Donnerstag, 10.05.2012

Erste Kritik nach der Niederlage gegen Schweden

Jakob Kölliker: "Mit den Chancen gesündigt"

Irgendwann in der Vergangenheit muss Jakob Kölliker einmal ein Seminar für positives Denken besucht haben. Wenn der Bundestrainer die WM-Vorrundenspiele der Eishockey-Nationalmannschaft analysiert, sieht er fast ausschließlich Gutes.

Bundestrainer Jakob Kölliker (l.) will seinen Optimismus noch nicht verlieren
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Bundestrainer Jakob Kölliker (l.) will seinen Optimismus noch nicht verlieren

Bei der bitteren 2:3-Niederlage gegen Lettland erkannte er "nur ein, zwei Fehler", die verlorene Partie gegen Russland (0:2) gab "Grund zur Hoffnung". Kölliker trägt Statements wie diese so überzeugend vor, dass die Menschen um den charismatischen Schweizer herum, unbedingt glauben möchten.

Aber auch der Zweckoptimismus eines Jakob Kölliker kennt seine Grenzen: "Wir haben heute teilweise mit den Chancen gesündigt. Wir haben ihnen zu viel gegeben und unsere konsequente Linie verloren", gab er nach dem deutlichen 2:5 gegen Co-Gastgeber Schweden zu. Der 58-Jährige kann auch staatstragend, und die Menschen um ihn herum wissen plötzlich: Die Lage ist ernst.

Es war das erste Mal seit Beginn der Weltmeisterschaft in Schweden und Finnland, dass Kölliker öffentlich Kritik am Spiel der deutschen Mannschaft übte - auch wenn er dabei immer noch stark relativierte: "In der Defensive standen wir lange sehr gut, später haben wir die Räume nicht mehr geschlossen - vielleicht kommt da die Müdigkeit, auch eine geistige, noch dazu. Und unser Gegner nutzt das natürlich konsequent aus."

Im Schongang abgefertigt

Dabei war zu erkennen, dass die "Tre Kronor" noch nicht einmal ihre volle Überlegenheit ausspielten, sondern die deutsche Defensive vielmehr im Schongang abfertigten. "Das war schon in Ordnung heute, aber wir können und werden noch sehr viel besser spielen", bekannte etwa der schwedische Trainer Pär Marts. Dennis Endras fand noch klarere Worte:

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Verhinderten 2005 in Wien den dritten kanadischen Titel in Folge: Tschechiens Eishockey-Team (3:0 im Finale gg. Kanada)
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"Die haben mit uns im Angriff Katz und Maus gespielt", sagte der sichtlich gefrustete Torhüter. Unter den erfahreneren Recken in der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) scheint mittlerweile Unmut die Runde zu machen.

Nach zwei guten Jahren, in denen sich Deutschland am Ende einer WM jeweils unter den besten Acht der Nationen der Welt wiederfand, rückt ein Weiterkommen diesmal in weite Ferne: "Wir müssen die nächsten Spiele unbedingt gewinnen, sonst wird das nichts mehr mit dem Viertelfinale", forderte Flügelstürmer Kai Hospelt.

Vermeintliche Favoritenposition

Klar, nüchtern betrachtet ist alles beim Alten: "Wir müssen immer noch Dänemark und Norwegen schlagen, daran hat sich nichts geändert", sagte Kapitän Marcel Goc und paraphrasierte damit die eigentliche Zielvorgabe der DEB-Auswahl. Weil Siege gegen Russland, Schweden und Tschechien per se unwahrscheinlich sind, sollten Erfolge über die Gegner auf Augenhöhe den vierten Platz und damit den Einzug ins Viertelfinale sichern.

Doch der Bundestrainer hatte vor Beginn der WM angekündigt, Weltmeister werden zu wollen und den eigentlichen Außenseiter Deutschland in eine vermeintliche Favoritenposition gedrängt, die das Team sichtlich verunsicherte. Die deutschen Kufencracks agierten vor allem gegen Lettland hypernervös und verloren das Spiel unter anderem wegen der massiven Scheibenverluste.

Es bleibt zu hoffen, dass die Lehrstunde durch Schweden die DEB-Auswahl wieder auf den Boden der Tatsachen bringen konnte - so wie auch der Bundestrainer schnell wieder zum positiven Denken zurückfand: "Ich bin mir sicher, die Jungs stehen wieder auf", hakte Kölliker den verlorenen Abend ab.

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