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NFL: Los Angeles Rams - "All-In" wie noch nie für das ganz große Ziel

Matthew Stafford führt alle Quarterbacks in zahllosen Statistiken an.

Die Los Angeles Rams haben mit Von Miller den nächsten Superstar an Land gezogen und dafür erneut ihre Zukunft verpfändet. Doch kurzsichtig ist diese aggressive Herangehensweise keineswegs. Vielmehr zielt sie auf ein ganz großes Ziel ab - und darüber hinaus.

Die Los Angeles Rams sind "All-In" - mal wieder. Diesen Satz konnte man über die Rams nun schon des Öfteren lesen seit sie ihren Umzug nach L.A. im Jahr 2016 vollzogen haben. Seither gehen sie stets aggressiv vor, um ihren Kader so gut es geht für die Gegenwart zu verbessern.

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Dieses Jahr allein ist ein Paradebeispiel dafür. Erst im Frühjahr wurde ein Trade eingefädelt, der Quarterback Matthew Stafford aus Detroit an die Westküste brachte. Im Gegenzug ging Jared Goff samt eines Drittrundenpicks im Draft 2021 sowie der Erstrundenpicks 2022 und 2023 zu den Lions.

Dieser Deal allein wurde schon als eine Art finales Puzzleteil betrachtet. Allerdings wurde man das Gefühl nicht los, dass immer noch etwas fehlte. Das Stammpersonal in der Spitze war schon imposant, doch fehlte es ein wenig in der Breite. Ein Gefühl, dass die Verantwortlichen des Teams, General Manager Les Snead und Chief Operating Officer Kevin Demoff, offensichtlich nicht teilten.

Im Gegenteil, sie konzentrierten sich eher darauf, das vorhandene Personal noch in der Spitze zu stärken.

Los Angeles Rams traden für Von Miller

Trotz eines starken Saisonstarts ließen sie sich nicht beirren und fädelten zur Trade Deadline nun auch noch den Trade für Von Miller mit den Denver Broncos ein.

Ein Geschäft, das ihre Defense noch imposanter erscheinen lässt als sie ohnehin schon war.

Mit Miller, Aaron Donald und Jalen Ramsey haben sie nun wirklich auf allen Ebenen einen Superstar in ihren Reihen. Sie verfügen nun über ein Defensiv-Konstrukt, das wohl jeden Gegner vor Probleme stellen wird.

Die Idee dahinter lässt sich schon mathematisch recht simpel erklären: Gegen Donald werden oft mindestens zwei Blocker abgestellt, Cornerback Ramsey in seiner "Star"-Rolle muss man tunlichst aus dem Weg gehen, sodass der Receiver in seiner Deckung - meist das Top-Target des Gegners - auch schon mal raus ist. Nun kommt Miller dazu, der ebenfalls meist zwei Blocker auf sich zieht - entsprechend werden durch die drei allein schon mal mindestens fünf Spieler gebunden - die Rams-Defense hat dann noch acht weitere Verteidiger, von denen maximal sechs geblockt werden können.

Oder wie es Miller auf seiner Vorstellungspressekonferenz formulierte: "Viele Gegner stellen Triple-Teams gegen Aaron Donald. Ich sah über die letzten zehn Jahre Triple-Teams. Das sind allein schon mal sechs Leute - und wir haben immer noch Leonard Floyd! Und all die anderen Jungs." Hier bahnt sich ein Albtraum für die Konkurrenz an.

Los Angeles Rams: Miller-Trade unterstreicht übergreifende Team-Strategie

Der Miller-Deal macht noch einmal die aktuelle Strategie des Teams deutlich. Doch daneben gab es noch zwei andere bemerkenswerte Transaktionen, die ebenfalls dazu passen.

Zunächst zum Miller-Deal: Trotz auslaufenden Vertrags schickten die Rams ihre zwei höchsten noch vorhandenen Draftpicks im kommenden Jahr nach Denver - einen Zweit- und einen Drittrundenpick. Warum? Ganz einfach, um den Deal überhaupt zu bewerkstelligen. Die Broncos übernehmen aufgrund des einen Extra-Picks freundlicherweise Millers ausstehendes Gehalt von rund neun Millionen Dollar. Ein Betrag, der den aktuellen Cap Space der Rams in Höhe von etwas mehr als vier Millionen Dollar deutlich überstiegen hätte. Die Broncos erkauften sich also gewissermaßen den weiteren Pick, da sie genügend Cap Space haben.

Das war allerdings nicht der einzige Deal zwischen den Rams und Broncos in dieser Saison. Zuvor bereits schickte L.A. Linebacker Kenny Young zusammen mit einem 2024er Siebtrundenpick nach Colorado. Im Gegenzug gab es einen 2024er Sechstrundenpick zurück. Was auf den ersten Blick komisch wirkt, macht auf den zweiten durchaus Sinn.

Youngs Vertrag läuft am Saisonende aus und wie aus L.A. zu hören ist, hatten die Rams frühzeitig entschieden, den 2018er Viertrundenpick der Ravens nicht langfristig zu halten. Er wurde daher obsolet, zumal der diesjährige Drittrundenpick, Ernest Jones, überzeugte und nun mehr Spielzeit bekommen sollte.

Jones wiederum zeigt, dass es den Rams immer wieder gelingt, mit Draftpicks an den Tagen zwei und drei - der stark aufspielende Nose Tackle Sebastian Joseph-Day war zum Beispiel ein Sechstrundenpick, ebenso Starting Safety Jordan Fuller - Volltreffer zu landen, was dann auch teurere Transaktionen ermöglicht.

