Kölliker zeigt vor dem Russland-Spiel Nerven

"Nicht immer dieser Scheiß-Querpass"

SID
Montag, 07.05.2012 | 14:36 Uhr
Jakob Kölliker spricht zur deutschen Nationalmannschaft
© Getty
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Schweizer sind allgemeinhin nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen - Jakob Kölliker bildet da normalerweise keine Ausnahme. Am Tag nach der bitteren 2:3-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Lettland im zweiten WM-Vorrundenspiel wurde der Bundestrainer dann aber doch einmal laut.

"Ihr sollt tief spielen, nicht dauernd diesen Scheiß-Querpass", brüllte der 58-Jährige beim Training und brachte ein Problem des deutschen Teams prägnant auf den Punkt.

Wenig später hatte Kölliker seine Contenance wiedergefunden: "Ab und zu muss man Klartext sprechen, wenn sich die selben Fehler immer wiederholen." Dennis Endras war derselben Meinung: "Für ihn war das zwar extrem laut - aber er hat ja auch Recht", sagte der Torhüter, der am Dienstag gegen Russland (20.15 Uhr/Sport1) nicht mehr auf dem Eis stehen wird.

Kotschnew für Endras

Für ihn spielt Dimitrij Kotschnew, der das Eishockey der "Sbornaja" noch aus seiner Zeit in der KHL, der höchsten Spielklasse im Eishockey Russlands, kennt. "Kotschnew kennt das russische Eishockey aus dem Effeff und hat schon in der Vorbereitung stark gespielt", begründete Bundestrainer Jakob Kölliker die Entscheidung.

Wie schon gegen Lettland wird Andre Rankel vom Meister Eisbären Berlin fehlen: "Er ist ein bisschen angeschlagen und braucht noch ein, zwei Tage", erklärte der Bundestrainer.

Köllikers Optimismus in allen Ehren

Natürlich ist eine Niederlage in der langen Vorrundenserie noch kein Beinbruch: "Es sind erst zwei Spiele gespielt. Wir rechnen nach sieben ab", sagte auch Kölliker. Aber die deutsche Mannschaft hätte die Punkte aus dem vergleichsweise einfachen Spiel dringend benötigt, um den favorisierten Russen und Schweden (Mittwoch, 20.15 Uhr/Sport1) einigermaßen entspannt gegenübertreten zu können.

Nun steht die DEB-Auswahl also bereits gegen die mit NHL-Stars gespickte "Sbornaja" unter Zugzwang. Den Bundestrainer stört das nicht weiter: "Wir gehen in jedes Spiel, um zu gewinnen. Uns erwartet eine super Truppe. Genau das soll aber die große Herausforderung sein, dieser Mannschaft ein Bein zu stellen."

Köllikers Optimismus in allen Ehren, aber das deutsche Team muss seine Leistung enorm steigern, um auch nur den Hauch einer Chance gegen die Russen zu haben, die mit zwei Siegen zum WM-Start (5:2 gegen Lettland, 4:2 gegen Norwegen) bereits Fahrt aufgenommen haben. Scheibenverluste und unnötige Zeitstrafen verzeiht eine russische Mannschaft noch weniger als Lettland: "Drei Strafen in einem Drittel sind deutlich zu viel, wenn das Spiel auf Messers Schneide steht", fand auch Kölliker.

Revanche für Heim-WM 2010

Hoffnung macht das deutsche Abschneiden gegen Russland in der jüngeren Geschichte: Der Sieg und die Niederlage nach Penaltyschießen in der Vorbereitung können wegen der drastisch verstärkten russischen Mannschaft zwar nicht als Referenz dienen, wohl aber der 2:0-Erfolg bei der WM 2011 in der Slowakei.

Und es gibt noch einen weiteren Ansporn: In der Sbornaja spielt wieder Pavel Datsyuk mit, der im Halbfinale der Heim-WM 2010 eine deutsche Sensation verhinderte, indem er 100 Sekunden vor Schluss zum 2:1 für Russland traf.

Thomas Greilinger bringt auf den Punkt, was Deutschland am Dienstag braucht: "Wir brauchen einen super-superguten Tag, um die Russen schlagen zu können", sagte der Torschütze aus dem Überraschungssieg 2010.

Die Termine der Eishockey-WM 2012

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