Bahrain-GP: Rennanalyse

Alonso siegt in Bahrain - Vettel im Pech

Von Alexander Mey
Sonntag, 14.03.2010 | 15:02 Uhr
Doppelsieg für Ferrari beim Grand Prix in Bahrain. Fernando Alonso (r.) gewinnt vor Felipe Massa
© Getty
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Perfekter Start in die neue Formel-1-Saison für Ferrari. Fernando Alonso und Felipe Massa haben in Bahrain einen Doppelsieg gefeiert. Dabei profitierten sie von technischen Problemen am Red Bull des lange führenden Sebastian Vettel. Wegen einer defekten Zündkerze fiel er noch bis auf Rang vier zurück. Michael Schumacher absolvierte ein unauffälliges Comeback und wurde Sechster.

Die neue Ära der Formel 1 hat nicht gerade mit einem Feuerwerk begonnen. Der erste Grand Prix in Bahrain war von Vorsicht, Angst und Taktik bestimmt. Halten die Reifen? Reicht das Benzin? Spielt die Technik mit? Darum ging es in der Hitze der Wüste.

Am besten gepokert hat Ferrari-Neuzugang Fernando Alonso. Er schonte lange Zeit das Material und schlug in dem Moment zu, als Sebastian Vettel vor ihm technische Probleme bekam. "Das ist ein besonderer Tag für mich. Es ist immer speziell, wenn man ganz oben auf dem Podium steht, aber ganz besonders, wenn man das mit Ferrari erreicht", sagte Alonso.

"Irgendwas ist gebrochen", funkte Vettel hilflos in Richtung Box, als ihm in Runde 35 Motorleistung verloren ging. Alonso und Ferrari-Teamkollege Felipe Massa schossen vorbei und fuhren souverän einen Ferrari-Doppelsieg ein.

Vettel: "Hatte keinen Dampf mehr auf der Kette"

"Es war eigentlich so gut wie erledigt. Wir hatten das Rennen locker im Griff", äregrte sich Vettel über den technischen Defekt. "Danach hatte ich einfach keinen Dampf mehr auf der Kette. Auf der Geraden hättest Du auch einen Affen reinsetzen können - aber in den Kurven habe ich versucht, die Kiste fliegen zu lassen."

Vettel rettete den Red Bull auf Platz vier hinter Lewis Hamilton im McLaren und vor Nico Rosberg im Mercedes ins Ziel und betrieb somit bestmögliche Schadensbegrenzung. "Die Punkte für Rang vier sind trotz allem sehr wertvoll für uns", sagte Vettel weiter.

Schumacher: "Wir haben noch viel Arbeit vor uns"

Michael Schumacher hielt in einem unauffälligen Rennen Jenson Button und Mark Webber in Schach und wurde Sechster.

"Mein größtes Problem sind die kleinen Vorderreifen. Ich muss meinen Fahrstil noch so einstellen, dass das Auto so um die Kurve fährt, wie ich das will", sagte Schumacher. "Wir haben noch viel Arbeit vor uns, denn wir müssen den Rückstand aufholen. Das Rennen an sich war aber überhaupt nicht anstrengend, weil die Reifen nicht zulassen, dass wir schnell fahren. Aber insgesamt hat es schon Spaß gemacht."

Die Schlüsselszenen des Rennens

Start: Vettel kommt sehr gut weg und behauptet die Führung. Die beiden Ferraris tauschen die Positionen, Alonso geht an Massa vorbei. Probleme bei Webber. Sein Red Bull qualmt mächtig, verliert offenbar Öl. Schumacher geht vorbei und ist Sechster. Rosberg knackt in den ersten Kurven Hamilton und ist Vierter. Kubica und Sutil drehen sich und fallen bis ans Ende des Feldes zurück.

Runde 3: Hülkenberg setzt auf einer Bodenwelle auf und dreht sich von der Strecke. Er fällt weit zurück.

Runde 17: Rosberg verliert beim ersten Boxenstopp einen Platz gegen Hamilton. Schumacher bleibt Sechster.

Runde 18: Glock scheidet mit Getriebeproblemen aus.

Runde 35: Probleme bei Vettel! Er meldet, dass irgendetwas gebrochen ist, Alonso ist dran und geht am Red Bull vorbei. Massa zieht wenig später nach.

Ziel: Alonso fährt in Schlangenlinien über die Ziellinie und macht den Ferrari-Sieg perfekt. Massa komplettiert den Doppelsieg der Roten. Hamilton ist ebenfalls auf dem Podium. Vettel rettet Rang vier vor Rosberg ins Ziel, Schumacher bleibt in seinem ersten Rennen nach dreijähriger Pause solider Sechster.

Mann des Rennens

Fernando Alonso: Ferrari hat seinen neuen Heilsbringer. Der Spanier hat gleich sein erstes Rennen im roten Renner gewonnen. Nach einem guten Start, bei dem er Teamkollege Felipe Massa überholt hat, ist er ein kontrolliertes Rennen gefahren und hat das Material perfekt geschont. Als er dann durch Vettels technische Probleme seine Chance gewittert hat, hat er sie sofort ergriffen. Vorbei an Vettel und dann eine schnellste Runde nach der anderen. Massa hatte im gleichen Auto plötzlich keine Chance mehr. Das ist eine perfekte Mischung aus Besonnenheit und Killerinstinkt.

Flop des Rennens

Zuverlässigkeit des Red Bull: Es geht bei Vettel schon wieder los wie in der vergangenen Saison. Sein Auto ist extrem schnell, aber es ist auch anfällig für technische Defekte. So gewinnt man zwar einzelne Rennen, aber für den WM-Titel braucht man zwingend mehr Standfestigkeit - besonders in der neuen Ära, die mindestens genauso von der Taktik geprägt zu sein scheint wie in den Jahren zuvor.

Szene des Rennens

Runde 35: Sebastian Vettel funkt SOS in Richtung Box. Sein Motor läuft nicht mehr rund, er verliert Leistung. Der Auspuff ist offenbar gebrochen. Erst ziehen beide Ferraris am Red Bull vorbei, dann kommen die anderen Verfolger um bis zu fünf Sekunden pro Runde näher.

Die Lehren des Rennens

Angst essen Seele auf. So kann man die erste Hälfte des ersten Rennens in der neuen Ära der Formel 1 ohne Tankstopps überschreiben. Keiner der Top-Piloten hat sich getraut, volles Tempo zu gehen, um Reifen zu schonen und Benzin zu sparen.

In der zweiten Hälfte tat sich mehr, denn die Autos und Fahrer gingen offenbar unterschiedlich gut mit den Reifen um. Schumacher fiel zum Beispiel gegenüber Button und Webber erst ein wenig zurück, um dann in den letzten Runden doch wieder etwas mehr Druck zu machen. Alonso konnte von allen am stärksten zulegen.

Die Formel 1 2010 kann spannende Rennen bieten, wenn sich die Teams erst einmal an die neuen Gegebenheiten gewöhnt haben. Bis dahin drohen noch weitere taktische Angsthasen-Rennen wie das in Bahrain.

So lief das Rennen:

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