Montag, 15.11.2010

SPOX-Analyse zum Deutschland Cup

Keine Show ohne Uwe Krupp

Nach der Sensations-WM im eigenen Land schloss das DEB-Team ein großes Eishockey-Jahr mit der erfolgreichen Titelverteidigung beim Deutschland Cup perfekt ab. Und das, obwohl nur acht WM-Helden dabei waren und acht Spieler ihr Debüt feierten. Dennoch gibt es ein großes Problem: Bundestrainer Uwe Krupp wechselt nach der WM 2011 in der Slowakei zu den Kölner Haien. SPOX erklärt, warum Krupps Weggang für den DEB ganz bitter ist.

Uwe Krupp wechselt nach der WM 2011 in der Slowakei zu den Kölner Haien
© Getty
Uwe Krupp wechselt nach der WM 2011 in der Slowakei zu den Kölner Haien

Coach Uwe Krupp: Nach der miserablen WM in der Schweiz 2009 stand Uwe Krupp ganz dicht vor dem Aus als DEB-Coach. Es wäre ein kapitaler Fehler des Verbands gewesen, wenn man sich damals von Krupp getrennt hätte. Es ist fast ausschließlich das Verdienst des Bundestrainers, dass das deutsche Eishockey aktuell so gut dasteht wie lange nicht. Wie vielleicht noch nie. Eine Mannschaft nimmt irgendwann den Charakter ihres Trainers an. Sagt man. Und im Falle des DEB-Teams ist das absolut richtig.

Krupps Handschrift ist klar zu erkennen. Sein Team spielt und kämpft mit Leidenschaft und Herz, fast immer 60 Minuten an der Leistungsgrenze. Krupp spricht gerne selbst von einer "guten Show", die sein Team bietet. Und es stimmt. War Deutschland vor Jahren vor allem schlittschuhtechnisch den großen Nationen noch unglaublich unterlegen, kann man jetzt fast mit jedem auf ähnlichem Niveau "mitlaufen".

Ein weiterer wichtiger Faktor: Krupp begreift sich nicht nur als Coach der A-Nationalmannschaft. Er ist auch bei allen Junioren-Teams ständig involviert, scoutet den Nachwuchs und kennt die Talente folgerichtig schon lange, bevor sie Kandidaten für das A-Team werden. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Dass Krupp nach der WM als Bundestrainer aufhört und als General Manager zu den Kölner Haien wechselt, ist aus seiner Sicht sicher nachvollziehbar und ein logischer Schritt, aber für den DEB ist es eine ziemliche Katastrophe. Die Frage aller Fragen: Wer soll den eingeschlagenen Weg auf diese Art und Weise fortführen? Im Prinzip fällt einem kein Kandidat ein.

Ralph Krueger, der ehemalige Schweizer Nationaltrainer, wäre ein geeigneter Mann, aber Krueger ist inzwischen im Trainerstab bei den Edmonton Oilers in der NHL. Ob er diesen Job für den DEB aufgeben würde, ist mehr als fraglich. Krupps Assistent Ernst Höfner ist ein ausgewiesener Fachmann, aber ihm fehlt Krupps Ausstrahlung. Ach ja, Hans Zach wäre frei...

Tor: Wenn Deutschland auf einer Position keine Probleme hat, dann im Tor. Ob das im Fußball, Handball oder eben im Eishockey ist, spielt keine Rolle. Wahrscheinlich wird das auch immer so bleiben. Die aktuelle Torwart-Situation beim DEB ist denkbar einfach. WM-MVP Dennis Endras ist mittlerweile mit völliger Selbstverständlichkeit die eindeutige Nummer eins.

Der WM-MVP in Aktion: Dennis Endras
Der WM-MVP in Aktion: Dennis Endras
© Getty

Der 25-Jährige hat in der laufenden DEL-Saison aufgrund der Abwehrschwäche seiner Augsburger Panther ziemlich miese Stats (3.46 GAA, 88,7 SV%), aber beim Deutschland Cup hat er wieder seine Klasse gezeigt. Alleine sein Wahnsinns-Save bei einer 2:0-Situation im Spiel gegen die Schweiz war am Finaltag das Eintrittsgeld wert. Endras' Weg zu den Minnesota Wild in die NHL ist vorgezeichnet - und im DEB-Tor wird er im Normalfall auf lange Zeit der Go-to-Guy sein.

Neben Endras ist Eisbären-Goalie Rob Zepp bei Krupp gesetzt - plangemäß wird Endras im Februar 2011 beim Slovakia-Cup eine Pause bekommen, dann ist Zepp die Nummer eins. Um den dritten Platz im WM-Kader kämpfen in erster Linie Patrick Ehelechner, Dimitri Pätzold und Jochen Reimer.

Die Wildcard heißt Thomas Greiss. Dessen Qualitäten sind unbestritten enorm hoch, aber nach seiner Ausleihe von den San Jose Sharks in die schwedische Liga zu Brynäs Gävle ist Greiss etwas in Vergessenheit geraten. Wie gut die Goalie-Situation in Deutschland ist, zeigt die Tatsache, dass Hannover mit zwei 18-Jährigen (Jonas Langmann, Lukas Steinhauer) im Kasten die DEL-Tabellenspitze inne hat.

Verteidigung: Mit Nicolai Goc, Frank Hördler und Justin Krueger standen beim Deutschland Cup nur drei Abwehrspieler im Aufgebot, die auch bei der WM dabei waren.

Überzeugendes Debüt: Florian Kettemer (im Duell mit dem Schweizer Kevin Romy)
Überzeugendes Debüt: Florian Kettemer (im Duell mit dem Schweizer Kevin Romy)
© Getty

Die vielen Ausfälle fielen aber überhaupt nicht ins Gewicht. Krueger hat sich als stabiler Defensiv-Verteidiger im Nationalteam etabliert - es ist ihm deutlich anzusehen, dass ihm der Wechsel zum SC Bern in die hochklassige Schweizer Nationalliga A gutgetan hat.

Krueger bildete mit Rainer Köttstorfer eine Art deutsches Shutdown-Paar. Wann immer es brenzlig wurde, vertraute Krupp diesem Duo.

Köttstorfer ist ein interessanter Fall. Kein Jungspund mehr, mit 29 Jahren aber für Nicht-DEL-Kenner wohl immer noch ein absoluter Nobody.

Beim Deutschland Cup machte der 1,98-Meter-Riese einen starken Job. Seine größte Stärke: Er strahlt eine enorme Ruhe aus. Hat sich definitiv für weitere Einsätze im DEB-Dress empfohlen.

Das gleiche gilt für Benedikt Kohl und Florian Kettemer. Das Augsburger Rookie-Duo spielte ein exzellentes Turnier (beide mit einer Plus-Minus-Bilanz von +3) und bewies, dass es auf internationalem Eis mithalten kann. Vor allem Rechtsschütze Kohl könnte in Zukunft eine tragende Rolle zukommen.

In Augsburg darf der 22-Jährige nicht umsonst mitunter sogar den Powerplay-Quarterback geben. Qualitäten, die er auch in München einbrachte. Wichtige Erkenntnis für Krupp: Egal, ob die USA-Cracks wie Dennis Seidenberg, Christian Ehrhoff, Alexander Sulzer oder Korbinian Holzer bei der WM zur Verfügung stehen werden, wird er genug Möglichkeiten haben, um eine solide Defensive zusammenzustellen.

Die Analyse des Sturms und das Fazit

Florian Regelmann

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