Fussball

Goran Djuricin und Klaus Schmidt kritisieren schnelllebiges Trainergeschäft

Von SPOX Österreich
Goran Djuricin
© GEPA

Das Aus von Thomas Letsch bei der Wiener Austria war der bislang letzte Akt in einer Reihe von Trainerentlassungen in der laufenden Bundesliga-Saison. Die aktuelle Entwicklung macht so manchem Übungsleiter gehöriges Kopfzerbrechen.

Für Klaus Schmidt steht völlig außer Frage, dass das neue Ligaformat seinen Teil dazu beiträgt, dass so viele Trainer ihren Posten räumen müssen. "Vorige Woche waren es zwei, diese einer, wer weiß, ob das der Letzte war. Es beschleunigt sich das Ganze und das macht einen, wenn man in diesem Geschäft drinnen ist, sehr sehr nachdenklich", gibt der Mattersburg-Coach in der Sky-Sendung Talk und Tore zu.

"Wenn das so weiter geht, werden wir wahrscheinlich alle drei bis vier Monate ausgewechselt werden", prophezeit der Steirer, für den viele dieser Schnellschüsse ohne nachhaltigen Effekt bleiben. Man müsse sich die Frage stellen, ob es zielführend ist. "Wenn man sich dann anschaut, was nach einem Trainerwechsel kommt, dann hätte man sich den einen oder anderen Wechsel vermutlich sparen können", so Schmidt. "Der Trainer ist weg, der Trainer ist weg, wer ist morgen weg? Das kriegt so eine Dynamik, das macht mir ein bisschen Angst."

Wenn es einen Kollegen, wie am Montag Thomas Letsch, erwischt, kurbelt das auch immer die eigenen Gedanken an, verrät Schmidt. "Es geht um Existenzen, um berufliche Entwicklung. Wenn man sich in die Lage dieser Personen hineinversetzt, dann denkt man natürlich, wie läuft das bei mir, geht das so weiter, überlebe ich den Sommer? Aber wenn man da dabei sein will, dann muss man auch damit leben. Auch diese Gedanken gehören zum Job dazu, das ist Part of the Game."

Ähnlich sieht das auch Ex-Rapid-Coach Goran Djuricin, der zudem die zunehmende Konkurrenz auf dem Trainermarkt anspricht und das Beispiel Wacker Innsbruck bemüht. Dort wurde Karl Daxbacher zuletzt durch den bisherigen Amateure-Trainer Thomas Grumser ersetzt. "Das verstehe ich absolut, man will seinen jungen Coach forcieren. So kommt aus jeder Ecke ein neuer Trainer, da hat man schon Angst um seine Zukunft", erklärt Djuricin und gibt zu bedenken: "Wir sind nicht in Deutschland, Spanien, nicht in Italien oder England. Wir verdienen alle nicht so viel, wie manche da draußen glauben. Deswegen ist unser Beruf meiner Meinung nach nicht immer so schön, wie viele meinen."

Djuricin: "Man muss die Tradition mal weglassen"

Laut Djuricin seien die Vereine gefordert, langfristiger und strategischer zu denken und zu handeln. "Man hört seit Monaten, dass man nicht zufrieden ist mit der Philosophie", spielt er auf die Situation bei der Austria an. "Das Trainerprofil muss der Verein erstellen. Ich kann nicht einen Trainer holen und ein halbes Jahr später sagen, der passt hier nicht hin oder die Spieler passen nicht."

"Man lebt oft zu sehr in der Vergangenheit. Man redet immer von Tradition. Red Bull hat keine Tradition und man sieht, wo Red Bull ist", meint Djuricin, angesprochen auf das Selbstverständnis der Austria, schönen Ballbesitzfußball spielen zu wollen. "Man muss die Tradition mal weglassen, sich anschauen, wie die Gegenwart aussieht und wie ich in die Zukunft komme. Dann muss sich jeder Verein etwas einfallen lassen."

Den LASK mit Oliver Glasner sieht Djuricin als bestes Beispiel. Die Linzer waren von Glasner überzeugt und hatten daher auch den zunächst verpassen Aufstieg in die Bundesliga in Kauf genommen. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass 90 Prozent der Vereine ihren Trainer gekündigt hätten. Der LASK hat das nicht gemacht, sie waren begeistert von seiner Arbeit, haben gewusst, dass auch Glück dazu gehört, dass du nicht immer aufsteigst, wenn du die beste Mannschaft bist", sagt Djuricin, der im Herbst bei den Stahlstädtern hospitierte. "Man spürt da schon dieses Vertrauen, diese Sicherheit und Selbstverständlichkeit. Davon können sich sicher einige eine Scheibe abschneiden."

 

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