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NFL Draft 2022 - Bernhard Raimann: "Manchmal übergibt man sich, aber das ist Teil des Jobs"

Bernhard Raimann freut sich mehr über den Besuch seiner Eltern als den Draft an sich.

Offensive Tackle Bernhard Raimann gilt als potenzieller Erstrundenpick im NFL Draft 2022 und macht sich keine allzu großen Gedanken darüber, bei welchem Team er denn landen oder wie hoch er gezogen wird.

Der 24 Jahre alte Österreicher sprach in einer Medienrunde der NFL, an der auch SPOX teilgenommen hat, über seine derzeitige Situation, seinen Positionswechsel auf dem College, seine Beweggründe, diese Karriere zu verfolgen und seine Eltern, die er seit 2019 nicht mehr gesehen hat.

Bernhard Raimann über ...

... seine aktuelle Situation: "Diese Woche ist es wesentlich entspannter. Ich habe letzte Woche mein letztes Team-Interview gehabt, ich habe meine ganzen Reisen abgeschlossen. Das heißt, ich bin diese Woche schon etwas runtergekommen und bin schon aus meinem Apartment ausgezogen. Ich trainiere zwar noch, aber es ist schon gemütlicher geworden. Ich habe zum Beispiel keine Zoom-Interviews mehr mit Coaches. Daher fühle ich mich schon ein wenig entspannter, aber sicherlich geht der Puls nächste Woche wieder höher, wenn wir zum Draft kommen."

... seine vergangenen Wochen auf den Weg zum Draft: "Es ist eine Mischung aus Stress und Vorfreude auf das, was da passieren wird. Ich habe jetzt in Kalifornien trainiert und es war eine Super-Erfahrung, dort für ein paar Monate zu wohnen. Aber im Endeffekt ist es ja doch noch ein Business-Trip, also man trainiert da den ganzen Tag, auch wenn man am Abend eben schon ein bisschen den Strand und das Meer genießen kann. Aber dann fliegt man eben mal nach Alabama zum Senior Bowl oder nach Indianapolis zur Combine oder nach Michigan zum Pro Day. Dort hat man dann Zoom-Meetings mit Coaches oder Coaches kommen extra nach Michigan. Zudem sind in der Zeit auch Besuche bei den einzelnen Teams und man fliegt immer hin und her. Und ich bin eben auch kein ganz so großer Fan vom Fliegen, weil das nicht immer ganz angenehm ist, wenn man länger ist als ein normaler Mensch. Dann ist es nicht immer so ganz angenehm. Auch kommt der Stress von allein, weil man immer seine beste Performance bei diesen ganzen Events abliefern muss."

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... das Feedback von Coaches und Draft-Experten: "Ich habe an sich sehr gutes Feedback bekommen. Als Sportler möchte man von sich aus immer ein bisschen weiter springen, ein, zwei Wiederholungen mehr beim Bankdrücken schaffen. So 100-prozentig zufrieden ist man ja nie, aber im Großen und Ganzen bin ich stolz auf das, was ich geleistet habe. Und diese Leistungsprüfungen gehen ja dann eh immer weiter mit den Mini Camps für die Rookies zum Beispiel."

Bernhard Raimann: Große Ehre, als erster Österreicher gedraftet zu werden

... die Bedeutung, als erster Österreicher im Draft ausgewählt zu werden: "Man arbeitet darauf hin, gedraftet zu werden, um sich selbst zu beweisen. Auf der anderen Seite ist der Draft aber auch nur ein Mittel zum Zweck. Es ist zwar ein Super-Auswahlverfahren, aber danach muss man sich immer noch beim Team beweisen. Ich versuche mir auch immer wieder bewusst zu machen, dass es nicht darauf ankommt, wann oder wohin ich gedraftet werde. Insofern mache ich mir nicht allzu viele Gedanken. Aber in der Situation zu sein, als erster Österreicher gedraftet zu werden, wäre natürlich eine große Ehre. So ein bisschen österreichische Football-Geschichte zu schreiben, wäre natürlich super. Aber ich glaube auch, dass in den nächsten Jahr viel mehr Österreicher, Deutsche und internationale Spieler generelle gedraftet werden, da wir ein sehr gutes Programm dazu haben."

... sein "Endziel" im Football: "Endziel ist natürlich schwer zu sagen, weil eine Football-Karriere schwer vorauszusehen ist. Aber das Endziel ist es natürlich, so viele Super-Bowl-Ringe wie möglich zu sammeln und All-Pro-Tackle zu werden, also der Beste auf meiner Position in der Liga zu verwenden - langfristig gesehen. Wie viele Ringe, ist natürlich sehr schwer vorauszusagen, allerdings sind das meine langfristigen Ziele. Kurzfristig geht es darum, so schnell wie möglich einen Stammplatz zu erreichen, mich auf dem Feld zu beweisen und meinem Team so gut es geht zu helfen."

