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NFL: Rookie Bernhard Raimann von den Indianapolis Colts: "Jeder Tag kann dein letzter sein"

Bernhard Raimann sieht die Colts als einen ernsthaften Titelanwärter in der Saison 2022 an.

Offensive Tackle Bernhard Raimann wurde im NFL Draft 2022 von den Indianapolis Colts gezogen. Damit landete er bei seinem selbsternannten Wunschteam.

Im Rahmen einer Medienrunde, an der SPOX beteiligt war, sprach der Österreicher zudem über seine Gesundheit, die wohl zu seinem Fall im Draft geführt hat und seine schon jetzt guten Beziehungen mit der Franchise. Darüber hinaus verrät Raimann, was ihn antreibt.

Bernhard Raimann über ...

... seine letzten Tage und Wochen: "Es war eine verrückte Zeit. Die Draft-Woche war easy für mich, weil meine Eltern rüber geflogen sind, sodass ich mit denen wieder ein wenig Zeit verbringen konnte. Das war super. Aber das Draft-Wochenende war dann wieder stressiger. Wir haben uns alle vor dem Fernseher versammelt und gemütlich geschaut. Man wartet dann immer auf den Anruf und dann wurde ich eben nicht in der ersten oder zweiten Runde angerufen, was eben schon stressig war. Aber als dann endlich dieser Anruf kam, fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen. Es war ein super Gefühl, wirklich unbeschreiblich."

... seine Erwartungen vor dem Draft: "Ich habe von Anfang an gesagt, dass nicht der Draft das Ziel ist, sondern eine lange NFL-Karriere. Und die passiert nur im richtigen Team. Aber klar, man arbeitet immer darauf hin, der erste Draftpick zu sein. Man gibt alles in den vier Jahren auf dem College und während des Pre-Draft-Prozesses, aber wenn sich Teams dann gegen einen entscheiden, kann man es im Endeffekt auch nicht ändern."

... seine Erwartung vor dem Draft, welches Team ihn ziehen würde: "Die Colts waren immer relativ weit oben auf meiner Liste, weil ich gute Meetings mit ihnen und mit dem O-Line-Coach gute Gespräche hatte. Ich hatte da immer ein gutes Gefühl und daher waren sie auch mein Wunsch, aber es ist unmöglich, das im Vorfeld vorauszusagen."

... Interviews mit den Colts vor dem Draft: "Der größte Unterschied zu den anderen Teams war einfach, wie häufig ich mich mit den Colts getroffen habe. Im gesamten Draft-Prozess hatte ich alle paar Wochen Interviews entweder mit einem Colts-Scout, einem O-Line Coach oder dem Offensive Coordinator, mit denen ich dann schon früh Beziehungen aufbauen konnte. Das gab mir schon früh ein gutes Gefühl. Mit dem O-Line Coach habe ich mich schon relativ viel über deren Plays im Vergleich zu den Plays auf dem College unterhalten. Wir sprachen über deren Unterschiede. Es waren einfach sehr hilfreiche, positive Meetings mit den Colts."

Bernhard Raimann: "Oh Mist, jetzt werde ich überhaupt nicht gedraftet"

... mögliche Zweifel während des Drafts: "Natürlich hat man immer diese blöden Gedanken. 'Oh Mist, jetzt werde ich überhaupt nicht gedraftet.' Aber mir war es eigentlich immer klar, dass ich irgendwie schon meinen Weg finden werde. Ein paar negative Gedanken hat es gegeben, aber ich habe mir nicht zu viele Sorgen gemacht."

... die Indianapolis Colts: "Ich habe mich im Endeffekt sehr gefreut, zu einem Team wie den Indianapolis Colts zu kommen, die ja schon ein Spitzenteam haben. Es ist eine super Stadt und sie haben riesengroße Unterstützung von den Fans in der Umgebung. Ich glaube, dass das für mich als Spieler und auch als Mensch ein super Team ist."

... seine Meinung zu seiner Draftposition: "Man kann es letztlich nicht ändern, aber es motiviert mich umso mehr, dass so viele Tackles vor mir gezogen wurden."

... Gerüchte von Problemen beim Medizincheck im Vorfeld des Drafts: "Jedes Team versucht im Draft, die besten Spieler zu bekommen. Aber es ist auch ein Geschäft und die Teams versuchen, die Spieler auch so günstig wie möglich zu bekommen. Und je später ein Spieler gezogen wird, desto weniger kostet er an Gehalt. Wenn man dann wochenlang den Draft-Prozess durchläuft, versucht jedes Team, so viel Negatives wie möglich über einen Spieler herauszufinden. Ich kam dann zur Combine und habe unzählige Scans über mich ergehen lassen. Sie haben alle möglichen Knorpel und Knochen in meinem Körper untersucht. Und dann findet man in jedem Körper etwas, was nicht richtig ist oder nicht gut aussieht, besonders wenn man schon einige Zeit Football gespielt hat. Manche Dinge, die man da findet, sind für bestimmte Teams akzeptabel, für andere aber überhaupt nicht. Aber in dem Moment ist es auch schon zu spät. Als Spieler kann man es dann nicht mehr ändern. Ich kann jetzt aber den anderen Teams zeigen, was ihnen entgangen ist, weil sie mich nicht gedraftet haben. Es gab aber auch noch nie einen Spieler, der komplett gesund diesen Prozess durchlaufen hat."

