennens dann in Runde 50: Kurz nach dieser Aufnahme lässt Massa Teamkollege Alonso durch
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Ergebnis: Fernando Alonso gewinnt das Rennen
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Und er weiß ganz genau, bei wem er sich zu bedanken hat
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Alonso freut sich riesig über seinen Sieg. Hier nimmt er die Glückwünsche von Vettel entgegen
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Ganz anders die Gemütslage bei Massa: Manchmal sagen Blicke mehr als tausend Worte...
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Das sagt die mySPOX-Community

Maulwurfen: "Das ist ja wie ein Freifahrtsschein für die Stallorder"

evibenstein via Twitter: "Wenn Ferrari die Regeln gebrochen hat - wie kann dann das Ergebnis bestehen bleiben? Das ist wie für einen Einbruch verurteilt zu werden und das Diebesgut behalten zu dürfen."

BomcHickawaHwaa: "Ich bin schon seit langen Jahren Ferrari-Fan - aber das, was sie heute abgezogen haben, war richtig scheiße. Vor allem tut mir Felipe leid, der heute ein absolut super Rennen gefahren ist. Wenn sie die Stallorder wenigstens nicht so offensichtlich durchgeführt hätten. Da sich das Rennergebnis jetzt nicht so sonderlich stark verändert hat, denke ich aber, dass es bei der Geldstrafe für Ferrari bleibt."

DajeRoma: "Weint nicht rum! Schumi ist durch solche Geschichten Weltmeister geworden, und andere Fahrer auch. Massa hat nicht das fahrerische Können, um Weltmeister zu werden. Darum soll er gefälligst alles für sein Team tun. Dafür bekommt er nämlich seine Millionen."

xtremer: "Pfui Ferrari. Das war klare Stallorder und die ganze Welt hat es vernommen. Auch wenn Alonso schneller war: Er muss sich auf faire Weise am Teamkollegen vorbeiarbeiten - und nicht so eine Kinderkacke abziehen und auch noch beleidigt sein, wenn ihn Massa nicht mit Verbeugung höflich vorbeiwinkt. Wer gewinnen will, soll sich den Sieg erkämpfen - und nicht geschenkt bekommen. Schade, dass so etwas nicht rigoros bestraft wird. 100.000 Dollar sind ein Witz. Ferrari lacht sich schlapp darüber. Das ist kein Sport, das ist ein Witz und eine Verarschung der zahlenden Fans."

Riberoni83: "Da wird jemandem ein Regelverstoß nachgewiesen und zur Belohnung dürfen sie den Sieg behalten und müssen nur eine lächerliche Strafe zahlen! Ich frage mich einfach nur: Warum Regeln aufstellen, wenn sich kein Schwein dran hält?"

Zarina: "Ferrari und Alonso sind einfach nur peinlich. Wozu gibt es das Reglement, wenn es Alonso nicht interessieren muss?"

Ilcapitano: "Wenn Alonso und Massa gecrasht hätten, dann wäre das Geschrei groß gewesen, dass die zwei Trottel sind. So wie bei Webber vs. Vettel Crash. Was das intelligent aus Eurer Sicht? Und McLaren sagt zu Button: "Du musst Sprit sparen!" Zufällig genau dann, als er Lewis angreifen wollte und sie kurz vor einem Crash waren. Ist das keine Stallorder?"

YM89: "Noch nie habe ich mich nicht über einen Ferrari-Sieg freuen können! Ich glaube, das sagt schon alles. Ich bin stinksauer auf Domenicali. Klar, Fernando liegt viele Punkte vor Felipe, aber Massa hat das Rennen angeführt und wäre auch als Erster ins Ziel gekommen."

fußballexperte: "Das hier ist keine Kirmesfahrt, sondern ein Profigeschäft, in dem es um den Titel geht. Massa hatte das Einsehen zum Wohle des Teams."

fasibelli: "Es kann niemand behaupten, dass andere Teams nicht auch taktisch agieren und gewisse Fahrer bevorzugen. Aber Ferrari hat sich dumm angestellt, das stimmt... Die Frage ist auch, inwiefern Massa und Smedley es genau so aussehen lassen wollten..."

Wegen Stallorder: 100.000 Dollar Geldstrafe für Ferrari

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