Kaiser, Cowboys & Kanonen

Von GX Magazin
Dienstag, 06.05.2008 | 12:56 Uhr
Poker, Geschichte, Saloon, China
© GX Magazin

München - Poker im Fernsehen, im Freundeskreis, in der Presse - selbst Prominente wie Ex-Tennisprofi Boris Becker und der ehemalige englische Fußball-Nationalspieler Teddy Sheringham können sich dem Pokertrend nicht entziehen.

Der Pokersport macht zurzeit einen Rundumschlag! Immer mehr Männer und Frauen spielen an den Tischen, die die Welt bedeuten. Mit einem Full House gewann Chris Moneymaker als Amateurspieler 2003 die World Series of Poker in Las Vegas. Mit seinem Sieg über Sam Farha ließ Moneymaker den Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Traum wahr werden und avancierte zum Idol der Hobbyspieler.

Moneymaker, Brunson & Co. - Hier gibt's die Bilder der Poker-Stars

Die zahlreichen Pokerräume im Internet und die vielen Pokersendungen im Fernsehen erledigten den Rest. Sie sorgten in den letzten Jahren für einen regelrechten Pokerhype. Das Fernsehen zeigt uns stundenlange Pokerturniere und eine Reihe von Pokerbüchern und -magazinen versorgt uns mit aktuellen Taktiken und Strategien.

Was aber ist mit der Geschichte des Pokers? Woher kommt das Spiel mit den 52 Karten eigentlich? SPOX.com und das GX-Magazin klären auf.

Startschuss in China

Es kursieren wahnsinnig viele Spekulationen und Legenden in der Pokerszene über die Entstehung des Kartenspiels und es entstand vermutlich aus den verschiedensten Kartenspielen unterschiedlichster Kulturen und Länder.

Der Dinosaurier des Pokers lebte aber im 13. Jahrhundert im chinesischen Kaiserreich. Damals spielte man Dominokarten. Der chinesische Kaiser Mu-tsung und seine Gattin leisteten sich immer wieder packende Spiele beim Dominokarten spielen.

Außer den Face-to-Face-Situationen beim Kartenspielen, hatten die Duelle der chinesischen Adligen allerdings noch nicht viel mit dem heutigen Poker zu tun. Die Wurzeln mussten also noch woanders liegen.

Wilder Westen, oder was?

Also doch in den Saloons des Wilden Westens? Nein, so viel können wir jetzt schon verraten. Denn drei weitere Kartenspiele aus Asien und Europa gelten als die Vorläufer des Pokers. Und die Expedition bei der Suche nach den Ursprüngen des Pokers beginnt im 16. Jahrhundert in Persien.

As Nas, ein noch heute sehr beliebtes Kartenspiel, und zwei weitere Kartenspiele aus Europa nahmen besonders großen Einfluss auf die Entwicklung des beliebtesten Kartenspiels Nordamerikas.

Damals konnte noch keiner wissen, dass sich aus As Nas später Mal ein Spiel entwickeln würde, mit dem heute zahlreiche Spieler ihren Lebensunterhalt verdienen.

As Nas, Poque und Pochen...

Es wird Zeit, die Ähnlichkeiten zwischen den Urvätern und dem heutigen Poker aufzudecken und zu entschlüsseln. Profis wie Daniel Negreanu, Gus Hansen oder Katja Thater spielen bei den zahlreichen Turnieren Hände wie ein Paar, zwei Paar, einen Drilling, ein Full House und selten auch mal einen Vierling.

Ob Sie sich dabei wohl bewusst sind, dass diese Hierarchie der Blätter schon hunderte von Jahren alt ist? Denn auch bei den alten Persern im 16. Jahrhundert sollte schon derjenige gewinnen, der am Ende die stärkste Hand hielt. Den Straight und den Flush gab es bei den As-Nas-Duellen allerdings noch nicht.

Doch Ass, König, Dame, Bube und Zehn in vier verschiedenen Farben sind nicht erst seit Urgesteinen wie Doyle Brunson und Phil Hellmuth feste Bestandteile des Kartenspielens. Schon beim As Nas gehörten die fünf höchsten Karten zum Kartendeck.

Wochenende = Pokerzeit

Heute trifft man sich am Wochenende mit ein paar Freunden zum Pokern. Auch die Perser trafen sich mit mehreren Personen zum As Nas spielen. Im Normalfall trafen sie sich mit vier oder fünf Personen, verteilten ein Kartendeck mit 20 bis 25 Karten (je nach Spieleranzahl).

Die Spieler erhielten wie beim 5 Card Stud Poker jeweils fünf Karten, setzten, erhöhten oder stiegen aus. Ein Pokerface und ein gesundes Maß an Coolness waren schon im 16. Jahrhundert sehr gefragt, denn auch der Bluff, galt als bewährtes Mittel die Gegner zu täuschen und auszutricksen.

Poker-Vorreiter in Frankreich und Deutschland

Von Persien aus führt unsere Reise nach Frankreich und Deutschland. Pochen (in Frankreich bekannt als Poque) ist ein weiterer Verwandter des Pokers und war im 17. und 18. Jahrhundert ein beliebtes Spiel in Europa.