... Kontakt mit den neuen Kollegen: "Also mit Quarterback Matt Ryan hatte ich noch keinen Kontakt, aber Running Back Jonathan Taylor hat mir bereits auf Instagram geschrieben direkt am Draft-Tag. Und ich habe schon mit meinem deutschen Teamkollegen Marcel Dabo geschrieben. Den Rest der Leute lerne ich dann beim Rookie Minicamp kennen."

Bernhard Raimann: "Colts sind ein sehr guter Super-Bowl-Contender"

... die sportlichen Perspektiven der Colts in der neuen Saison: "Wir haben auf jeden Fall Chancen, in die Playoffs zu kommen. Ich glaube auch, dass wir ein sehr guter Super-Bowl-Contender sind und das Potenzial haben, bis zum Ende dabei zu sein, um in Arizona zu spielen. Sie haben ein sehr gutes Team zusammengestellt und ich glaube, dass wir gute Chancen haben, dass dann auf dem Feld auch zu zeigen."

... schematische Unterschiede zwischen College und den Colts: "Schematisch sind einige Plays denen, die ich vom College kenne, schon sehr ähnlich. Ein großer Unterschied vom College-Level zur NFL ist aber, wie komplex die NFL-Plays insgesamt aufgebaut sind. In der NFL hat man viel mehr Play-Calls und Adjustments, die nicht mehr nur vom Quarterback kommen. Zudem ist die Aufgabenverteilung im Vergleich zum College viel genauer und man muss sich viel mehr merken. Aber die grundlegenden Ideen sind die gleichen."

... seine Position und die Chancen, von Woche 1 an zu starten: "Es sind noch vier lange Monate bis dahin. Aber ich werde mich von Anfang an so vorbereiten, als wäre ich schon der Starter. Ich werde jeden Tag alles geben und ich weiß, dass ich das Potenzial dazu habe. Jetzt geht es vor allem darum, dass auch auf dem Feld umzusetzen und den Coaches zu zeigen, dass ich es kann."

... seine künftige Position bei den Colts: "Bislang hat man mir nur gesagt, dass in der Saison die fünf besten O-Liner spielen werden. Auf welcher Position werde sich noch herausstellen. Wie man das auch immer hinnehmen möchte, denke ich mir einfach, dass ich am Anfang vielleicht als Left Tackle angesehen werde. Ich werde mein Bestes geben und wenn ich dann Guard oder Center spiele, wäre das für mich auch kein Problem. Ich werde versuchen, mich so gut es geht zu beweisen. Sei es über die Special Teams oder als Left Tackle."

Bernhard Raimann: "Es ging nicht ums Geld"

... seine Motivation in der NFL: "Es ist ein Beruf. Und natürlich wünscht man sich, genügend Geld zu verdienen, um zum Beispiel ein Haus zu kaufen. Aber es ging mir nie darum, das meiste Geld zu verdienen. Es ging immer darum, Football zu spielen, eine Inspiration für die nächste Generation von Footballspielern zu werden und der bestmögliche Spieler zu werden. Das steht jetzt erstmal an erster Stelle."

... Geld, das er durch seinen Fall im Draft verloren hat: "Am Draft-Wochenende hat das überhaupt keine Rolle gespielt. Es ging nicht ums Geld. Ich hatte eine gute Kindheit, meine Eltern haben immer gearbeitet und tun das immer noch. Ich hatte also nie den Stress, dass ich irgendwie meine Eltern von der Straße holen muss oder dergleichen. Meine Eltern haben mir immer klargemacht, dass, was auch immer passiert, ich es aus Leidenschaft zum Sport machen soll. Was auch passiert, sie würden mich immer unterstützen. Das hat mir auch immer so viel Kraft gegeben."

... die Verletzungsgefahr in der NFL: "Es ist ein wichtiges Thema. Es ist auch wichtig, dass sich die Spieler immer daran erinnern, wie schnell man sich verletzen und wie schnell man dadurch aus der NFL raus sein kann. Es ist natürlich eine sehr negative Sicht, aber auf der anderen Seite erinnert es einen auch immer wieder daran, dass jeder Tag dein letzter sein könnte. Und wenn man nicht alles aus einem Tag herausholt, wird man das vielleicht am Ende bereuen."

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