... seinen Positionswechsel in den Staaten: "In Österreich Football zu spielen, hat mir wirklich sehr geholfen. Es hat mich vor allem als Athlet weiterentwickelt. Teams wie die Vienna Vikings haben ein Super-Programm, in dem sie Spieler nicht nur nach Positionen, sondern auch als Athleten fördern. Und die Vikings haben mir enorm geholfen, ein Fundament zu legen, dass es mir erlaubt hat, von einem Tight End zu einem O-Liner zu werden und mich auch dort beweisen zu können. Diese Basis zu haben, hilft enorm."

Bernhard Raimann: "Wünschte, ich hätte da auch mehr Insiderwissen"

... seinen Draft-Wissensstand: "Ich wünschte, ich hätte da auch mehr Insiderwissen, aber sehr viel weiß ich auch nicht. Ich habe mich mit einigen Teams unterhalten, ich hab sie besucht und mit einigen auch Einzeltrainings gehabt. Teilweise habe ich auch sehr gutes Feedback von denen bekommen, aber es ist schwer zu sagen, was da nun genau im Draft passieren wird. Ich werde letztlich auch vor dem Fernseher sitzen und auf das Beste hoffen."

... seine Ernährung: "Ich habe mich daran gewöhnt. Aber anfangs war es schwierig, bei meinem Wechsel vom Tight End zum O-Liner meine Ernährung zu ändern. Ich versuche auch so gut wie möglich, nicht nur Fettmasse aufzubauen, sondern auch Muskelmasse aufzubauen. Es ist schwierig, sich dann trotzdem gesund zu ernähren, aber ich habe mich daran gewöhnt. Und: Meine Eltern kommen am Wochenende und da werde ich sicher ein paar gute Mahlzeiten von denen bekommen."

... seine Landsleute Bernhard Seikovits (Arizona Cardinals) und Sandro Platzgummer (New York Giants) in der NFL: "Ich finde es super, dass sich Bernard und Sandro schon in der NFL etabliert haben. Natürlich hilft das enorm, mit denen auch noch Kontakt zu halten. Sandro habe ich vor ein paar Monaten bei einem NFL-Event in Los Angeles getroffen und es war echt super, da Erfahrungen auszutauschen und über die Vergangenheit zu sprechen - wir waren ja Gegenspieler in der Liga und gemeinsam im Nationalteam. Ich glaube das hilft enorm zu wissen, dass es schon andere vor der geschafft haben. Aber jetzt wird es Zeit, einen bisschen anderen Weg zu gehen als die beiden. Aber das ist trotzdem cool."

... den österreichischen Kicker Toni Fritsch: "Ich habe mit vielen Teams über die Kicker geredet, die wir schon gehabt haben, zum Beispiel Fritsch. Und die meisten Coaches, die schon länger dabei sind, können sich noch an ihn erinnern und finden es ziemlich cool, wenn man sie daran erinnert."

... Fragen in Team-Interviews: "Diese Interviews verlaufen ein bisschen in Stufen. Zuerst unterhält man sich beim Senior Bowl oder einem All-Star Game hauptsächlich mit Scouts. Deren Aufgabe ist es herauszufinden, wer der Spieler ist, was er für einen Hintergrund hat und warum er überhaupt hier ist. Und da sprach ich dann mit allen 32 Teams und musste meine Football-Geschichte und meinen Familienhintergrund beschreiben. Und wenn es dann zur Combine und schließlich näher zum Draft geht, spricht man mit einzelnen Coaches, Besitzern und General Managern. Diese Leute interessiert es auch sehr, woher man kommt, allerdings versuchen sie diese Interviews footballspezifischer zu machen. Dann redet man ein wenig über sich selbst und anschließend muss man diese Spielzüge selbst wiedergeben und denen erklären. Auch muss man seine eigenen Spielzüge erklären anhand von Tape von Central Michigan in diesem Fall. Sie versuchen einfach herauszufinden, wie sehr man in Football involviert ist. Mir persönlich haben diese Football-Interviews besser gefallen, weil man da ein bisschen mehr Abwechslung hat."

... den Zustand seines zukünftigen Teams: "Wie das Team letztes Jahr war und was ihm in dem Jahr vielleicht gefehlt hat, ändert nicht viel an meiner Situation. Beweisen muss ich mich trotzdem noch und spielen muss ich auch noch gegen sehr gute Defensive Lineman. Vielleicht hat ein Team, das im Vorjahr nicht so gut abgeschnitten hat, ein wenig Extramotivation, aber ich glaube nicht, dass das wirklich viel ändern wird."

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