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NFL

Super Bowl LVI - Der Triumph der Los Angeles Rams: Ein Ritt auf der Rasierklinge

Cooper Kupp erzielte zwei Touchdowns im Super Bowl.

Die Los Angeles Rams haben Super Bowl LVI gegen die Cincinnati Bengals gewonnen und damit eine äußerst riskante Personalpolitik zu einem positiven Ende gebracht. Tragfähig scheint dieses Modell aber nicht zu sein.

Nachdem sie vor gut einem Jahr Quarterback Matthew Stafford per Trade an die Westküste geholt hatten, war es ganz klar: die Los Angeles Rams sind "all-in". Und es wurde umso klarer, als die Rams im Laufe der Saison auch noch Defensiv-Star Von Miller via Trade und Star-Receiver Odell Beckham Jr. als Free Agent dazu holten.

Allerdings darf der Triumph nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch jetzt gerade im Super Bowl gegen die Cincinnati Bengals wieder deutlich wurde: Das ganze Projekt ist auf Kante genäht. Es war wahrlich ein Ritt auf der Rasierklinge.

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Die Rams gewannen zwar letztlich den Super Bowl und damit ist unter dem Strich auch klar, dass General Manager Les Snead für seine aggressive Herangehensweise an den Kaderbau nicht nur belohnt, sondern auch bestätigt wurde. "Wir haben unsere Mission erfüllt, das fühlt sich großartig an", sagte etwa Superstar Aaron Donald.

Snead verpfändete die nähere Zukunft des Teams für den schnellen und maximal möglichen Erfolg. Die Rechnung ging auf, die zweite Lombardi Trophy der Rams kommt in die Vitrine.

Doch ob dieses Konzept Schule macht und von anderen Teams übernommen wird, muss dann doch bezweifelt werden. Es war nämlich auch sehr viel Glück dabei, welches bekanntlich nicht planbar ist.

Die Rams waren zusammengestellt wie ein zusammengetradetes NBA-Super-Team, dessen erste Garde überragend sein kann, doch war eben kein Geld mehr übrige für gute Backups. Die Tiefe im Kader war deshalb schlicht nicht gegeben.

So stellte sich dann auch die Saison der Rams dar. Sie spielen offensiv durchweg mit 11-Personnel, brauchen also immer drei Wide Receiver. Im Kader stehen aber auch nur genau drei vorzeigbare Wide Receiver - Odell Beckham Jr. sollte eigentlich der vierte werden, doch nur kurz nach seiner Ankunft riss sich Starter Robert Woods das Kreuzband, wodurch OBJ prompt dessen Platz übernehmen musste.

Er machte dies bis hin zum Super Bowl mit Bravour, doch offenbarte seine Knieverletzung im Super Bowl dann auch wieder das Problem - danach nämlich kam nicht mehr viel. Ben Skowronek, der eigentlich eher nicht spielen sollte, musste für OBJ spielen und fing nur zwei Pässe - einer seiner Drops führte sogar zu einer Interception.

Los Angeles Rams holen Eric Weddle aus dem Ruhestand

Ein ähnliches Bild bot sich auch auf der für die Rams so wichtigen Safety-Position. Hier musste der 37-jährige Eric Weddle, der sich eigentlich schon seit 2019 im Ruhestand befand, kurzfristig für die Playoffs reaktiviert werden, weil Jordan Fuller verletzt ausfiel. Und Weddle musste dann im Super Bowl nach einem Brustmuskelriss sogar noch bis zum Ende auf die Zähne beißen - mangels adäquater Alternativen.

Zudem gingen L.A. schon früher in den Playoffs die Alternativen auf der Left-Tackle-Position aus. Der 40 Jahre alte Andrew Whitworth verpasste das Divisional Game gegen Tampa Bay verletzt und kam rechtzeitig zum Championship Game zurück. Just, als sich Backup Joseph Noteboom schwer verletzt hatte und kein Spiel mehr machen konnte.

Das Wagnis ging auf. Doch auch die Art und Weise, wie der Super Bowl letztlich gewonnen wurde, zeigt deutlich, dass bei den Rams auch beim finalen Schritt zur Krönung nicht alles rund lief.

Oder gar nicht lief, wenn man das Play Calling von Head Coach Sean McVay betrachtet. Die Rams liefen 33-mal für 43 Yards (1,9 Yards pro Carry). Laufspielzüge erbrachten ganze zwei First Downs - eines davon durch einen Jet Sweep von Cooper Kupp. Das Run Game war der Inbegriff von Ineffizienz und dennoch hielt McVay bis spät im Spiel stur daran fest.

Dass es am Ende doch gelang, die Partie noch umzubiegen, lag offensiv einzig und allein daran, dass es den Bengals wiederum nicht gelang, die erzwungenen Würfe von Stafford auf Kupp zu stoppen. Das war so ziemlich das einzige, was den Rams offensiv noch blieb - sonst funktionierte rein gar nichts. Doch die Kupp-Brechstange reichte zum Erfolg, weshalb Kupp logischerweise auch zum Super-Bowl-MVP gewählt wurde.

Los Angeles Rams: Für Aaron Donald schließt sich der Kreis

Neben Kupp war die Dominanz von Aaron Donald und Von Miller in der Defense entscheidend. Beide rissen das Spiel an der Line of Scrimmage ab Mitte des dritten Viertels komplett an sich und setzten Joe Burrow pausenlos unter Druck (insgesamt 17-mal!). Der Bengals-Quarterback musste im Spiel sieben Sacks einstecken.

"Ich wollte das unbedingt. Ich habe davon geträumt. Es gibt viele Höhen und Tiefen, jetzt hat sich der Kreis geschlossen und ich bin World Champion", brachte es Donald auf den Punkt.

Nach all den riskanten Manövern und den zahlreichen künftigen Draftpicks, die bei der Zusammenstellung dieses Kaders draufgingen, waren es am Ende vier Spieler, die den Unterschied gemacht haben.

Das kann gut gehen, doch sollte man nicht unbedingt darauf bauen, dass sich dieser Erfolg wiederholen wird. Speziell da nun zahlreiche Leistungsträger wie Beckham, bei dem die Schwere der Knieverletzung noch unklar ist, oder auch Miller Free Agents werden und nicht eben viel Cap Space zur Verfügung steht, um am Kader zu arbeiten.

Die Rams dürfen jetzt feiern, es erscheint jedoch fraglich, ob sich mit ihrem aktuellen Konzept eine längere Ära prägen lässt, denn schon im kommenden Draft ist wieder ein besonderes Auge auf spezielles Talent gefordert - die ersten Runden finden nämlich ohne die Rams statt.

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