Los Angeles Rams: College-Scouting mit besonderem Fokus

Die Rams setzen mittlerweile in ihrem College-Scouting darauf, Spieler zu finden, die vielleicht nicht alles machen können, die aber in bestimmten Bereichen ihre Qualitäten haben, die die Rams dann gezielt stärken und ausnutzen können. Das wiederum macht sie weniger von insgesamt höher talentierten Spielern abhängig, die in der Regel in den früheren Draft-Runden vom Board gehen. Joseph-Day etwa bringt kaum etwas in Sachen Pass Rush mit, dafür ist er ein sehr guter Run-Stopper. Fuller ist ein sicherer Tackler, aber nicht unbedingt der beste Cover-Spieler.

Die Rams, die ohnehin davon ausgehen, nicht allzu früh zu picken, weil sie einige Spiele gewinnen, verzichten daher bereitwillig auf Draftpicks in frühen Runden, wenn sie dadurch fertige NFL-Spieler bekommen können. Daher ist es auch kein Zufall, dass sie seit Jared Goff 2016 keinen einzigen Pick in Runde 1 mehr gemacht haben. Beginnend mit dem Trade für den ersten Pick insgesamt seinerzeit gingen all ihre Erstrundenpicks für Goff, Jalen Ramsey und nun eben Matthew Stafford drauf.

Los Angeles Rams: Draftkapital 2022

RundeAnzahl Picks
1-
2-
31 (LAR Comp.)
41 (LAR Comp.)
51 (LAR)
62 (LAR Comp., LAR Comp.)
72 (MIA, LAR)
Gesamt7

Darüber hinaus verstehen sie es, das System auszunutzen. Im kommenden Draft stehen neben ihren übrigen Draftpicks wohl auch noch vier Compensatory Picks in den Runden 4 bis 6 an, nachdem sie ihre bisherigen Leistungsträger Safety John Johnson, Cornerback Troy Hill, Edge-Rusher Samson Ebukam und Tight End Gerald Everett in der Free Agency abgegeben hatten. Jene wurden nahezu komplett von Eigengewächsen ersetzt. Darüber hinaus erhalten sie einen zusätzlichen Drittrunden-Compensatory-Pick dafür, dass ihr früherer Mitarbeiter Brad Holmes nun GM der Lions wurde und als Afroamerikaner einer Minorität angehört.

Wie rigoros die Rams vorgehen, sehen wir indes auch an der Personalie DeSean Jackson. Der Wide Receiver stieß erst diese Saison zum Team und wurde nun schon wieder entlassen. Er war unzufrieden mit seiner Rolle in der internen Rangfolge - Jackson war hinter Vorjahres-Rookie Van Jefferson zurückgefallen und nur noch die Nummer 4 des Receiving Corps. Zu wenig für einen gestandenen Spieler wie ihn. Ein Trade gelang nicht, also kam es zur Entlassung, obwohl die Personaldecke hinter Cooper Kupp, Robert Woods und Jefferson langsam dünn wird. Der interne Frieden war ihnen wichtiger. Auf den ihm noch zustehenden 1,4 Millionen Dollar bleibt man daher ebenso bereitwillig sitzen.

Los Angeles Rams: Die beste Offense der NFL?

Und auch weitestgehend ohne Jacksons Zutun stellen die Rams derzeit die effizienteste Offense der Liga - Football Outsiders hat diese Unit bei 27,5 Prozent DVOA - noch vor den Tampa Bay Buccaneers (25,9 Prozent). Und das vor allem dank des Passspiels, was ein klarer Effekt Staffords ist, nachdem Sean McVay in den vergangenen Jahren eigentlich immer sein Outside-Zone-Run-Scheme als Grundlage der Offense betrachtet hatte. Damit einhergehend führt Stafford auch die Liga in DYAR, DVOA und QBR an - jeweils vor Tom Brady.

Darüber hinaus darf man argumentieren, dass auch dank Staffords Ankunft Wide Receiver Cooper Kupp ein neues Level in seiner Entwicklung erreicht hat. Im Grunde begann kein Wide Receiver seit Jerry Rice vor über 30 Jahren mehr eine Saison so fulminant wie er: Er führt die Liga mit 924 Yards und 10 Touchdowns deutlich an.

All das zusammen mit der nun wohl noch besser werdenden Defense ergibt einen klaren Titelanwärter zur absolut rechten Zeit, denn Super Bowl LVI steigt im SoFi Stadium, der neuen Heimat der Rams. Wohl auch deshalb sind sie "All-In", wie man am Pokertisch sagen würde. Das Titelfenster wurde weit aufgerissen.

Die Frage ist nun allerdings, wie lange das so bleiben wird. Der Cap Space für 2022 liegt aktuell auf Grundlage der erwarteten Salary Cap von 208 Millionen Dollar bei gerade mal rund sechs Millionen Dollar. Da die Verträge von Leistungsträgern wie Miller, Cornerback Darious Williams, Joseph-Day oder auch Linebacker Troy Reeder auslaufen, besteht also schon zeitnah wieder größerer Handlungsbedarf.

Allerdings gehört außer Miller keiner der angehenden Free Agents zu den Topstars. Und wenn wir eines aus der bisherigen Herangehensweise der Rams gelernt haben, dann, dass nahezu jeder Rollenspieler ersetzt werden kann. Und damit könnte das Titelfenster auch über 2021 hinaus offen bleiben - auch wenn nichts so verlockend erscheint wie ein Heimsieg im Super Bowl.

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