Doch Pochen besaß als Glücksspiel einen schlechten Ruf. Gesellig spielten die Europäer Pochen mit mehreren Personen. Mit mehr als sechs Spielern konnte man den Vorreiter des Pokers allerdings nicht spielen.

Pochen ähnelte dem Poker, jedoch mit vereinfachten Regeln. Ein Beispiel gefällig? Statt "Bet" tönte es in den Poch-Runden "Ich poche". Statt "call" hieß es "ich halte".

Ihre Einsätze, bitte.

Heute werfen die Pokerspieler ihre Einsätze (Pokerchips) im hohen Bogen in die Mitte des Tisches, beim Pochen lief das Setzen etwas gesitteter ab. Die Einsätze wurden auf ein tellergroßes Pochbrett gelegt.

Man benutze 32 bis 52 Karten, je nach Spieleranzahl. Wie beim As Nas wurde gesetzt, erhöht und geblufft was das Zeug hielt. Wie man sieht, waren die Ähnlichkeiten zwischen Poker und Pochen schon sehr verblüffend und Europa spielte schon im 16. Jahrhundert ansatzweise Poker.

Poker, wie wir es heute kennen ...

Wir blicken zurück ins 19. Jahrhundert, um genauer zu sein ins Jahr 1829. Über den großen Teich gelangen die Vorreiter des Pokers in die Vereinigten Staaten.

Französische Seefahrer und Aussiedler brachten Poque in die USA. Sie spielten an den Decks ihrer Schiffe und in den Kneipen von New Orleans. Die Amerikaner wurden neugierig und interessierten sich für das neue Kartenspiel.

Etwas Neues schien den Weg ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten geschafft zu haben. Bald spielten auch die Amerikaner Poque. Immer mehr neue Regeln, Wertigkeiten und Spielabläufe beeinflussten das Kartenspiel aus Europa.

Langsam aber sicher entwickelte sich Poque zu dem, was wir heute Poker nennen. Und die verschiedenen Sprachen und Akzente ließen aus dem französischen Poque langsam aber sicher das Wort Poker werden.

Auf Wasser gebaut

Die Flüsse Mississippi und Ohio gelten als zwei sehr wichtige Protagonisten in der Verbreitung des beliebten Kartenspiels in den Vereinigten Staaten.

Die Mississippi-Dampfer, bekannt als schwimmende Saloons, beförderten Poker zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die Vereinigten Staaten. Unaufhaltsam eroberte Poker den gesamten Osten des Landes.

Im Jahre 1840 wurde fast ausschließlich das 52er Kartendeck verwendet, und mit der Erhöhung der Spieleranzahl sollten noch mehr Spieler das Vergnügen haben, Poker spielen zu können.

Auch die Einführung des Flush ließ nicht lange auf sich warten, denn mit der Einführung neuer Wertigkeiten wollte man den Geschicklichkeitsfaktor des Spiels erhöhen. Eine zusätzliche Wettrunde sorgte für noch mehr Spannung an den Pokertischen.

Saloons, Revolver und Cowboys...

Irgendwann erreichte Poker die Tische der Saloons im Wilden Westen - und die Cowboys witterten Betrugsmöglichkeiten und den schnellen Reichtum. Faro, ein damals viel gespieltes Kartenspiel in den Saloons, verlor immer mehr an Bedeutung und verschwand fast komplett von der Bildfläche.

Im Gegenzug entflammte eine Liebe zwischen den Cowboys und dem Poker. Westernlegenden, Saloons, Revolver und Poker gehörten einfach zusammen. Denn Poker passte in das Bild des smarten und aggressiven Westens.
Die Draufgänger warteten gewitzt ab und schlugen erbarmungslos zu, wenn sie die Möglichkeit dazu hatten. Das Spiel benötigte aber auch ein gewisses Maß an Vertrauen - in sich selbst, in das Spiel, aber auch in die Gegner.

Während des Amerikanischen Bürgerkrieges entwickelten sich die noch heute gespielten Pokervarianten Stud Poker und Draw Poker. Die Möglichkeit, im Spiel Karten tauschen zu können (Draw Poker), erfreute sich immer größerer Beliebtheit.

Standards wurden festgelegt und mit ihnen die ersten allgemeingültigen Pokerregeln. Selbst im Wilden Westen, dem Land der Gesetzlosen, geriet der Pokersport immer wieder in Konflikte mit dem Gesetz.

Texas Hold'em, die meist gespielte Pokervariante

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entsteht die heute beliebteste und meist gespielte Pokervariante Texas Hold'em, allerdings unter dem Namen Wild Widow. Und auch die wichtigste Veränderung in der Historie des Pokers, die Einführung einer Gemeinschaftskarte, erfolgte am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Texas Hold'em stellt heute die am häufigsten gespielte Variante des Pokers dar. Sie wird in den meisten Spielkasinos, zum größten Teil im Internet und auch bei der World Series of Poker verwendet.

Die WSOP wurde zum ersten Mal im Jahre 1970 in Las Vegas ausgetragen. Erfunden wurde die WSOP übrigens von Benny Binion. Die Kartenspieler begeisterten sich immer mehr für den Pokersport, und die Teilnehmerzahl an dem bekanntesten Pokerturnier unseres Planeten erhöhte sich von Jahr zu Jahr. Tendenz steigend!

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung