Dienstag, 16.03.2010

Formel Langeweile: Jetzt spricht Ecclestone

Entmachtet die Teams!

Die Diskussionen um die fehlende Renn-Action beim Formel-1-Saisonauftakt in Bahrain reißen nicht ab. Am Dienstag soll sich die Teamvereinigung FOTA zu ersten Gesprächen über Sofortmaßnahmen treffen. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone warnt vor Panikmache und gräbt einen kuriosen Verbesserungsvorschlag wieder aus.

Michael Schumacher hatte keine Probleme, Mark Webber und Jenson Button hinter sich zu halten
© Getty
Michael Schumacher hatte keine Probleme, Mark Webber und Jenson Button hinter sich zu halten

Seit zwei Tagen herrscht unter den Fahrern, den Teamchefs und der internationalen Presse ein Jammern und Wehklagen über die gähnende Langeweile beim Formel-1-Auftakt in Bahrain. Die Spitzenfahrer sind der einhelligen Meinung, dass unter den bestehenden Regeln Überholen nahezu unmöglich ist. Ein Alarmsignal für den weiteren Verlauf der Saison.

Egal ob Michael Schumacher, Fernando Alonso, Mark Webber oder Lewis Hamilton. Sie alle zeichnen ein weitgehend düsteres Bild, was die Hoffnung auf spannendere Rennen in der Zukunft angeht.

Ecclestone: "Kein Grund zur Panik"

Gegen diese Sichtweise regt sich aber auch zunehmend Widerstand. Vor allem von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Verständlicher Weise, schließlich ist er der Letzte, dem es recht sein kann, wenn seine Marke Formel 1 an Attraktivität verliert.

Er sagte in einem "Times"-Interview: "Es besteht kein Grund zur Panik, es gibt keine Krise in der Formel 1." Seiner Meinung nach ist es viel zu früh, jetzt schon Entscheidungen übers Knie zu brechen. Von Ideen der FOTA, zwei Pflichtboxenstopps einzuführen oder weichere Reifenmischungen zu fordern, hält er nichts.

Teams sollten nichts zu sagen haben

Grundsätzlich passt es ihm nicht, dass Teams die Regeln des Sports bestimmen. "Ich habe schon mit den Teams gesprochen und versucht, ihnen zu erklären, dass unser Geschäft darin besteht, Rennen zu fahren und die Öffentlichkeit zu unterhalten. Nicht darin, mit Computern zu spielen. Es geht einfach nicht, dass die Teams in irgendeiner Form die sportlichen und technischen Regeln mitbestimmen."

Ecclestone ist schon immer der Meinung, dass die Teams die Regeln immer nur zu ihrem Vorteil verändern wollen und sich nicht für die Show interessieren.

Rennanalyse: Alonso gewinnt - Vettel im Pech

Ecclestone fordert Abkürzungen auf der Strecke

Vielleicht auch deshalb kommt der Formel-1-Boss auch immer mal wieder mit radikalen bis kuriosen eigenen Vorschlägen für Regeländerungen.

Seine jüngste Idee hat er anlässlich des Rennens in Bahrain wieder aus der Schublade gekramt. Ecclestone möchte Abkürzungen auf der Strecke einrichten, die die Fahrer bis zu fünf Mal pro Rennen nutzen können, um langsamere Gegner zu überholen."

Klingt beim ersten Hören ziemlich absurd, aber der F-1-Boss sieht darin große Vorteile: "Es würde verhindern, dass Fahrer hinter anderen feststecken. Es wäre gut für das Fernsehen."

Die besten Bilder vom GP in Bahrain
Vor dem Rennen feierte die Formel 1 ihr 60-jähriges Bestehen. Dabei waren ehemalige Weltmeister wie Jacques Villeneuve oder Damon Hill (v.l.)
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Auch Jackie Stewart war zu Gast. Der präsentierte seinen alten Boliden
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Jacques Villeneuve (l., im Gespräch mit Damon Hill) hatte eigentlich gehofft, selbst in Bahrain zu starten
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Als endlich das Rennen losging, stellte sich heraus, dass Sebastian Vettel ein gutes Paket hatte. Dem Red-Bull-Piloten konnte anfangs keiner die Pole-Position streitig machen
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Weniger gut kam dagegen Mark Webber ins Rollen. Dessen Bolide rauchte heftig, er verlor sofort Plätze - konnte die Probleme aber in den Griff bekommen
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Auch Michael Schumacher wirkte skeptisch. Nicht zu unrecht, wie sich herausstellte: Mercedes konnte mit den Topteams noch nicht mithalten
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Ferrari machte einen starken Eindruck. Als Vettel aufgrund technischer Probleme an Speed verlor, gingen Fernando Alonso und Felipe Massa vorbei und fuhren den Doppelsieg ein
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Zurück in der Boxengasse: Alonso steigt auf seine F10 und lässt sich feiern
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"Auf die Spitze des Podiums zurückzukehren, ist immer etwas Besonderes, aber mit Ferrari ist es noch spezieller", so der Spanier
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Für den Spanier war es der perfekte Einstand bei seinem neuen Team
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Nach einem enttäuschenden Vorjahr bei Renault hatte er sich die selbst verpasste Sektdusche redlich verdient
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Lewis Hamilton war mit seinem dritten Platz zufrieden
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Für Michael Schumacher war Platz sechs das Maximum
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Coulthard greift Mosley hart an

Nun ja, die Idee lassen wir erst einmal so stehen. Ohnehin scheint sie wie die FOTA-Ideen nicht mehr zu sein als Flickschusterei. An der generellen Misere der Show in der Formel 1 wird sich nichts Grundlegendes ändern, solange vor allem im Bereich Aerodynamik nicht drastisch umgedacht wird.

Aber offenbar nicht nur da. Ex-Pilot David Coulthard macht die Gleichmachung vieler Formel-1-Komponenten unter der Ägide von Ex-FIA-Boss Max Mosley für die heutige Situation verantwortlich.

"Ich hoffe, Max Mosley hat den Bahrain-GP vom Fernseher seines Elfenbeinturms aus genossen", ätzte Coulthard in seiner Kolumne im "Telegraph". "Die Fans können wahlweise die Begrenzung der Motordrehzahl auf 18.000, standardisierte Motoren oder Getriebe und den Einheitsreifen für die Langeweile verantwortlich machen. All diese Maßnahmen von Mosley haben zur Show rein gar nichts beigetragen."

Domenicali will beruhigen

Die Stimmung in der Formel 1 ist angespannt. Es gibt wenige wie Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali, die beruhigen und anmahnen, keine unbedachten Entscheidungen zu treffen.

Hoffentlich setzen sie sich trotzdem durch, denn das Letzte, was die Königsklasse gebrauchen kann, ist noch eine hektische Regeländerung, deren Folgen nicht abzusehen sind.

Davon gab es in den vergangenen Jahren leider viel zu viele.

Wer wird Weltmeister? Jetzt selbst ausrechnen!

Alexander Mey

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