WCG 2008: Die Nationalmannschaft vor dem Finale

Mit Psycho-Tricks zu Olympia

Von Tim Habicht / Jan-Hendrik Böhmer
Dienstag, 04.11.2008 | 12:06 Uhr
World Cyber Games 2008: Die deutsche Nationalmannschaft im Trainingslager vor dem Finale in Köln
© WCG-Europe

Operation: Gold. Unter diesem Motto hat sich die deutsche eSport-Nationalmannschaft auf die World Cyber Games (WCG) vorbereitet. Die WCG, das sind die Olympischen Spiele des eSports. Mit 1,3 Millionen Spielern aus 85 Ländern, 14 Disziplinen und Preisen im Wert von einer Million Euro. Kurz: Das größte eSport-Event der Welt.

Allein beim aktuellen Finale vom 5. bis 9. November in Köln (Donnerstag, 15.00 Uhr im LIVESCORE) treten mehr als 850 Teilnehmer an - 40 davon aus Deutschland. Ihr Ziel: Die Krone im Medaillenspiegel und der begehrte Pokal für den Gesamt-Titel.

Die deutsche Nationalmannschaft im Steckbrief

Dafür gehen die Organisatoren neue Wege. Erstmals in der Geschichte des Sports bereitet sich die Truppe in einem gemeinsamen Trainingslager zusammen mit Team-Partner Adidas auf die virtuellen Wettkämpfe vor. 26-Mann-Trainerstab inklusive.

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"Unser Ziel ist ganz klar", sagte Pressesprecher Thomas von Treichel während des Traininglagers auf dem Adidas-Gelände in Herzogenaurach. "Wir wollen den Titel." Zuletzt war der Mannschaft 2003 in Seoul ein Gesamtsieg gelungen.

Deutschland als Vorreiter im eSport

Um diesen Erfolg zu wiederholen, setzt Deutschland auf eine weltweit einzigartige Vorbereitung samt gemeinsamem Training, Teambuilding und einer professionellen Struktur.

"In der gemeinsamen Zeit wollen wir unsere Erfahrung an alle Spieler des Teams weitergeben und in Erfolge ummünzen", erklärte Alexander Müller vom Team SK Gaming, der zusammen mit Cengiz Tüylü von Mousesports die Rolle des Teammanagers übernimmt.

Neben dem eigentlichen Training in ihren virtuellen Sportarten stehen für die deutschen eSportler dabei auch realer Mannschaftssport wie Fußball oder Basketball, Fitness und andere gemeinsame Aktivitäten auf dem Plan - und ein psychologisches Training.

So trainiert die deutsche eSport-Nationalmannschaft

eSport statt Aldi

Betreuerin und Psychologin Susann Schaffer, die normalerweise an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen lehrt, soll den Spielern dabei unter anderem vermitteln, wie man in hitzigen Spielen einen kühlen Kopf behält, die Nervosität bei großen Events in den Griff kriegt und mit eventuellen Schuldzuweisungen innerhalb der Truppe zurechtkommt.

Denn neben Titeln und Pokalen geht es schließlich auch um eine ganze Menge Geld. Insgesamt stehen bei den World Cyber Games circa eine Million Euro an Prämien und Sachpreisen auf dem Spiel. Alleine für das Sieger-Team in Counter Strike gibt es beispielsweise 50.000 US-Dollar in Bar.

"Das Geld aus dem eSport erleichtert schon einiges", sagt Student Niklas Timmermann, der in "Need for Speed: Pro Street" antritt und damit 10.000 Dollar verdienen könnte. "Dadurch muss ich nicht wie viele meiner Kommilitonen bei Aldi an der Kasse sitzen."

Psychologische Vorbereitung auf Olympia

Und das Psycho-Spiel beginnt bereits beim Training zu Hause: Denn laut Schaffler kann schon eine klug gewählte Zielsetzung für ständig wachsende Motivation und damit den erwünschten Lern-Erfolg bringen. Ziele können nur Schritt für Schritt erreicht werden.

Das bestätigt auch ein anonymer bleibender Teilnehmer des Workshops: "Wenn man bis an die Grenzen geht und dann noch mehr will, fliegt irgendwann der erste, dann der zweite und am Ende der dritte Controller durch das Zimmer. Ergebnis: Frust. Und irgendwann gehen die Controller aus!"

Auch Musik spiele dabei eine große Rolle. Jeder Spieler sollte ein so genanntes "Aktivierungslied" besitzen, meint Schaffler, das ihn auf die Partie einstimmt und motiviert. Virtua-Fighter-5-Spieler Darius "stprock" Schuiszill stimmt dem zu. Er gehe generell immer mit Meditationsmusik auf den Ohren in sein eher brutales Spiel. Als Ausgleich.

Neue Trainingsmethoden für die eSport-Elite

Psycho-Tricks für die eSport-Elite? Und was halten die Beteiligten davon? 90 Minuten dauerte die erste Sitzung und Halo-3-Spieler Marco "Mayo" Weske sagte: "Das hat auf jeden Fall etwas gebracht! Ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt muss man das alles nur noch in die Praxis umsetzen." Und genau das könnte laut Weske noch ein Problem sein.

Denn schließlich müsse sich erst zeigen, ob die Spieler das Gelernte auch in ihre Teams einbringen können. Es sei eben etwas anderes, ein ganzes Team im laufenden Wettkampf unter enormem Erfolgsdruck zu motivieren und einzustellen.

Weitere Bilder und Videos zu den World Cyber Games auch auf Readmore.de

Deutschland ist Weltmeister

Was die rein sportliche Leistung angeht, so kann das deutsche Team bereits auf eine überaus erfolgreiche Geschichte zurückblicken. 2003 wurde man Gesamt-Weltmeister, von 2005 bis 2007 immerhin beste europäische Nation sowie FIFA-Weltmeister.

Im ewigen Medaillenspiegel liegt die deutsche Nationalmannschaft auf Platz zwei - nur geschlagen von Korea.

Und diesen Platz will man in diesem Jahr mindestens verteidigen.

Alle Spiele der WCG 2008 LIVE auf SPOX.com

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