Dreimal Rot-Weiß-Rot am Montag

Sonntag, 14.01.2018 | 15:46 Uhr
Dennis Novak bekommt am Montag ein Highlight serviert
© GEPA

Vier Österreicher stehen im Hauptfeld der Australian Open: Neben Dominic Thiem darf sich wohl vor allem Gerald Melzer Chancen auf ein weiterkommen machen. Dennis Novak hingegen gibt seine Premiere in der Rod Laver Arena.

Dennis Novak hat eines mit grob geschätzt 124 anderen Spielern im Tableau der Australian Open 2018 gemein: Der Niederösterreicher geht als Außenseiter in sein erstes Grand-Slam-Match. Die besondere Schwierigkeit liegt darin, dass der Gegner Grigor Dimitrov heißt - aktueller Champion der ATP Finals, im vergangenen Jahr in Melbourne im Halbfinale, Sieger des ATP-Masters-1000-Turniers in Cincinnati. Lediglich Rafael Nadal, Roger Federer und wohl auch der wiedergenesene Novak Djokovic hätten die Wettbüros aktuell im Match-Up mit dem Bulgaren vorne.

So gesehen hat Novak nach drei erfolgreichen Qualifikations-Partien nichts zu verlieren, höchstens ein Tennismatch (und das in der Rod Laver Arena, als drittes Match nach 11 Uhr Ortzszeit). Weltklasse-Spieler sind dem 24-Jährigen nicht fremd: Dominic Thiem ist nicht nur ein guter Kumpel, mit der österreichischen Nummer eins hat sich Novak auch auf Teneriffa auf die Saison 2018 vorbereitet. Thiem und Novak, das hat es auch schon im Doppel gegeben, in Kitzbühel beispielsweise, wo vor fast vollem Haus nur ein Punkt zum Turniersieg gefehlt hat.

Dennis Novak ist im Moment auf Rang 224 der Weltrangliste notiert, Dimitrov 221 Plätze höher. Gastspiele auf höchster ATP-Ebene sind für den gebürtigen Wiener Neustädter immer noch Ausnahmen, das Jahr 2018 hat Novak beim Challenger in Noumea begonnen, dort in Runde eins gegen Taylor Fritz verloren. In der Wiener Stadthalle hat Novak im vergangenen Jahr das Hauptfeld erreicht, dort Thomas Fabbiano (wie auch in der letzten Runde der Qualifikation) besiegt, in Runde zwei knapp gegen Kyle Edmund verloren.

Starkes Saisonende

Gerald Melzer darf auch schon am Montag ran. Österreichs Nummer zwei hat das Jahr 2017 exzellent beendet, nämlich auf Asche und in Südamerika. Melbourne ist nicht Asche und denkbar weit von Lima und Guayaquil, wo Melzer beide Challenger gewonnen hat, entfernt. Das Match gegen Nikoloz Basilashvili (drittes Match auf Court 5) birgt dennoch mehr Chancen als Risiken, für die aktuelle Nummer 102 der Welt.

Der Georgier bietet grundsätzlich nur Höchsttempo-Tennis an, in sich risikoreich. Der Georgier wird auf Position 61 in der Rangliste geführt, gegen Melzer hat Basilashvili noch nie gespielt. Der 27-jährige Österreicher hat als Karriere-Hoch Platz 68 in seinem Lebenslauf stehen, in der laufenden Saison hat Melzer noch nicht in das Spielgeschehen auf der Tour eingegriffen. Basilashvili hat in Doha immerhin ein Match gewonnen, gegen Fabbiano, war danach gegen Borna Coric chancenlos.

Training in Oberhaching

Andreas Haider-Maurer wird Court 19 um 11 Ur Ortszeit gegen Alexandr Dolgopolov eröffnen. "AHM" hat sich in der Tennisbase in Oberhaching nahe München vorbereitet, keine schlechte Wahl, dort stehen regelmäßig Spieler der erweiterten Weltklasse wie Florian Mayer, Yannick Hanfmann oder Maximilian Marterer zur Verfügung, mit Philipp Kohlschreiber auch ein Mann mit Top-20-Vergangenheit und wieder -Potenzial.

Haider-Maurer hat sein Protected Ranking genutzt, um sich einen Platz im Hauptfeld zu sichern. Gegen Dolgopolov ist der Wahl-Innsbrucker sicherlich Außenseiter, auch wenn der Ukrainer ab und zu dazu neigt, die gebührende Ernsthaftigkeit vermissen zu lassen. Allerdings selten auf Grand-Slam-Ebene, bei den vergangenen US Open musste Jan-Lennard Struff diese Erfahrung machen: Dolgopolov gewann ein knappes Fünf-Satz-Match mit stark schwankendem Spielverlauf. Die Frage der physischen Überlegenheit ist indes nicht leicht zu beantworten: Andreas Haider-Maurer muss nach seiner langen Verletzungspause erst wieder die richtige Wettkampfhärte finden, Alexandr Dolgopolov wird immer wieder von kleineren Blessuren geplagt, die ein konstanteres Auftreten verhindern.

Besondere Umstände

Dominic Thiem kann sich das alles sehr entspannt ansehen. Österreichs Nummer eins wird wie die gesamte untere Hälfte des Herren-Tableaus erst am Dienstag in den Wettkampf-Betrieb einsteigen, die erste Aufgabe für Thiem heißt bekanntermaßen Guido Pella. Zwei Vergleiche hat es mit dem Argentinier bis dato gegeben, beide verlor Thiem. Die Umstände der Matches waren indes durchaus als besonders zu beschreiben: In Rio de Janeiro war Dominic Thiem nach einer anstrengenden und erfolgreichen Turnierwoche in Buenos Aires, wo er neben anderen auch Rafael Nadal besiegt hatte, nicht mehr auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Pella andererseits hatte in der brasilianischen Olympiastadt einen Tag erwischt, an dem er genau gewusst hat, wo das Tor steht.

Vergangenes Jahr in Chengdu hatte Thiem das Dreigestirn US Open (mit demoralisierender Niederlage gegen Juan Martin del Potro), eine Davis-Cup-Woche in Wels auf Sand und ein Karriere-Highlight mit der Teilnahme am Laver Cup hinter sich. Diesmal sind die Voraussetzungen andere: Thiem hat das Jahr in Doha bis zum Halbfinale solide begonnen, die im Wüstenstaat erlittene Erkrankung dürfte der Lichtenwörther überwunden haben. Der Auftritt bei den Kooyong Classics gegen Novak Djokovic war eine bessere Trainingseinheit, das wird Thiem ähnlich bewerten wie Richard Gasquet, der nach seinem ersten Erfolg gegen Rafael Nadal dennoch nicht zu den Favoriten auf den Australian-Open-Titel zählt.

Hier der Spielplan für den ersten Tag der Australian Open 2018

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