Eine Nacht mit Gus Hansen

Von GX Magazin
Freitag, 09.05.2008 | 16:25 Uhr
Poker, Gus Hansen, Exklusiv, spielen mit,
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München - Beim Cashgame geht es um viel Geld, richtig viel Geld. Deshalb lockt es auch immer wieder die Besten der Besten an den Tisch.

Während Turniere für Bekanntheitsgrad und Anerkennung sorgen, dient das Cashgame nämlich nur einem Zweck: die eigene Tasche zu füllen.

SPOX.com und das GX-Magazin haben einem der besten Cashgamespieler, "The great Dane" Gus Hansen, in die Karten geschaut.

Die Schneemänner

Schauplatz: Irgendwo in den USA. Der Tisch ist hochkarätig besetzt. Hauptsächlich mit "Full Tilt"-Profis wie Mike Matusow, Phil Ivey und Chris Ferguson.

Gus sitzt im Big Blind, der ihn 600 gekostet hat.

In früher Position limpen ein wohlhabender Amateur namens Kemsley und Mike Matusow - direkt neben ihm sitzt "Jesus" Ferguson und erhöht auf 3.600. Alle folden zu Gus im Big Blind, der dort mit zwei roten Achten sitzt. Wer Gus kennt, weiß bereits jetzt, dass er eine solche Hand in einer solchen Situation niemals folden wird.

Analysiere: Jesus

Klar, Ferguson hat mit seinem Raise Stärke gezeigt, aber diesen Raise kann er auch mit AK, vielleicht sogar mit AQ oder auch KQ suited machen.

Mit 88 sieht Hansen da gar nicht schlecht aus. Beim Flop könnte er gut abschätzen, ob dieser Ferguson geholfen hat. Hat Chris etwa ein höheres Paar und fühlt sich sicher, kann Hansen immer noch einen dicken Pot gewinnen, wenn er selbst im Flop die dritte Acht trifft.

Falls nicht, muss er allerdings möglichst schnell herausfinden, ob tatsächlich ein höheres Paar auf der anderen Seite liegt.

Gus callt also, genauso wie Kemsley, der zuvor nur gelimpt hat.

Der Unsicherheits-Faktor

Der Flop bringt K62 in drei verschiedenen Farben - und Gus ist zuerst an der Reihe. Es ist nicht der allerschlechteste Flop für ihn. Nur eine Overcard und dann auch noch "nur" der König. Ein Ass wäre weitaus schlimmer, denn es träfe die möglichen Hände der Gegner eher als der König.

Ferguson zum Beispiel könnte AK oder auch AQ haben. Der geflopte König hilft da nur seinem AK, nicht aber AQ. Gute Aussichten.

Jedenfalls was Ferguson angeht. Denn Kemsley auf der anderen Seite lässt sich nur schwer einschätzen. Er ist ein Unsicherheits-Faktor. Schließlich hat er erst gelimpt und dann nach einem Raise und einem Call noch einmal gecallt.

Analysiere: Amateur, wohlhabend

Ein Profi würde dies mit nur wenigen Händen machen. Ein Profi. Aber er als unbeschriebenes Blatt... das ist schwer einzuschätzen. Gut möglich, dass er eine sehr breite Hand Range hat - von kleinen Pocketpaaren, über Asse über suited Connectors oder noch schwächere, ausbaufähige Hände wie QT.

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Gegen eine solche Range wäre Gus weit vorne und will deshalb herausfinden, wo er tatsächlich steht. Doch wie gelingt das am besten?

Mit einem einfachen Check wird es wahrscheinlich selbst Amateur Kemsley checken und Ferguson sogar eine Continuation Bet machen. Wie reagiert Gus also auf diesen Einsatz? Ein Check-Raise bläht einen riesigen Pot auf, den er höchstwahrscheinlich verliert, wenn weitergespielt werden soll.

Entscheidung am Flop?

Und: Was ist, wenn Gus nicht in Führung liegt? Dann hat er nur zwei Outs zur dritten Acht. Auch die Continuation Bet einfach nur zu callen, ist keine gute Entscheidung. Schließlich kann er die Hände einiger seiner Gegner überhaupt nicht einschätzen und muss freie Karten an sie verteilen.

Jede Overcard kann sein Pair zur Strecke bringen, deshalb ist es am besten die Hand am Flop zu entscheiden...

Der freche Limp-Caller

Darum setzt Gus 8.000 Dollar in einen Pot von 12.500 Dollar. Kaum sind die Chips im Pot hört er schon ein lautes "Raise!". Kemsley. Der erhöht auf 18.000 Dollar. Und Chris Ferguson, über den wir uns am meisten Gedanken gemacht haben?

Der wirft seine Hand einfach weg.

Im Pot liegen mittlerweile 38.500 Dollar und Gus müsste 10.000 Dollar nachzahlen, um dabei zu bleiben. Nicht zu fassen: Da raised dieser freche Limp-Caller, obwohl der eigentliche Preflopaggressor Ferguson noch gar nicht zu Wort gekommen ist.

Da scheint sich jemand seiner Sache sehr sicher zu sein... Gus muss einfach folden und sich eine bessere Gelegenheit suchen.

Der kleine Big Slick

Die Kombination Ass/König hat sich unter den Pokerspielern schon lange einen Namen gemacht: "Big Slick". Doch wenn AK schon für so manche Ausrutscher sorgt, was muss man dann über Ass/Dame sagen?

Auch diese Hand ist alles andere als einfach zu spielen, mal sehen was Gus damit anstellt: Er sitzt "under the Gun" mit Ass/Dame in Karo. In seinen Augen offenbar genug für einen Raise.... Kemsley callt (schon wieder), ebenso Tony G und Erik Seidel im Small Blind.

Etwas viele Caller für einen Raise, vor allem beim tighten Seidel ist eine ordentliche Hand zu erwarten. Kemsley und Tony G können eine relativ breite Palette an Händen haben.

Panik vor dem Pocket-Paar

Der Flop wird aufgedeckt: A-8-4 mit drei verschiedenen Farben.

Seidel checkt und Gus ist an der Reihe. Einfache Entscheidung. Die Floptextur ist für sein Top Pair ungefährlich und es gibt keinen Grund, hier keine Value Continuation Bet anzusetzen. Und das macht Hansen - 6.000 Dollar, etwa 2/3 des Pots.

Kemsley callt (schon wieder), Tony G foldet und Erik Seidel erhöht auf 20.000. Im Pot sind jetzt mehr als 40.000 Dollar und es kostet Gus weitere 14.000, um weiter dabei zu bleiben. Plötzlich keine leichte Entscheidung mehr.

Die Frage nach der Bedeutung

Denn Seidel ist ein sehr tight-aggressiver Spieler und dieser Raise hat sicherlich etwas zu bedeuten. Die Frage ist nur was. Besser gesagt: Wie stark ist er wirklich? Schwächere Asse als AJ sind möglich... zum Beispiel.

Schwächere Hände als A9 oder A8 kommen dagegen kaum in Frage. Schließlich stammt Gus' Preflopraise aus früher Position, zeigt damit eine ordentliche Hand gegen die Erik mit so schwachen Assen leicht dominiert ist.

Pocketpaare sind eine andere, wahrscheinlichere Möglichkeit. Hohe Paare wie KK wären vor dem Flop schon gereraised worden, JJ und TT hätten jetzt aufgrund des Asses und der Action nach dem Flop wahrscheinlich gefoldet. Mit 88 hat Seidel ein Set gefloppt - das würde diesen dicken Check-Raise erklären.

Kann Gus Hansen das Spiel gewinnen: Hier geht es zu Teil 2

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